Trotz hochkarätiger Besetzung bleibt die modernisierte Version der beliebten 80er Jahre TV-Serie hinter den Erwartungen zurück. Der Film von Regisseur Michael Mann ist zwar hart und optisch ansprechend, stellt sich aber durch die mangelhaft vorgetragene Story selbst ein Bein. Schade drum, denn Colin Farrell und Jamie Foxx sind in ihren Rollen als Crockett und Tubbs die personifizierte Coolness.
Nachdem er die erfolgreiche 80er Jahren TV-Serie als ausführender Produzent begleitete, bringt Filmemacher Michael Mann nun eine aufpolierte und modernisierte Version von Crockett und Tubbs in die Kinos. In die Fußstapfen von Don Johnson und Philip Michael Thomas treten mit Colin Farrell und Jamie Foxx zwei der momentan interessantesten Darsteller Hollywoods. Prominente Unterstützung erhalten sie von Gong Li, die unter Anderem in Die Geisha zu sehen war. Alles in allem eigentlich beste Vorzeichen für einen überragenden Filmgenuss.
Ohne sich groß mit einem Vorspann aufzuhalten, steigt Michael Mann bei Miami Vice direkt ins Geschehen ein. Während Sonny Crockett (Colin Farrell) and Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) mit ihrem Team verdeckt gegen einen Zuhälter ermitteln, geht eine FBI-Operation gegen eine arische Bruderschaft schief. Um die Kohlen wieder aus dem Feuer zu holen werden Crockett und Tubbs engagiert. Sie versuchen die Lieferanten der Bruderschaft zu infiltrieren und stellen sich den kubanischen Drogen- und Waffenschmugglern als Transporteure vor. Nachdem sie von Jose Yero (John Ortiz), einem Mitglied der mittleren Führungsebene des Kartells, und der chinesischen Geschäftsfrau Isabella (Gong Li) überprüft wurden, lernen sie Oberboss Jesus Montoya (Luis Tosar) kennen. Die Operation läuft hervorragen, bis Crockett eine Affäre mit Isabella beginnt, die dummerweise die Ehefrau von Montoya ist.
Der Look des Films ist erwartungsgemäß auf Coolness getrimmt, die vor allem durch die beiden Hauptdarsteller transportiert wird. Dabei kommen die Beiden ohne das Reißen von coolen Sprüchen aus, sondern verhalten und geben sich schlichtweg cool. Colin Farrell interpretiert seine Figur Crockett als coolen Draufgänger, der durch Taten und nicht durch Gerede glänzt. Die Figur Tubbs wird von Jamie Foxx etwas zurückhaltender angelegt. Er ist zwar genauso cool und angriffslustig, hat aber im Gegensatz zu Crockett das Vernunft-Gen und hält seinen Partner dadurch in der Spur. Das die Beiden umgebende Team bleibt im Film weitestgehend blass. Einzig Trudy (Naomie Harris) gewinnt als Freundin von Tubbs etwas mehr Tiefe.
Nachdem Dion Beebe bei Miami Vice die Kamera führte, ist es kaum überraschend, dass der Film optisch stark an Michael Manns letztes Werk Collateral erinnert. Die Optik ist erneut meilenweit von Hochglanz entfernt und betont grob und dreckig. Die Kamera wackelt oft, so dass man sich durch diesen Doku-Effekt mittendrin statt nur dabei fühlt. Auch bei den Action-Sequenzen ist deutlich die Handschrift von Michael Mann zu erkennen. Wie immer geht es nicht gerade zimperlich zur Sache und abgegebene Schüsse klingen schön dumpf und real.
Soweit alles wunderbar, doch kommen wir nun zur Geschichte. Hierbei stört nicht die Tatsache, dass die Thematik - Undercover-Cops infiltrieren kubanisches Drogenkartell - bereits mehrfach inszeniert wurde und daher kaum Neues bietet. Vielmehr stört die Art und Weise wie Michael Mann seinen Film vorträgt und wie er die Handlungsstränge akzentuiert. Der Film hält sich viel zu oft mit Dingen auf, die für den Fortschritt der Handlung vollkommen unerheblich sind. In diesen Sequenzen werden Charakterzüge der Protagonisten herausgearbeitet, die letztlich kaum für den Film relevant sind. Aus diesem Grund schleicht sich des Öfteren Langeweile ein, die auch durch coolen Look nicht kaschiert werden kann.
Des Weiteren ist es sehr störend, dass die Affäre zwischen Crockett und Isabella ein derart zentraler Bestandteil des Films ist, da man in jedem Undercover-Leitfaden mit Sicherheit nachlesen könnte, dass man besser nichts mit der Frau des Feindes anfangen sollte. Zu guter letzt sind noch die unaufgelösten Handlungsstränge zu kritisieren, die der Film einfach so ins Leere laufen lässt. Unterm Stich ist Miami Vice einer der schlechteren Filme von Michael Mann. Der Film ist zwar cool und optisch ansprechend, aber die mangelhaft vorgetragene Geschichte bricht dem Film schließlich das Rückgrat. Schade, denn spätestens seit der Teaser Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, war ich auf den Film heiß wie eine Herdplatte.