Nach American Pie und About a boy oder der Tag der toten Ente liefert uns Regisseur Paul Weitz eine weitere spezielle Komödie. Zwar geht es dieses Mal nicht um pubertierende Teens oder einen Mann der sich als Insel sieht, doch mit der Amerikanischen Regierung und dem sensationslüsternen Fernseh-Business hat man sich dennoch viel versprechende Ziele ausgesucht, um eine bissige Satire auf die Beine zu stellen. Leider möchte der Film zu viel auf einmal und kann doch in keinem Punkt vollkommen überzeugen, weshalb nach guter Unterhaltung ein doch etwas fader Nachgeschmack übrig bleibt.
Nachdem Paul Weitz nun schon mehr als einmal mit seinen Filmen durchaus positiv überraschen konnte, war man natürlich sehr gespannt auf seinen neuesten Streich American Dreamz - Alles nur Show. Hier wollte er anscheinend auf humorvolle Weise mit der Amerikanischen Aussenpolitik, dem Präsidenten im Weissen Haus, dem weltweiten Terrorismus, der skandalsüchtigen Fernseh-Welt und der Welle an Casting-Shows abrechnen. Die Idee, all dies in einem einzigen Film miteinander zu kombinieren hat Ihren Reiz und somit freute man sich auf eine bissige Satire. Leider funktioniert diesbezüglich aber nur der Handlungsaufbau, weshalb dem Film zwar gute und innovative Unterhaltung attestiert werden kann, aber für mehr hat es leider nicht gereicht.
Gleich zu Beginn von American Dreamz - Alles nur Show lernen wir Martin Tweed kennen, wie er gerade von seiner Freundin sitzen gelassen wird. Er macht alles andere als einen überraschten oder traurigen Eindruck und man merkt sofort, dass er sich selbst zwar anhimmelt, aber auch nicht ausstehen kann. Als Moderator der beliebtesten Casting-Show Amerikas - oder doch eher "der Welt" - ist er genau das richtige Ekel um die Machenschaften hinter den Kulissen auch durchsetzen zu können. So wird nicht nur peinlichst darauf geachtet, dass man möglichst extreme Freaks als Kandidaten hat, sondern es müssen auch unbedingt ein Araber, ein Jude und eine hübsche Blondine, die über Leichen geht, dabei sein. Dummerweise ist der Araber ein Schläfer, welcher ein Attentat auf den Präsidenten verüben soll. Dieser wiederum braucht unbedingt mal wieder gute Publicity und soll deshalb bei der Final-Sendung als Gast-Juror auftreten, obwohl er selbst erkennt, dass er eigentlich nur eine Marionette in einem Spiel ist, welches ihm schon lange nicht mehr gefällt. Hinzu kommt die liebreizende Sally Kendoo, welche Ihren Ex-Freund nur wieder an sich ranlässt, weil er gerade verletzt aus dem Irak zurückgekehrt ist und deswegen als Amerikanischer Held gilt, was wiederum als Garant für die Sympathien des Publikums angesehen wird.
American Dreamz - Alles nur Show punktet vor allem mit dieser abstrusen Story und gut aufgelegten Schauspielern, welche allesamt zu überzeugen wissen. Auch gibt es hin und wieder ein paar Momente zum Dahinschmelzen und es sind durchaus immer wieder kritische Ansätze zu finden. Jeder einzelne Darsteller geht gut bis sehr gut in seiner Rolle auf; mit Ausnahme von Chris Klein, der eigentlich nichts Anderes bietet als in all seinen bisherigen Filmen: einen andauernden Hundeblick mit vereinzeltem, zuckersüssem Lächeln (es wäre an der Zeit dass er mal andere Rollen spielt, um zu sehen was er kann). Hugh Grant als egozentrischer Moderator, Mandy Moore als Goldkehlchen Sally, Sam Golzari als liebenswerter Möchtegern-Terrorist, Dennis Quaid als President of The United States und Willem Dafoe als Stabschef sind die Glanzlichter und hauptverantwortlich dafür, dass man als Zuschauer gefesselt bleibt. Leider kann man dies von der Handlung nur ansatzweise behaupten, da zu viele Wendungen vorhersehbar sind, und auch die vereinzelten Überraschungen - vor allem gegen Schluss - können einfach nicht als befriedigend bezeichnet werden. Der dümmliche Präsident, der kein einziges Wort herausbringt, ohne dass es Ihm diktiert wurde und dabei keine Ahnung von der Welt hat, ist überraschenderweise der einzige Sympathieträger den man von Anfang an geboten bekommt. Der Terrorist macht den Anschein, als hätte er sich auf dem Weg ins Trainings-Camp verirrt, weshalb man Ihm seine böswillige Absicht nie und nimmer abkaufen kann (und schlussendlich - oh, welche Überraschung - auch nicht muss). Die naive Blondine, welche nur allzu schnell in alle niederen Machenschaften einwilligt kann zwar als typisch angesehen werden, jedoch sicherlich - oder "hoffentlich" - nicht als realistisch.
Dieser Film hat ein zentrales Problem: Man weiss als Zuschauer schlussendlich nicht, was er einem eigentlich sagen wollte. Alles, was man hier geboten bekommt, sind Dinge die schon lange nicht mehr neu sind, weshalb jegliche satirische Ansätze irgendwo im durchzogenen Finale verpuffen. Auch, wenn man sich gut unterhalten fühlt und immer wieder mal wirklich Lachen musste, so hätte man sich doch mehr gewünscht: Mehr Bissigkeit, mehr Mut zur Provokation und einfach mehr Bereitschaft dazu, den eingeschlagenen Weg bis zum Schluss zu gehen. Was bleibt ist immerhin eine doch eher böse Komödie, welche es dank der Grundidee knapp über das Mittelmass hinaus schafft.
Wer sich ein Wiedersehen mit vielen Gesichtern aus American Pie wünscht, und wissen will was das About a boy oder der Tag der toten Ente-Erfolgsteam Paul Weitz und Hugh Grant hier auf die grosse Leinwand gebracht hat, der sollte sich diesen Film trotz aller Kritik nicht entgehen lassen. Zu empfehlen ist hierbei jedoch den viel zu ausführlichen Trailer nicht anzuschauen, sowie die eigenen Erwartungen auf ein Minimum zu reduzieren.