Das Attentat auf Richard Nixon ist ein ergreifendes Außenseiterdrama mit einem großartig aufspielenden Sean Penn. Grob basierend auf wahren Ereignissen, erzählt Regisseur Niels Mueller die Geschichte des Möbelverkäufers Samual Byck, der, frustriert von seinem Leben und dem Amerika der 70er Jahre, durch die Ermordung von Präsident Nixon ein Zeichen setzen will. Sehenswert.
Am 22. Februar 1974 versuchte der Amerikaner Samuel Byck, ein Flugzeug zu entführen, um es anschließend in das Weiße Haus zu steuern und so Richard Nixon zu töten. Lange vor dem 11. September 2001 gab es also schon einmal den Gedanken, ein Flugzeug als Waffe zu verwenden. Der Amerikaner mit dem erstaunlich deutschen Namen Niels Mueller widmete mit seinem hochkarätig besetzten Regiedebüt Das Attentat auf Richard Nixon dem inzwischen in Vergessenheit geratenen Byck einen Film. In einigen Punkten orientiert sich dieser dabei nah an den wahren Geschehnissen, hat aber auch einen sehr großen konstruierten Anteil. Der Titel wurde leider eher unglücklich gewählt, da er vollkommen falsche Erwartungen hervorruft - man erwartet eher einen Politthriller oder einen Agentenfilm als ein subtiles Außenseiterdrama.
Oft wurde der Vergleich zu Taxi Driver bemüht und an sich ist es naheliegend, sich an Scorseses Meisterwerk erinnert zu fühlen. Auch die Struktur des Filmes ist nicht unähnlich. Sowohl Byck als auch der Taxifahrer Bickle sind Eigenbrötler, deren unterdrückte Aggressionen und die blinde Wut auf die Gesellschaft und das in ihren Augen verlogene amerikanische System in den 70er Jahren irgendwann zum Ausbruch kommen. Auch, dass ein Politiker Ziel des Anschlags werden soll und letztlich doch andere zu Schaden kommen, haben beide Filme gemeinsam. Man könnte Samuel Byck als die "uncoole" Version von Travis Bickle bezeichnen, doch im Hinblick darauf, dass es Byck tatsächlich gab, wäre dieser Vergleich wohl geschmacklos, wenngleich nicht untreffend.
Samuel Byck wird sehr eindringlich von Sean Penn (U-Turn) gespielt. Penn erweist sich, obwohl er optisch nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem echten Byck hat, einmal mehr als großartiger Charakterdarsteller und spielt Byck mit einer tiefgreifenden Verzweiflung, die streckenweise beinahe schon amüsant ist. Wie seinerzeit auch der amerikanische Geheimdienst, der wegen Bycks Tonbändern mit wirren Drohungen bereits lange vor seinem Amoklauf auf ihn aufmerksam wurde, will man ihn kaum ernstnehmen, will kaum glauben, dass er seine Drohung wahr macht und wird schließlich eines Besseren belehrt. Insgesamt ist aber auch der restliche Cast durchgehend überzeugend, wobei besonders Naomi Watts (Stay) und Don Cheadle (Solitude) in ihren Nebenrollen zu gefallen wissen.
Die Erzählweise ist sehr ruhig gehalten, wobei es im Laufe der gut 90-minütigen Spielzeit auch zu einigen Wiederholungen kommt. Im Gesamtkontext sind diese aber sinnvoll, um Samuels frustrierenden Alltag greifbar zu machen. So folgt der Zuschauer Samuel durch sein tristes Dasein, das im Wesentlichen von Einsamkeit, dem verhassten Job, der Sehnsucht nach seiner Ex-Frau und den gemeinsamen Kindern und natürlich dem gesellschaftlichen Umfeld, das der gerechtigkeitsliebende Byck kaum ertragen kann, dominiert wird. Seine Unsicherheit und sein innerer Zwiespalt sind in jeder Minute seines Leidensweges spürbar - bis zum schockierenden Finale.
Das Attentat auf Richard Nixon ist ein zu Unrecht unbeachteter Film, der kaum in Kinos gezeigt wurde und daher auch alles andere als ein Kassenschlager war. Sehenswert ist er aber auf jeden Fall, denn er erweist sich als eindringliche Charakterstudie, die schon allein wegen Sean Penns Leistung sehenswert ist.