Diesmal schockt Takashi Miike (Ichi: The Killer) sein Publikum nicht wie gewohnt mit ekligen Szenen, sondern mit einer überzeugenden Inszenierung, welche es schafft, den Zuschauer knappe zwei Stunden zu fesseln und somit schnell die geklaute Story mit ihren vielen Logiklöchern in Vergessenheit geraten zu lassen.
Japans Kultregisseur Takashi Miike (Izo) spaltet im Regelfall das Publikum in zwei Hälften: Entweder man liebt oder hasst ihn! Da ich persönlich eher zur zweitgenanten Kategorie zähle, war es doch sehr fraglich ob mir sein erster Mainstream-Teenie-Horror zusagen würde.
Wie auch hierzulande läuft in Japan nichts mehr ohne ein Handy, jedoch möchte man nach diesem Film sein eigenes wohl am Liebsten in dem Müll werfen: Das liegt daran, dass ein Fluch umgeht, indem eine Person von sich selbst aus der Zukunft angerufen wird und den eigenen Tod überträgt, der dann auch immer pünktlich eintritt. Während es Versuche gibt, dem Ganzen auf die Schliche zukommen, versucht ein TV-Exorzist den Fluch zum vorausgesagten Todeszeitpunkt vor laufender Kamera auszutreiben.
Kennen wir dieses Szenario nicht irgendwoher? Genau, denn fast die gleiche Story hat uns schon Hideo Nakata (Dark Water) mit seinem Ringu sehr gruselig in Szene gesetzt. Die Drehbuchautoren ließen wirklich keine Gelegenheit aus, um besagten Film zu kopieren. Deshalb fehlt dem Film leider jegliche Originalität, zumal es The Call spätestens nach der Hälfte übertreibt und mit Logikfehler en masse den Zuschauer auf die Nerven geht.
Jedoch muss man Takashi Miike zu Gute halten, dass er das Beste aus dieser Geschichte herausgeholt hat. Denn wenn man schon in Sachen Story nicht punkten kann, bleibt eben fast nur noch die Inszenierung übrig und die hat es in sich. Selten geht man so gebeutelt aus dem Kinosaal, da Miike keine Möglichkeit auslässt, um sein Publikum zu schocken und das kann er richtig gut: So kann ich jeden zartbesaiteten Besucher nur warnen, dass ihm hier wohl, in Sachen Schockeffekte, der heftigste Film der letzten Jahre erwartet.
Zu den Darstellerleistungen muss man im Grunde wenig Worte verlieren: Zwar agieren Kou Shibasaki (Battle Royale), Shin'ichi Tsutsumi (Unlucky Monkey) sowie die Anderen sicherlich nicht schlecht, gehen jedoch sehr in der gelungenen Inszenierung unter.
Wie soll man nun einen Film bewerten, der inhaltlich, mit Ausnahme der geklauten Grundstory, unter aller Sau ist, es jedoch schafft, den Zuschauer über die komplette Laufzeit hinweg zu schocken und wahrlich an den Kinositz zu fesseln? Da Letzteres meiner Ansicht nach die Hauptintension des Filmes ist, kann man durchaus behaupten, dass er sein Ziel erreicht hat.