Der Amerikaner Rob Marshall (Chicago) verfilmt die fantastische Romanvorlage von Arthur Golden über die japanische Subkultur der Geisha leider zu hollywood-like und vernichtet damit die Möglichkeit einen großartigen Film zu machen. Zu sehr in die falschen Details verliebt, verschwindet der höchst interessante und wichtige Hintergrund des Geisha-Daseins unter unnötigen Liebesspielereien, die von Minute zu Minute langweiliger werden.
Die Geishas sind eine sehr alte und spannende Unterart der japanischen Kultur, denn jede Nacht begeben sich diese niveauvollen Gesellschafsdamen auf den Weg in die Teehäuser ihrer Stadt um dort den reichen Geschäftsleuten als Vorzeigeobjekt und für deren Erheiterung zu dienen. Die Geisha ist eine hoch angesehene Dame, die eine nahezu perfekte Bildung in Konversation, Unterhaltung, Tanz und Benehmen hat; wer sich zu den Geschäftstreffen in den Teehäusern mit Geishas schmücken kann, der ist nicht nur reich, sondern auch sehr einflussreich!
Die Geschichte über die kleine Sayuri, die dramatisch von ihrer Familie verkauft wird, um anfänglich als Bedienstete zu arbeiten und später zur Geisha ausgebildet wird, soll diese faszinierende Kulturgeschichte für das breite Publikum zugänglich machen. Was der Besteller von Arthur Golden sehr eindrucksvoll und metaphernreich schafft, wirkt im Film als billiger Hollywood-Einheitsbrei, der keinerlei Anschein erweckt, die Hintergründe des Geisha-Daseins zu beleuchten. Vielmehr rückt man Liebesgeschichten, Eifersuchtsdramen und sonstige Mainstream-Handlungen in den Vordergrund, um einmal mehr einen stumpfen und unsinnigen Film zu produzieren, der die wahren Gründe nicht aufzeigen will, denn das könnte ein zu hohen Anspruch an das Kinopublikum voraussetzen.
In dem Ärger über die vernichtete Geschichte gehen die Darstellerleistungen leider komplett unter, obwohl uns ausnahmslos schauspielerisches Talent und Können unter Beweis gestellt wird. Mit viel Gefühl spielt sich jeder der Hauptcharaktere in die Herzen des Publikums und weiß in seiner Rolle zu überzeugen. Auch die Einstellungen und fantastischen Bilder aus dem Japan der 30er und 40er Jahre heben den Film im Niveau enorm an. Hiervon hätte man gerne noch mehr gesehen!
Alles in allem beweist Die Geisha einmal mehr, dass Hollywood keine Filme machen sollte, die sich mit fremden Kulturen beschäftigt. Denn anscheinend glaubt man, dass sich ein wenig Hintergrund und Niveau negativ auf die Einspielergebnisse auswirken könnte und so produziert man lieber weiterhin den üblichen Einheitsbrei. Gerade von Rob Marshall hatte ich wesentlich mehr erwartet und so verließ ich den Kinosaal äußerst enttäuscht, denn nur die schönen Landschaftsbilder und guten Schauspielerleistungen können diesen Streifen vor dem totalen Verriss retten!