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Ken Park

(Ken Park, 2002)

Durchschnittliche Redaktionswertung

50%



Inhalt

Jugendliche einer amerikanischen Kleinstadt entrinnen ihrem Alltag durch Sex aus Langeweile. In der Sinnlosigkeit ihres Handelns spiegelt sich die Belanglosigkeit ihres Lebens wieder, das gezeichnet ist von Kleinstadtgeschichten. Diese Freunde, die sich nicht wirklich kennen, werden gezeigt, wie sie ihre Zeit mit Pseudo-Inhalten füllen.

Kritik

von Sylvre Strmann

Wertung Kritik

50%

Mit seinem programmierten Skandal zeigt Larry Clarke wieder einmal Jugendliche und ihre Sexualität und treibt dabei die Darstellung derselben auf eine neue Spitze. Sex als Hauptmotiv im Leben junger Menschen ohne Perspektive und als Aufbegehren gegen die Eltern kann eine Handlung alleine nicht tragen - daher spaltet sich das Publikum gleichmäßig in die Gruppe derer, die es schlichtweg für Effekthascherei und schlichtweg platt halten, und diejenigen, die dem Film trotzdem einen Sinn abtrotzen und wahre Größe darin erkennen. Kaum ein Film hat genau 50% so sehr verdient wie Ken Park.

Bild aus Ken Park In nahezu regelmäßigen Abständen ereignet sich ein nahezu programmatisches Ritual: ein Regisseur präsentiert sich auf einem renommierten Filmfest mit einem Oeuvre, das Dinge zeigt, die sensible Gemüter nicht sehen mögen, und sorgt damit für Aufruhr. "Skandal" und "Meisterwerk" hört man die Experten der Filmbranche dann meist ausrufen, denn was den Einen zu heikel ist, stellt für die Anderen den Inbegriff zelluloider Kunst dar. Während Twentynine Palms nur einen kurzen Augenblick augrund der sehr brutalen und Aufsehen erregenden Schlusssequenzen für einen solchen Tumult sorgte, in deutschen Kinos aber weitgehend unbeachtet blieb, setzte sich die Diskussion um Irreversibel auch im populären Feuilleton fort. Dafür sorgte letztlich auch die Vergewaltigungsszene der erfolgreichen und seit Matrix auch recht bekannten Monica Bellucci, was weithin für Empörung sorgte. Dass Letztere ganz und gar nicht auf stets brave Figuren bedacht ist, zeigte sich bereits in Der Zauber von Malena und Dobermann, dessen Hauptdarsteller sie zwei Jahre später heiratete und mit ihm bei Irreversibel vor der Kamera stand.

Nun aber ist der neueste Skandal da. Man konnte es vorab schon förmlich riechen, dass vom Skandal-Regisseur Larry Clarke auch nichts anderes kommen könnte. Der Regisseur von Kids, das sich seinerzeit auch sehr medienwirksam präsentierte, hat wieder einmal Jugendliche, ja fast schon Kinder, und ihre Sexualität zum Thema erkoren. Und dabei ist Ken Park dem "Klassiker" Kids gar nicht einmal so unähnlich. Einer der auffälligsten Unterschiede besteht in der Darstellung juveniler Intersexualität; einen weiteren Unterschied dürften viele auch darin erkennen, dass sich in Ken Park kein offenkundiges Motiv bemerkbar macht.

Der Film beginnt mit einigen Ausschnitten, in denen man Ken Park, die Titelfigur, auf seinem Skateboard durch ein kleines, beschauliches, aber trostloses Kaff irgendwo in Amerika fahren sieht. Auch wenn der Ort einen Namen haben mag, so ist es doch letztlich nur "irgendein" Ort, einer von vielen, in denen es hart ist, ein Jugendlicher zu sein - besonders in der Pubertät. Am Ziel angelangt lässt sich Ken Park an seinem Hort nieder, einer dieser Kleinstadt-Beton-Installationen, die dafür geschaffen wurde die delinquente Jugend von der Straße zu halten und ihnen dort die Möglichkeit bietet sich auf Skateboards auszutoben. Gemächlich packt er eine Videokamera aus, richtet sich so ein, dass er im Bild zu sehen ist, grinst verschmitzt - und jagt sich eine Kugel durch den Kopf.

