Dennis Quaid quält sich als bodenständiger Anzeigenleiter mit seinem neuen Chef herum, der nur halb so alt wie er selbst und völlig planlos ist. Zwei großartige Darsteller stehen sich in der neuen Komödie aus dem Hause Weitz gegenüber, die leider den Erwartungen nicht ganz standhält. Dank Quaid und Grace ist sie aber dennoch unterhaltsam.
Reine Chefsache heißt der Film so schön auf Deutsch. Nur wer genau ist überhaupt der Chef? Dan Foreman ist schon seit Jahrzehnten Leiter der Anzeigenabteilung eines Sportmagazins. Doch wie es im heutigen Wirtschaftsgeschehen eben so ist, wird das altgediente Unternehmen von einer jüngeren, hipperen Firma aufgekauft. Und damit fängt der Ärger an. Dan bekommt einen neuen Vorgesetzten, und der ist gerade mal halb so alt und völlig unerfahren.
Topher Grace, den man bisher nur im 70er Jahre Outfit kannte, brilliert anfangs durch die großartige Darstellung eines hyperaktiven Nachwuchsyuppies mit dem klangvollen Namen Carter Duryea, der ohne eine intravenöse Standleitung zu Starbucks nicht existenzfähig wäre. Mit viel Elan und Optimismus wagt er sich an seinen neuen Job als Abteilungsleiter. Wunderbarer Kontrahent ist dabei Dennis Quaid, der sich eigentlich schon auf sein geregeltes Leben bis zur Pension eingestellt hat. Schrullig, väterlich und unbedingt liebenswürdig macht er seinem Gegenspieler das Leben schwer und schafft es darstellerisch sogar, ihn auszustechen. Vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes, in der Grace leider wieder auf TV-Serien-Niveau absinkt, Quaid dafür erst so richtig in Fahrt kommt.
Denn da kommt auch Scarlett Johannson als Lieblingstochter ins Spiel, die mit dezentem Vorstadtcharme den überwältigten Carter um den Finger wickelt. Leider befindet sich auch genau an der Stelle irgendwie der schwache Punkt. Denn Paul Weitz, Drehbuchautor und Regisseur von Reine Chefsache, scheint sich nicht ganz sicher gewesen zu sein, auf welches Genre er sich spezialisieren soll. Ein Drama oder gar eine Satire über den harten Kampf auf dem Arbeitsmarkt? Einen Generationskonflikt? Eine Liebeskomödie? Und warum sich überhaupt für eins entscheiden?
Das hätte er mal lieber tun sollen, denn es hätte das Endprodukt um einiges verbessert. So erlebt man zwar einige originelle oder auch nur nette Szenen, die aber im weiteren Verlauf der Handlung keine Bedeutung haben. Warum muss noch eine beiläufige Teenie-Romanze eingebaut werden, wenn man zwei großartige Hauptdarsteller hat, die ihren Konflikt auch anders vorantreiben könnten? Gut, vielleicht hatten die Weitz-Brüder einen Anfall von Nostalgie und sehnten sich in American Pie Zeiten zurück. Dass sie aber auch erwachsene Filme machen können, war ja in About a boy oder der Tag der toten Ente zu sehen. Darauf sollten sich die Beiden lieber vorher einigen. Und wenn gar nichts mehr hilft, vielleicht hilft ja noch die Zauberformel Synergie! Die finden Quaid und Grace glücklicher Weise am Ende wieder. Und Spaß macht der Film auf alle Fälle, auch wenn er sich zwischendurch in ein paar Sackgassen verfährt.