In seinem Regiedebüt inszeniert Florian Henckel von Donnersmarck menschliche Dramen vor dem Hintergrund des Überwachungsapparates der DDR. Der zurückhaltende Film beeindruckt durch ein hervorragendes Drehbuch, eine punktgenaue Inszenierung sowie brillante Darstellerleistungen. Diesen filmischen Leckerbissen sollte man auf keinen Fall verpassen!
Das Regiedebüt von Florian Henckel von Donnersmarck, das im Januar 2006 mit vier bayrischen Filmpreisen geehrt worden war, ist zugleich ein intensiver Thriller und eine ergreifende Liebesgeschichte. Nach intensiven Recherchen brachte der Absolvent der Münchner Filmhochschule sein Drehbuch zu Papier, in dem erstmals auf ernsthafte Weise mit dem Thema DDR umgegangen wird. Nachdem zahlreiche "DDR-Komödien" eine leichte und humorvolle Art der Vergangenheitsbewältigung praktiziert hatten, befasst sich dieser Film mit dem Alltag in einem Überwachungsstaat und wirft dabei einen entlarvenden Blick auf die dort vorherrschenden Mechanismen. Indem der Film das Denken und Handeln der Menschen ins Zentrum der Handlung rückt, erhebt er sich über das Prädikat "Vergangenheitsbewältigung" und macht die dargebotene Thematik auf jede Art von Regime anwendbar, in dem Kontrolle groß und Freiheit klein geschrieben wird.
Fünf Jahre vor dem Ende der DDR, geraten vor allem Ost-Berliner Künstler ins Visier der Stasi. Oberleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) leitet die Stasi-Abteilung Kultur und wird von Minister Hempf auf den Schriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) aufmerksam gemacht. Für dessen Überwachung stellt er seinen alten Studienfreund Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) ab, der für seine bedingungslose Linientreue und Härte bekannt ist. Wiesler leitet unverzüglich den sog. "Operativen Vorgang" ein und verwanzt Dreymans Wohnung, in der dieser zusammen mit seiner Lebensgefährtin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), einer gefeierten Schauspielerin, lebt. Als Wiesler mehr und mehr in das Leben des Paares eintaucht und mit Liebe, Literatur und freiem Denken konfrontiert wird, erkennt er die Armseeligkeit seines Daseins und beginnt an sich sowie der "Sache" zu zweifeln. Seine Zweifel werden umso größer, als er erfährt, dass Minister Hempf eine "Affäre" mit Christa-Maria Sieland hat und deshalb Dreyman aus dem Verkehr ziehen will.
Hauptmann Gerd Wiesler definiert sich als Schild und Schwert der Partei. Sein ganzes Leben ist auf die Arbeit ausgerichtet und deshalb ist es so trist wie sein grauer Arbeitsanzug. Er ist akribisch und unnachgiebig in seiner Arbeit und wird deshalb von seinen Vorgesetzten geschätzt. Doch all dies ändert sich, als er mit der Observation von Georg Dreyman und Christa-Maria Sieland beauftragt wird. Die daraus resultierenden Selbstzweifel werden von Darsteller Ulrich Mühe leise und zurückhaltend auf die Leinwand gebracht und fast ausnahmslos durch Mimik ausgedrückt. Das ist wahrlich große Schauspielkunst. Die anderen Darsteller stehen Ulrich Mühe im punkto Überzeugungskraft in nichts nach. Ulrich Tukur gefällt als Karriere-Mann, der bereits vollkommen vom Machtapparat eingenommen ist und für seine Ziele über Leichen geht. Martina Gedeck verkörpert die zerbrechliche Christa-Maria Sieland, die nicht an ihr großes Talent glaubt und sich aus Angst vor dem Regime zur Hure des Ministers macht. Auch Sebastian Koch leistet mit seiner Darstellung des begnadeten Literaten Georg Dreyman, der sich im Laufe des Films vom angepassten Künstler zum mutigen Enthüllungs-Autor wandelt, Großes.
Die hervorragenden Darsteller sind nur ein Faktor, die Das Leben der Anderen zu einem hervorragenden Film machen. Vor allem das brillante Drehbuch von Florian Henckel von Donnersmarck und dessen punktgenaue Inszenierung machen den Film zu einem der Besten des Jahres. Eindrucksvoll schildert er menschliche Tragödien, die sich einem Überwachungsstaat abspielen und fokussiert dabei nicht nur die Bespitzelten, sondern auch den Spitzel. Gleichzeitig deckt er schonungslos und messerscharf die Mechanismen eines Überwachungsstaates auf und skizziert, wie Menschen zerbrochen werden oder von selbst zerbrechen. Die Geschichte wurde zurückhaltend in Szene gesetzt und behandelt die jüngste deutsche Geschichte auf bewegende Art und Weise. Der Film nutzt stille Helden für die Übermittlung seiner Botschaft und macht sich dabei selbst zum Helden. Das ist großes Kino!