Warum man Sandra Hüller einen Silbernen Bären für die Leistung in diesem Streifen geben konnte, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Belanglos, emotionsfrei und vollkommen ohne Bezug wird der Zuschauer mit einer Geschichte konfrontiert, die ihm bereits in Der Exorzismus von Emily Rose eindrucksvoll und gut dargestellt wurde.
Mehr und mehr Filme werden "basierend auf einer wahren Begebenheit" produziert. Oftmals mehrere Filme zur gleichen Begebenheit, so auch Requiem, der ebenso wie Der Exorzismus von Emily Rose auf Geschehnissen in Süddeutschland in der 70er Jahren basiert.
Michaela ist extrem gläubig, aber an Epilepsie erkrankt und will dennoch weg von zu Hause, um in Tübingen zu studieren. Gerade hierüber macht sich die Mutter große Sorgen und zeigt dies durch eine harte Erziehung gegenüber der Tochter, die sich aber nicht einschüchtern lassen will und durch ein Stipendium (und der Hilfe ihres Vaters) den Weg nach Tübingen meistert. Doch dort häufen sich die Anfälle und Michaela beginnt zu glauben, dass sie Stimmen hört und von Fratzen verfolgt wird. Dies alles erzählt sie verschiedenen Geistlichen bis sie einen findet, der sie nicht als verrückt abstempelt, sondern einen Exorzismus beantragt.
Unabhängig von der keineswegs berührenden oder überzeugenden Darstellung der Michaela bringt auch die Geschichte große Macken und Unwegsamkeiten mit sich. Nicht nur, dass der Film den Eindruck vermittelt, ein Exorzismus wäre das Standard-Rezept der katholischen Kirche; auch die nicht nachvollziehbaren Handlungen und Gedanken der Charaktere verderben dem Zuschauer den Filmgenuss. Besonders in einer Szene, in der Michaela das Kruzifix nicht mehr berühren kann und deswegen meterweit von der Wand entfernt steht, wird klar, dass hier mit primitiven Mitteln eine Stimmung erzeugt werden soll, die für den Film unerreichbar ist.
Auch wenn Requiem ausgezeichnet wurde, so bleibt immer noch die Meinung der Zuschauer und die wird gerade bei einer Geschichte, die bereits eindrucksvoll verfilmt wurde, (hoffentlich) verheerend ausfallen, denn fernab jeglicher Fakten und Recherche wird dem Zuschauer hier naive Fantasien aufgetischt - und das nicht einmal eindrucksvoll oder emotional, sondern plump und steril.