Abseits der Bollywood Musicals holt Sanjay Leela Bhansali zum großen Schlag aus und übertrumpft mit seinem Werk alles was dieses Jahr bisher auf der Leinwand zu sehen war. Seine tragische und emotionsreiche Geschichte inszenierte er mit einer unglaublichen atmosphärischen Dichte, die nur noch von den großartigen Darstellerleistungen überboten wird.
Die Filmwelt Indiens ist auf dem Hochpunkt in Deutschland! Die Bollywood-Filme sind auf den Hitlisten aller Videotheken und DVD-Händler zu finden, aber auch deren Soundtracks sind begehrt. Schade nur, dass aufgrund dieser vielen mittelmäßigen und überlangen Musicals, oft die kleinen Meisterwerke dieses Landes übersehen werden, zu denen sich dieser Film durchaus zählen darf.
Ausgerechnet der exzentrische Alkoholiker Debraj soll der rebellischen jungen Michelle die Dunkelheit nehmen können. Das achtjährige Mädchen ist seit ihrer Geburt taub wie blind und somit eine schwere Belastung für ihre Eltern. Doch durch seine extremen und ungewöhnlichen Methoden gelingen Debraj immer mehr Fortschritte. Als es ihm gelingt Michelle und ihre Umwelt vertraut zu machen, wird es nun Schwarz in Debrajs Leben: Er hat Alzheimer, doch Michelle will ihn nicht aufgeben.
Was zu Beginn ein wenig wie ein typischer Film a la Mit ungewöhnlichen Mitteln kann jedes Ziel erreicht werden wirkt, entpuppt sich recht schnell zu einem einfühlsamen und auch in Sachen Story sehr überzeugenden Drama, das weit mehr zu bieten hat als übliche Genreklischees. Diese kommen durch die hervorragend geschriebenen Charaktere, sowie den glaubwürdigen und zugleich überraschenden Handlungsstrang gar nicht erst auf.
Jedoch hat Drehbuchautor und Regisseur Sanjay Leela Bhansali nicht nur in Sachen Story einiges zu bieten: Seine großartige Inszenierung kann sich ebenfalls mehr als nur sehen lassen. Er erzeugt eine unglaubliche Stimmung, die sowohl in den heiteren, als auch in den ernsteren Momenten immer passend wirkt und zudem bieten die wunderschönen Bilder, sowie der einfühlsame Score einen wahren Rausch der Gefühle, welches sehr an Takeshi Kitanos ruhigere Filme erinnert.
Das Einzige was ein wahrlich perfekter Film noch brauchen würde, wären gute Darstellerleistungen und man glaubt es kaum: Bekannte Bollywood-Musical-Darsteller spielen sich die Seele aus dem Leib, als würde es um ihr Leben gingen. Es ist schon eine Ewigkeit her, dass man solch große Leistungen wie die der beiden Hauptdarsteller Amitabh Bachchan (Debraj) und Rani Mukherjee (Michelle) gesehen hat, aber noch unglaublicher ist, dass die Nebendarsteller, allen voran die junge Ayesha Kapoor in ihrer ersten Filmrolle dieses Niveau locker mitgehen konnte.
Der bisher beste Film des Jahres 2005 stammt aus Indien und ist ein grandioses Meisterwerk, welches eine einfühlsame und ergreifende Story besitzt, zudem noch auf höchstem Niveau inszeniert wurde und Darstellerleistungen zu bieten hat, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Dieser Film ist Pflicht!