Damit fängt der Film eigentlich erst an. Steht zu Beginn noch die Frage, was mit Ken Park geschah, wer er war, so beginnt der eigentliche Protagonist zu erzählen. Er kannte Ken Park kaum, sagt er, aber er fühle sich schuldig, glaubt "irgendwie" an dem Tod beteiligt zu sein. Bis zum Ende des Films wird nie wieder die Rede von Ken Park sein. Man wird weder erfahren, ob er zu den sonderbaren Figuren, die der Film uns zeigt, in irgendeiner Weise in Beziehung steht. Ab hier öffnet sich der Film wilden Spekulationen - und genau das macht ihn so schwierig. Wer den Film mögen will, kann das auch. Aber genauso kann man vom Film schwer enttäuscht.

Da gibt es den vermeintlichen Protagonisten, der eine Affäre mit der Mutter seiner Freundin hat. Tagsüber, während die Freundin in der Schule ist und der Ehemann bei der Arbeit, verwöhnt er die Mutter mit Cunnilingi. Dann gibt es noch Peaches, das junge Mädchen, das ihrer verstorbenen Mutter ähnlich sieht und von ihrem tiefgläubigen Vater vor den Übeln der mondänen Welt beschützt wird. Mit ihrem Freund treibt sie neckische Spiele im Bett, während der Vater am Grabe der Mutter seine ewig währende Trauer zum Ausdruck bringt. Ein Junge, dessen Vater ihn verachtet aber gleichzeitig liebt, sucht die Flucht aus seiner heimischen Hölle. Ganz anders der "Verrückte", der seine Großeltern, bei denen er lebt, tyrannisiert und sich zum Gestöhne eines Frauen-Tennis-Matches masturbierend fast erhängt. Und so sehr die Kinder doch verschieden sind, so ist ihnen gemeinsam, vor der Langeweile, der unerträglichen Ausweglosigkeit, der Mangel an Perspektive, den ihnen ihr Leben inmitten des Nirgendwo bietet, eine Möglichkeit der Flucht zu suchen. Natürlich können sie nicht weg, es ist ihnen nicht möglich, zu verschwinden von dort, wo sie sind; und so verlieren sie sich in abenteuerlichen, aber letztlich belanglosen sexuellen Eskapaden. Krass wirkt das; nicht zuletzt wegen der so nicht gekannten "unverschämten" Darstellung des sexuellen Spiels von 15-Jährigen. Den Vorwurf der Pädophilie musste sich Clarke bereits früher anhören - bei diesem Film verwundert es nicht.

Aber gerade diese Belanglosigkeit dessen, wie die Jugendlichen ihre Situation vergessen zu machen versuchen, gibt dem Film ein äußerst träges Tempo, das selbst stellenweise unerträglich wird. So ist selbst für denjenigen, der ständig nach dem Sinn sucht, das Genießen der vielfältigen Interpretationsmöglichkeit nicht immer möglich. Schleppend geht die Geschichte, die eigentlich keine ist, voran und endet mit einem Dreier, der fast endgültigen Flucht, wo die Willkür des kindlichen Handelns am besten dargestellt wird. Es geht um den Sex, um die Ekstase, das Fantastische daran, nicht um das "Mit wem?". Und im letzten Dialog der Figuren geht es wieder einmal um Ken Park. Eine Schlusseinstellung zeigt ihn noch mal mit seiner Freundin, vermutlich am Tag vor seinem Selbstmord. Sie unterhalten sich. Sie ist schwanger. Sie will nicht abtreiben. "Hättest du gewollt, dass deine Mutter dich abgetrieben hätte?" Er grinst verschmitzt in die Kamera. Ende.

Das ist kein Spoiler. Es gibt dem Film erst einen größeren Sinn. Vielleicht. Wenn man denn so will. Etwa den, dass die Sex-Flucht vielleicht zeitweilig funktionieren mag, die ernsthaften Konsequenzen davon aber das Leben mit all seiner Verantwortung sein kann. Eine Verantwortung, die niemand zu tragen bereit ist, ja gar fähig dazu ist. Und so endet die Flucht in dieser Kleinstadt also doch nur in der Ausweglosigkeit und damit dem endgültigen Ende?

Keine weitere Wertung


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