Eine billige und plumpe amerikanische Produktion, über die man eigentlich gar nicht schreiben sollte. Denn wie hier versucht wird mit einem aktuellen Thema schnell und einfach das große Geld zu machen ist schlichtweg kläglich. Die Masche, eine wahre Geschichte zu erzählen, wird nur als Vorwand genommen um den Film möglichst kostengünstig zu vermarkten. In Rohtenburg gibt es nichts Sehenswertes und weder die Darsteller noch die konfus konstruierte Story lohnen den Weg ins Kino.
Grandios, einfach nur grandios. Nein, damit ist nicht der Film selbst gemeint, sondern der Marketingtrick den der Filmverleih bei der Veröffentlichung von Rohtenburg anwendet. Auf Gut Glück legte man den Starttermin des Streifens in den Zeitraum, in dem das Gerichtsurteil im Fall Armin M. erwartet wurde. Und siehe da, das Landgericht Frankfurt setzte genau am 9.März den letzten Verhandlungstag im "Kannibalenprozess" an. Eine starke Medienpräsenz ist dem Film damit so gut wie sicher. Und so wird sich die Boulevardpresse sicherlich mit dem Thema beschäftigen und Filmschnippsel werden ihren Platz in den Nachrichtenmagazinen finden. Und da diese nicht auf eine realitätsgetreue Darstellung des Films, sondern nur auf reißerische Bilder aus sind, wird immer wieder genau eine Szene über den Bildschirm flimmern: Der Täter, wie er vor dem nackten Opfer steht, das auf einem Tisch in einem düsteren Keller liegt. Dass vor dieser Szene 80 Minuten absoluter Schwachsinn zu ertragen ist, wird dabei wohl niemand erwähnen.
Der Angeklagte Armin M. versuchte den Start von Rohtenburg rechtlich zu verhindern, da der Film gegen seine Persönlichkeitsrechte verstoße, doch das Landgericht Kassel wies seine Klage in erster Instanz zurück und der Streifen hätte wie geplant anlaufen können. Ein Urteil, das man als nicht unkritisch ansehen konnte. Zwar wurden für den Film Namen und Tatort geändert, aber Titel (in dieser Schreibweise übrigens gewollt) und Story lassen keinen Zweifel daran wessen Geschichte hier erzählt wird. Täter und Opfer werden in Rohtenburg gleichermaßen in Schubladen gesteckt und auf plumpeste und einfachste Weise charakterisiert. Der Filmkannibale hatte das für Mörder übliche gestörte Verhältnis zu seiner Mutter, das Filmopfer ist ein Schwuler mit kranker Fantasie, dessen Mutter Selbstmord beging. Oberflächlicher geht es nicht. Und so ging Armin M. in Revision und der Film wurde nun vom Oberlandesgericht Frankfurt verboten und darf erstmal nicht gezeigt werden.
Warum schauen sich Menschen solche Filme an? Um zu erfahren, wie es dazu kommen kann, dass jemand eine solche Tat vollbringt? Das ist vielleicht auch ein Grund. Die meisten wollen aber das bebilderte Grauen sehen. Aus sicherer Distanz den visualisierten Albtraum der Tat betrachten. Genau mit dieser Masche versucht Rohtenburg die Deutschen ins Kino zu locken. Dabei spielt die Tat an sich nur eine winzige Rolle in dem Film. 80 Minuten lang zeigt der Streifen schlecht gespielte Rückblicke in die Vergangenheit von Opfer und Täter. Kurz vor Schluss fiel den Machern dann ein, dass ja noch jemand umgebracht werden muss und in nicht einmal 10 Minuten ist die Sache dann (man möge mir diese pietätlose Anspielung verzeihen) "gegessen".
Es gibt zwei Möglichkeiten eine dermaßen grausame Tat in einem Film darzustellen. Entweder man wählt die radikale "Mel Gibson-Variante" und mutet dem Zuschauer brutale und blutige Bilder zu, oder man deutet das Grauen nur an und erzielt die schockierende Wirkung durch das intensive Spiel der Darsteller. Rohtenburg versucht es auf die zweite Weise. Die Leistung der Schauspieler ist dabei nicht schlecht, dadurch, dass das Ende überhastet hingeschludert wurde, verfehlt das Ganze aber seine Wirkung. Natürlich ist es noch immer grauenvoll sich die Tat in Gedanken vorzustellen, doch zu diesem Zeitpunkt ist man von dem Schund, den man davor zu sehen bekam, schon so genervt, dass man sich kaum noch in die Lage der Figuren versetzen kann und nur hofft, dass der Film bald vorbei ist.
Man kann nur jedem raten sich nicht von der Marketingmasche des Filmverleihs einwickeln zu lassen und einen weiten Bogen um diesen Low-Budget-Streifen zu machen. Auf billigste Weise schusterte man sich hier eine Psychogeschichte über den Fall des "Kannibalen von Rotenburg" zusammen und zu Recht wird dieser Film nicht den Weg in Amerikanische Kinos finden. Und wäre der Gerichtsprozess von Armin M. nicht noch mal aufgerollt worden hätte es sich der Filmverleih wohl auch zweimal überlegt ob man Rohtenburg hierzulande auf die Leinwand bringt.