Mit See No Evil bringen "Lion's Gate" zusammen mit "WWE Films" einen weiteren Slasher auf den ohnehin langsam übersättigten Markt. So erstaunt es nicht, dass man abgesehen von einem überzeugend auftretenden Killer nur sehr wenig Neues geboten bekommt und sich bald Langeweile, ob der nach altbekanntem Schema ablaufenden Schlachterei, beim Zuschauer breit macht. Auch, wenn sich der Film sehr solide präsentiert, so kann man am Ende trotzdem nur noch sagen: "Been there, done that!"
Hier haben wir es also mit einem Horror-Schocker mit dem imposanten 2,13 Meter großen und über 140 Kilogramm schweren Glen Jacobs, aka Wrestlingstar "Kane" als Bösewicht zu tun. Dazu wurde der Streifen unter Anderem von "WWE Films" produziert und vom Neuling Dan Madigan (welcher als Autor bisher auch nur im Auftrag der "World Wrestling Federation" gearbeitet hatte) geschrieben. Abgerundet hat man das Ganze dann noch mit einem Regisseur namens Gregory Dark, welcher sich eigentlich eher mit seinen Filmen für Erwachsene einen Namen gemacht hat. Bleibt die Frage, ob diese Konstellation ein geeignetes Grundgerüst für einen spannenden Horror-Thriller darstellt.
Gleich am Anfang von See No Evil sehen wir, wie zwei Polizisten versuchen einen brutalen Mörder festzunehmen. Zwar wird dieser durch einen Schuss am Kopf verletzt, doch verläuft alles Andere dabei nicht planmässig. Ein paar Jahre später hat einer dieser Polizisten ein Projekt zur Resozialisierung von kriminellen Jugendlichen ins Leben gerufen und bricht mit einer Partnerin und acht Teenagern auf, um das alte und teilweise ausgebrannte Blackwell Hotel wieder auf Vordermann zu bringen. Die Acht Jugendlichen - vier Jungs und vier Mädels - werden uns im Eilzugstempo vorgestellt. Kaum im Hotel angekommen und die ersten Schritte gewagt, taucht auch schon ein grosser Kerl namens Jacob Goodnight auf und frönt bald seinem Lieblingshobby: dem Herausreissen von Augäpfeln mittels zwei Fingern. Wie es der Zufall will, ist er genau derjenige, welcher damals von eben jenem Polizisten hätte festgenommen werden sollen, der nun mit vielen potentiellen Opfern im Schlepptau in das Reich des Psychopathen eingedrungen ist. Den Rest der Handlung kann man sich als Genreliebhaber problemlos ausmalen.
Jacob Goodnight mit dem Wrestler Kane zu besetzen, erweist sich als Glücksgriff: alleine durch sein Auftreten und seine Ausstrahlung läuft es dem Zuschauer kalt den Rücken hinunter. Wer aber schon einmal einen Kampf oder ein Interview mit Glen "Kane" Jacobs gesehen hat, stellt sich hier unweigerlich die Frage inwiefern er sich überhaupt für diese Rolle verändern musste. Die Antwort: gar nicht! Dieser Mann durfte hier nach eigenen Aussagen seine eigene Phantasie ausleben, und das ist mit Abstand das Schaurigste am ganzen Film und man will weder der Figur, noch dem Schauspieler irgendwann einmal begegnen. Den restlichen Cast zu beurteilen ist aufgrund der nicht existierenden Charaktertiefe sinnlos, genauso wie der Versuch zu Beginn einen Überblick über die Protagonisten zu erhalten. Somit begnügt man sich sehr bald damit, abzuwarten, ob See No Evil wenigstens seinem Ruf als brutaler Slasher gerecht wird.
Tatsächlich geht Jacob Goodnight mit einer Kompromisslosigkeit zu Werke, welche stark an einen Leatherface oder Jason Vorhees erinnert. Hinzu kommen ein paar gelungene Ekelszenen - eine davon war sogar sehr innovativ und irgendwie neuartig - und in dem einen oder anderen Moment verspürt man sogar so etwas wie Spannung. Leider bleibt der Film aber seiner eigenen Kompromisslosigkeit nicht immer treu, was zu einem durchzogenen Gesamtbild führt und den Film in die untere Hälfte des Mittelmasses zieht.
Gregory Dark macht seine Sache nicht schlecht. Er spielt viel und gekonnt mit der Kameraeinstellung sowie dem Licht, und setzt immer wieder mal einige Wackeleffekte ein (welche auch im Horror-Thriller Ring eingesetzt wurden), welche sonst eher in Videoclips vorzufinden sind. Diese Technik und Kanes Äusseres sind auch die stärksten Punkte dieses Slashers und retten den Film vor einem Totalausfall. Leider kann das Drehbuch jedoch in keiner Sekunde mithalten und man kann sich nicht vorstellen, dass dieses mehr als zehn Seiten hat - was schon sehr grosszügig geschätzt ist. Heutzutage kann man einfach mehr von solch einer Grundidee erwarten, als ausgelutschte Wendungen und sinnlose Dialoge, die niemanden interessieren!
Fans dieser seit Scream - Schrei! anhaltenden Welle von Teenie-Slashern werden sicherlich ihre helle Freude an See No Evil haben. Auch kann es sein, dass der eine oder andere Zuschauer in Bezug auf die Überlebenden überrascht sein wird. Wer aber einen fesselnden und überzeugenden Horror-Thriller sehen möchte, sollte sich lieber nach etwas Anderem umschauen.