Für seine erste Hollywood-Produktion konnte der englische Regisseur John Maybury gleich einige hochkarätige Schauspieler gewinnen. So ist neben Adrien Brody, Keira Nightley, Jennifer Jason Leigh und dem altbekannten Chris Kristoffersen auch Bond-Darsteller Daniel Craig mit von der Partie. Bei dieser Besetzung wird man automatisch neugierig und besonders in der ersten Hälfte ist man tatsächlich überrascht, es scheinbar mit einem grandiosen Mystery-Thriller zu tun zu haben. Doch leider bröckelt die edle Fassade mit zunehmender Spielzeit und die Story versiegt im vorhersehbaren Durchschnitt. Schade!
Mit Mystery-Thrillern ist das immer so eine Sache. Sind sie zu vorhersehbar verlieren sie Ihren Reiz, sind sie zu verworren, ohne dass auf dem Filmplakat David Lynch steht, ärgern sich viele Zuschauer, weil sie nichts verstanden haben. Wenn dann ein Mystery-Thriller mit Staraufgebot für den Mainstream produziert wird, muss also ein Mittelweg gefunden werden. Ein Mystery-Thriller, dessen Rätsel sich relativ leicht entschlüsseln und der sich selbst erklärt. Dabei sollte das Ganze aber dennoch ein wenig Raum für eigene Interpretationen lassen. Leider funktioniert dieses Konzept nur bedingt und auch wenn man sich in Grundzügen stark an Klassikern wie 12 Monkeys, Donnie Darko, Jacob's Ledder oder Butterfly Effect orientierte, ist The Jacket weit von diesen Filmen entfernt. Vielleicht war das auch der Grund für den Flop an den Kinokassen. Der Film spielte in den USA nur etwa ein Viertel seiner Produktionskosten ein und kam in Deutschland gar nicht erst in die Kinos.
Das soll nicht heißen, dass es sich bei The Jacket um einen schlechten Film handelt. Die Ansätze für einen packenden Mystery-Thriller sind da und bis zur Mitte des Filmes stimmt eigentlich alles, was einen guten Mystery-Thriller ausmacht und so glaubt man auch noch daran, einen verdammt gelungen Streifen zu sehen. The Jacket beginnt spannend und atmosphärisch und weckt gekonnt die Neugier im Zuschauer. Besonders gelungen ist zweifellos die Bildmontage. Hier war ein Cutter, oder genauer gesagt eine Cutterin (Emma E. Hickox), zu Gange, die ihr Handwerk verstand und sich in einigen Szenen nach Herzenslust austoben durfte. Neben der grandiosen Schnitttechnik und einer auch sonst durchweg soliden technischen Umsetzung, sind es vor allem die starken Darsteller, die den Film tragen und die die später immer stärker schwächelnde Story weitestgehend abfangen können. Neben Adrien Brody (Der Pianist) in der Hauptrolle und Keira Knightly (Fluch der Karibik) kurz nackt in der Badewanne, ist es vor allem Daniel Craig (Casino Royale), der in seiner kleinen Nebenrolle ein echtes Highlight des Films ist.
Doch auch wenn man sich an diesen Qualitäten von The Jacket sicherlich erfreuen kann, ist es die unerträgliche Mittelmäßigkeit der zweiten Hälfte, die einem übel aufstößt. Hat man teilweise das Gefühl einen Film zu sehen, der mit Genregrößen wie Stay oder Donnie Darko mithalten kann, wirft die Storyentwicklung in der Mitte des Filmes alles wieder über den Haufen. Die Story verläuft ab hier vor allem für Genrekenner viel zu konventionell und vorhersehbar.
Der mit aller Kraft erzwungene Versuch, ein plausibles Ende ohne offene Fragen zu gestalten, ist nicht nur völlig mutlos, sondern raubt dem Film den interessanten und streckenweise innovativen Ansatz. Wahrscheinlich müssen dafür jedoch weniger der Regisseur oder die Drehbuchautoren, als viel mehr irgendwelche Produzenten (zu denen übrigens auch George Clooney und Steven Soderbergh gehörten) verantwortlich gemacht werden, die offensichtlich nicht riskieren wollten, dass das Starensemble in einer zu verwirrenden Story untergeht. So gibt es zwar die Möglichkeit, die Story auf zwei verschiedene Wege zu interpretieren. Wirklich plausibel ist dabei allerdings nur einer, der jedoch leider nicht wirklich deutlich herauskommt. Ob man sich nun für den offensichtlichen, mysteriösen aber völlig banalen oder für den dramatischen, rationell erklärbaren und altbekannten Lösungsweg entscheidet, am Ende ist irgendwie dennoch alles klar und wenig überraschend. Wenn dann der Abspann läuft, zuckt man mit den Schultern, dreht sich zu dem der neben einem sitzt und genau das Selbe denkt und sagt: "Naja, gut, war schon okay." Schade! Verschenktes Potential ohne Ende, ansehen kann man ihn sich trotzdem.