Die Verfilmung des ersten Teils von C.S. Lewis' weltweit erfolgreicher Romanreihe, entführt das Publikum zunächst mit kindlich leichter und zauberhafter Erzählweise in die Märchenwelt von Narnia. Danach verliert sich der Film ein wenig im visuellen Effektrausch und verabschiedet sich aus seiner zuvor behände aufgebauten Nische, um Zielgruppen anzusprechen, die angesichts anderer Verfilmungen wie Harry Potter oder Der Herr der Ringe nicht mehr vom Hocker zu reißen sind.
Die erste Episode der siebenteiligen Romanreihe über eine im Schrank verborgene Märchenwelt wurde von Autor C.S. Lewis im Jahre 1950 zu Papier gebracht. Seither feierten Die Chroniken von Narnia weltweit ungeahnte Erfolge und gelten nach Harry Potter als die zweitbeliebteste Romanreihe. Im Gegensatz zu Der Herr der Ringe, der Romanreihe von C.S. Lewis Freund J.R.R. Tolkien, ging der weltweite Erfolg der Bücher an Deutschland vorbei, so dass Die Chroniken von Narnia hier weitestgehend unbekannt sind. Dies ist jedoch noch lange kein Grund, den Film hierzulande nicht in die Kinos zu bringen, zumal Walt Disney viel für die Verfilmung des Stoffes investiert hat und die Creme de la Creme der internationalen Trickspezialisten engagierte.
Während des Zweiten Weltkriegs werden die vier Pevensie Geschwister im Zuge der Landverschickung ihrer Mutter in London entrissen und aufs Land zu einem kauzigen Professor geschickt. In dessen riesigem Anwesen führt die Haushälterin ein strenges Regiment und so wird den vieren schnell auf ihren Zimmern langweilig. Die Langeweile ändert sich jedoch schlagartig, als Lucy in einem Schrank den Zugang zu der Märchenwelt namens Narnia entdeckt. Nach anfänglicher Skepsis folgen ihre die anderen drei in die verschneite Welt und lernen dort die Familie Biber kennen, die ihnen von der frostigen Herrschaft der bösen Hexe erzählt. Gleichzeitig erfahren sie, dass der rechtmäßig König von Narnia namens Aslan die Herrschaft zurückerlangen will und dazu die Hilfe der vier Kinder benötigt.
Die Geschichte spielt nach einem relativ kurzen Prolog in der Gegenwart hauptsächlich in der Märchenwelt Narnia, wo die vier Geschwister ein gigantisches Abenteuer erleben. Die beiden älteren Geschwister Peter und Susan zeichnen sich durch Reife und Scharfsinn aus und übernehmen in gewisser Weise die Elternrolle unter den Vieren. Lucy ist die Jüngste und erforscht durch ihre kindliche Naivität als erste die Märchenwelt von Narnia. Edmund ist der Rebell unter den Geschwistern und bringt die anderen damit in große Gefahr. Das Abenteuer der Geschwister wird in der ersten Hälfte der Geschichte mit viel Charme und Gespür für die Fabelwelt erzählt. Mit schönen Bildern und optimaler Ausrichtung auf die kindliche Zielgruppe ist dieser Teil wahrlich hervorragend gelungen.
In der zweiten Hälfte der Geschichte kämpfen Die Chroniken von Narnia mit deutlich härteren Bandagen und verabschieden sich ein wenig von der kindgerechten Fabel. Die Bösen sind nun auf einmal nicht mehr nur zähnefletschende Wölfe, sondern Zyklopen, fiese Stiermenschen und Wesen die an Tolkiens Orks erinnern. Der Film gipfelt schließlich in einer finalen Schlacht zwischen der Armee von Aslan und der Armee der bösen Hexe. Im Großen und Ganzen könnte man Die Chroniken von Narnia als Disneys Antwort auf Der Herr der Ringe bezeichnen. Der in den Grundzügen in gewisser Weise vergleichbare Stoff, präsentiert sich aber wesentlich kindgerechter und bei Weitem nicht so düster wie Peter Jacksons Verfilmung.
Regisseur Andrew Adamson, der zuvor die beiden Shrek - Der tollkühne Held Filme inszenierte, arbeitet mit vielen kräftigen Farben und an bezaubernd schönen Schauplätzen, um die Geschichte der Vorlage entsprechend in Szene zu setzen. Leider gehen der kindliche Charme und der märchenhafte Erzählstiel in der zweiten Hälfte der Films verloren. Dort orientiert er sich eher an Vorbildern wie Harry Potter und Der Herr der Ringe, aber eben alles in der Light-Version. Wäre man sich im Verlauf des Films treu geblieben, so wäre ein rundum stimmiger Film entstanden. Zu guter letzt dürfen natürlich die Effekte nicht unerwähnt bleiben. Hier gab sich die Elite der Zunft keine Blöße und zauberte wunderbare Animationen auf die Leinwand, deren Klasse die Geschichte fast ein wenig in den Schatten stellt.