|
Waschechtes Popcorn-Kino bekommen wir hier vom Bad Boys Regisseur Michael Bay geboten. Nachdem er sich anfangs beim Erzählen einer gruseligen Science-Fiction Vision noch etwas schwer tut, kann er im zweiten Teil des Films sein obligatorisches Actionfeuerwerk abbrennen. Ein passables Drehbuch und gute Darsteller machen das Kinoerlebnis zu einer halbwegs runden Sache.
Regisseur Michael Bay steht eigentlich für visuell durchgestylte und vor allem actionhaltige Blockbuster, die meist nett und kurzweilig unterhalten. Mit dem an Logan's Run (1976) erinnernden Die Insel bürdet er sich erstmals eine tiefgründigere Geschichte auf, die mehr erzählerisches Geschick erfordert, als Bad Boys oder Armageddon. Für die Hauptrollen des actiongeladenen Science-Fiction Thrillers konnten mit Ewan McGregor (Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht) und Scarlett Johansson (Lost in Translation) zwei hochkarätige Darsteller gewonnen werden, die ihre Klasse bereits mehrmals unter Beweis stellen konnten.
Das Drehbuch von Caspian Tredwell-Owen (Jenseits aller Grenzen) spielt in einer sterilen futuristischen Anlage, die eine Gesellschaft aus weiß gekleideten Bürgern und schwarz gekleideten Aufsehern beherbergt. Die Bürger verbringen den Tag mit Lernen, Sport und Arbeiten, wobei der Kontakt zwischen Männern und Frauen auf ein Minimum reduziert wird. Unterhalten wird die Gesellschaft durch eine Lotterie, die in regelmäßigen Abständen einen glücklichen Gewinner bestimmt, der die Gesellschaft verlassen darf, um auf die paradiesische Insel zu ziehen. Entgegen seinen Mitbürgern steht Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) seiner Umgebung etwas kritisch gegenüber und beginnt Dinge zu hinterfragen. Als er sich unerlaubt auf der Anlage umsieht, macht er eine grausame Entdeckung: Alle Bürger, die per Lotterie auf die Insel geschickt werden, finden in Wahrheit den Tod. Um seine gute Freundin Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) nach dem Lotteriegewinn vor dem sicheren Tod zu bewahren, flüchtet er mit ihr und findet sich plötzlich in der normalen Welt wieder.
Dort treffen die Beiden auf den in der Anlage angestellten McCord (Steve Buscemi), der ihnen offenbart, dass die Anlage nur Klone von echten Menschen beherbergt, die ihren Vorbildern nur als Ersatzteillager dienen. Derweil hat Merrick (Sean Bean), der Chef der Anlage, bereits den Kopfgeldjäger Albert Laurent (Djimon Hounsou) und seine Truppe engagiert, um die beiden flüchtigen Klone zu beseitigen. Lincoln und Jordan begeben sich in der Zwischenzeit nach Los Angeles, um dort Lincolns menschliches Vorbild aufzusuchen. An dieser Stelle gibt der Film sein Dasein als gruselige Science-Fiction Vision auf und wandelt sich langsam aber sicher zum futuristischen Actionfeuerwerk.
Michael Bay schlägt sich im ersten Teil des Films beachtlich und schafft es, die interessante Science-Fiction Geschichte solide auf die Leinwand zu bringen. Dass ein anderer Regisseur die Angelegenheit weitaus souveräner und feinfühliger hätte erzählen können, ist außer Frage. Im zweiten Teil von Die Insel wird hingegen gepunktet, da Bay hier ganz und gar in seinem Element ist. Dass manche Actionsequenzen an seine zurückliegenden Filme erinnern, sei hierbei wohlwollend in Kauf genommen. Das zu Grunde liegende Drehbuch ist über weite Strecken clever geschrieben und gut durchdacht, beinhaltet aber zum Leidwesen des Films ein paar 08/15 Elemente, die man sich hätte verkneifen können. Außerdem bleiben im Actionfeuerwerk des zweiten Teils leider einige interessante Fragen des Science-Fiction Teils unbeantwortet.
Die in Die Insel geschaffene futuristische Welt ist nett anzuschauen, bietet aber keinerlei Innovationen, sondern bringt bereits Gesehenes erneut auf die Leinwand. Die beiden Hauptdarsteller Ewan McGregor und Scarlett Johansson machen ihre Sache sehr gut und gefallen als Klone mit dem Bewusstsein eines bzw. einer 15-jährigen. Alles in allem ist Die Insel ein solider und kurzweiliger Sommerblockbuster, der das Science-Fiction Thema popcorn-gerecht aufbereitet und mit viel Action garniert. Wer sich tiefgründiges Science-Fiction Kino erwartet, ist hier falsch. |