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Mit A History of Violence schuf der kanadische Skandalregisseur David Cronenberg ein eindringliches Meisterwerk, das sich mit aller Gewalt in den Kopf des Zuschauers hämmert. Er wählte ein, im Gegensatz zum Großteil seiner vergangenen Produktionen, sehr realistisches Szenario und inszenierte dieses Thrillerdrama mit aller Konsequenz. Dabei profitiert er vor allem vom grandiosen Spiel seiner Darsteller, allen voran Viggo Mortensen.
David Cronenberg, seines Zeichens bekannt für eher bizarre Filme wie Naked Lunch, Videodrom, eXistenZ oder dem Remake von Die Fliege, ist mit Sicherheit eines der größten Genies der Filmbranche. Aufgrund seines konsequent für den Mainstream zu eigenwilligen Stils, waren seine Filme bisher jedoch einem breiten Publikum eher schwer zugänglich. Er kreierte einen eigenen Stil. Einen düster bizarren Horror. Alles in seinen Filmen strahlt eine gewisse Bedrohlichkeit aus. Die Gefahren sind surreale Wahngebilde, organische Waffen, sprechende Schreibmaschinen und Videokassetten. Surrealismus in einem im Grunde realistischen Szenario, düstere Horrortrips, Ekel, Paranoia und immer wieder Mutationen bestimmen Cronenbergs Welt.
A History of Violence ist anders. Ganz anders. Er ist erstaunlich konventionell und gänzlich realistisch, aber nicht minder genial. Einzig in den Gewaltszenen merkt man die typisch cronenbergsche Handschrift. Wieder werden Körper deformiert, aber im Gegensatz zu seinen alten Werken einzig durch die Anwendung von Gewalt, roher, alltäglicher Gewalt. Den neuen Cronenberg-Stil finden wir auch in seiner wesentlich populäreren, aktuelleren Produktion Tödliche Versprechen - Eastern Promises, ebenfalls mit Viggo Mortensen (Der Herr der Ringe - Die Gefährten) in der Hauptrolle, wieder.
Zu Beginn des Films wirkt Coffeeshopbesitzer Tom Stall wie ein normaler, ausgeglichener Familienvater. Erst mit dem Auftauchen des Mafioso Carl Fogaty, gespielt von Ed Harris (Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel), wird klar, dass er ein Geheimnis verbirgt. Im Grunde genommen lässt sich dies schon recht früh erahnen, im Gegensatz zu anderen Thrillern wirkt diese Vorhersehbarkeit jedoch keinesfalls störend. Im Gegenteil, sie weckt Neugier und Vorfreude auf die nächste Szene.
Das charakteristischste Stilmittel von A History of Violence ist Gewalt. Cronenberg gelingt es, diese sehr drastisch und hart darzustellen, wobei Gewalt jedoch in keiner Sekunde verherrlicht wird, sie ist Mittel zum Zweck. Sie ist etwas urmenschliches, etwas unbarmherziges und hartes und als solche wird sie auch gezeigt. So schafft er nicht nur Nähe, sondern lässt den Zuschauer als tatsächlichen Beobachter direkt teilhaben. Auch der Sex ist so realistisch wie eben möglich zu sehen, wirkt dabei aber niemals pornographisch. Die wenigen, aber nachhaltig einprägsamen Sexszenen zwischen Tom und seiner Frau spiegeln das jeweilige Verhältnis zwischen den beiden wieder, sind mal leidenschaftlich und mal brutal, ähnlich wie auch der Wandel Toms. In einem Interview nach der Premiere von A History of Violence in Cannes antwortete Cronenberg, nach dem Zusammenhang von Gewalt und Sex in seinen Filmen gefragt: "Gewalt und Sex haben schon immer gut zusammen gepasst, etwa wie Eier und Speck.".
A History of Violence ist mit Sicherheit einer der beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Er ist sowohl ein Thriller, als auch eine eindringliche Charakterstudie, die den Zuschauer in jeder einzelnen Szene direkt am Geschehen teilhaben lässt und seine Figuren dabei immer nur so tief beleuchtet, wie es gerade notwendig ist. Dies wäre nicht möglich ohne das perfekte Spiel der Hauptdarsteller. Besonders Viggo Mortensen ist wirklich sensationell und auch Maria Bello (Spiel mit der Angst) geht prächtig in ihrer schwierigen Rolle auf. Ed Harris mimt den Mafioso überraschend gut, ist stets mystisch und charismatisch zugleich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Um das Starensemble abzurunden ist schließlich auch noch William Hurt (8 Blickwinkel) in einer Nebenrolle zu sehen. |