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Der spanischen Regisseurin Isabel Coixet (Elegy oder die Kunst zu lieben, 2007) gelingt mit Das geheime Leben der Worte ein stark und intensiv gespieltes Psychodrama um die Bewältigung individueller Traumata und tiefer seelischer Wunden, in dem insbesondere Sarah Polley, die 2006 mit An ihrer Seite ihr vielfach prämiertes Regiedebüt gab, zu schauspielerischen Höchstleistungen aufläuft.
Auf dem Meeresgrund herrscht Schweigen. Unter Millionen Litern von Wasser stellt die totale Dunkelheit ein. Sie schließt einen Menschen, sollte er jemals dieses für ihn unwirtliche Terrain betreten, ein und schottet ihn von seiner Umgebung ab. Genauso lebt Hanna (Sarah Polley) seit Jahren: Mit einem Hörgerät kann sie sich von ihrer Umgebung isolieren, wenn sie nach der Stille sucht, die ihr helfen soll, ihr Trauma als sowohl körperlich wie psychisch verwundetes Opfer des Balkankriegs zu verarbeiten. Doch zwischen ihren Neurosen und ihrem einfachen Leben, welches sich seit Jahren zwischen ihrem stupiden Job in einer Kunstofffabrik und ihrer karg eingerichteten Wohnung abspielt, tritt keine Veränderung ein. Erst als ihr Chef der stets pünktlichen und niemals in Urlaub gegangenen Hanna rät, einmal Ferien zu machen, kommt ihr streng durchorganisiertes Leben ins Wanken.
Durch Zufall bekommt sie in einer Kneipe mit, dass auf einer Bohrinsel noch eine Krankenschwester für ein Brandopfer gesucht wird. Hanna nimmt den Job an. Jenen Job, der sie aufgrund ihrer Arbeit als Krankenschwester im Balkankrieg mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Und es sollen noch weitere Konfrontationen folgen, wenn der nach dem Brand erblindete Josef (Tim Robbins) erst mit selbstsicheren Sprüchen versucht, sie anzumachen und ihr schließlich sein eigenes Trauma um die Liebe zu der Frau eines Freundes offenbart. Hanna baut Vertrauen zu ihm auf und erzählt ihm schließlich jene grauenvolle Geschichte, die seit Jahren ihr Leben bestimmt. Das soll den Ausschlag dafür geben, dass zwei verletzte
Seelen schließlich durch aufrichtige Gefühle zueinander finden.
Der Drehbuchautorin und Regisseurin Isabel Coixet gelingt es durch ihre subtile Inszenierung, die ihren beiden Hauptfiguren sehr viel Raum gibt, sich zu entfalten, eine plausible Wandlung vom intensiven Psychodrama zur zerbrechlichen Liebesgeschichte zu vollziehen. Kameramann Jean Claude Larrieu findet stets die passenden Visualisierungen dafür, indem er nüchterne Bilder des Alltags auf der Bohrinsel einfängt, die hin und wieder im Zusammenspiel mit der sparsam eingesetzten Musik nicht einer gewissen Poesie entbehren. Die zum Teil verwendeten Handkameraaufnahmen in den zahlreichen Dialogszenen stellen eine sehr große Nähe zu den Protagonisten her. Das geheime Leben der Worte lebt nicht von Effekten oder anderlei plakativen Finessen, sondern von seiner Tiefe, die buchstäblich im tiefsten Inneren ruht. Es erfordert Mut, viel Zeit in einem Film darin zu investieren, dieses Innere der Charaktere nach außen zu kehren. Und dies gelingt Isabel Coixet in ihrem zurückhaltend inszenierten Film der kleinen Gesten dank eines guten Tim Robbins und einer noch besser spielenden Sarah Polley (Dawn of the Dead, 2004) ausgezeichnet.
Allerdings birgt Das geheime Leben der Worte abseits seiner Haupthandlung um ein Bewältigungsdrama einige wenige Schwächen. Mehrere ähnlich gezeichnete Figuren, die sich am ehesten als liebenswerte aber (bisher) gescheiterte Idealisten umschreiben lassen, zeugen nicht gerade vom Einfallsreichtum der Drehbuchautorin. Die durchgehaltene Metaphorik vom Meeresgrund, der Bohrinsel und der Einsamkeit kann man auch entweder konsequent und in sich stimmig oder aber im Zusammenhang mit dem gewöhnungsbedürftigen Off-Kommentar einer im Film nie sichtbaren Person eher künstlerisch überladen finden. Coixet ist dennoch ein gleichsam beeindruckender wie unkonventioneller Film über die verletzte Psyche von zwei Menschen gelungen, der nicht zuletzt dank seiner spröden, reduzierten Machart einen großen realistischen Anstrich hat. |