Der Paranoiathriller überzeugt durch eine kühle Atmosphäre und durch gute Darstellerleistungen. Die Schwachstelle des Films ist jedoch das Drehbuch, das es nicht schafft, die vielversprechende Grundidee zu einem spannenden Spielfilm auszubauen und dem Zuschauer ein überraschendes und überzeugendes Ende zu präsentieren.
Es gibt Filme, die man sich getrost sparen kann, sofern man den Trailer gesehen hat - Die Vergessenen ist einer davon. Der im kleinen Appetitanreger bereits angedeutete Clou der Geschichte wird im Film zwar etwas detaillierter präsentiert, was aber angesichts der Einfallslosigkeit des Präsentierten vollkommen unbefriedigend ist. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, Die Vergessenen im Kino zu genießen, der sollte sich jeglicher vorab gereichter Information entziehen, um zumindest ein paar handlungstechnische Überraschungselemente zu erleben.
Die Geschichte handelt von Telly Paretta (Julianne Moore), deren Sohn Sam vor einigen Jahren bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben kam. Telly hat den Verlust seither nicht überwunden und ist deswegen bei dem Psychiater Jack Munce (Gary Sinise) in Behandlung. Eines Tages bemerkt Telly, das Erinnerungen an Sam systematisch aus ihrem Umfeld verschwinden. Sie vermutet ihren Ehemann Jim hinter der Sache, wird jedoch von Doktor Munce eines Besseren belehrt. Denn in Wahrheit hatte sie nie einen Sohn, sondern hat all die Erinnerungen in ihrer Phantasie erschaffen. Ungläubig und voller Verzweiflung wendet sie sich daraufhin an den Alkoholiker Ash Correll, dessen Tochter ebenfalls bei dem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben kam.
Handwerklich kann der Paranoiathriller von Genrespezialist Joseph Ruben (Sleeping with the Enemy) durchaus überzeugen. Der Regisseur verpasste dem Film eine ungemütliche sowie kühle Atmosphäre und überzeugte mit teils sehr gut gelungen Effekten, wie zum Beispiel einem hervorragend gefilmten Autounfall. Wie oben bereits angedeutet ist das Drehbuch von Gerald Di Pego (Angel Eyes) die Schwachstelle des Films. Denn nach einem sehr interessanten und vielversprechenden Beginn, bewegt sich die Geschichte zielstrebig in Richtung Auflösung und gibt auf dem Weg dorthin bereits zahlreiche Details preis. Der Showdown ist schließlich eine einzige Enttäuschung, da die präsentierte Auflösung zu diesem Zeitpunkt bereits klar ist und außerdem nicht gerade mit Einfallsreichtum glänzt.
Die Darsteller leisten sehr gute Arbeit und haben großen Anteil daran, dass Die Vergessenen über weite Strecken ein spannender und unterhaltsamer Film ist. Hauptdarstellerin Julianne Moore gelingt ein sehr überzeugendes Portrait einer leidenden Mutter, die trotz aller Fakten stets daran glaubt, dass ihr Sohn wirklich existierte. Trotzdem überwiegt am Ende die Enttäuschung über das in allen Belangen unbefriedigende Ende des Films. Schade, denn die Grundidee von Die Vergessenen hatte durchaus Potential und wurde damit zu Grund gerichtet.