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Mit diesem Juwel von einem kammerspielartigen Psychothriller hat der ansonsten eher für Videoclips bekannte Regisseur David Slade eindrucksvoll bewiesen, was für ein Potential in ihm steckt. Doch auch die beiden Hauptdarsteller und der Drehbuchautor haben grossen Anteil an der starken Wirkung von Hard Candy: der Zuschauer wird in ein Wechselbad der Gefühle geworfen, aus welchem er bis zum verstörenden Schluss nicht mehr befreit wird. Ganz grosses Kino in einem kleinen, kontroversen Rahmen!
Hard Candy ist ein Film, über den man am Besten so wenig wie möglich weiss, bevor man ihn sich ansieht. Deswegen werde ich es sehr offensichtlich vermeiden, in meinen folgenden Ausführungen viele Dinge beim Namen zu nennen.
Der Film beginnt und wir erleben, wie Jeff Kohlver - ein erfolgreicher Fotograph - seine 14-jährige Internet-Bekanntschaft namens Hayley Stark zum ersten mal persönlich trifft. Das kleine Mädchen gibt sich bewusst sehr erwachsen und schon bald fahren beide in sein abgelegenes Haus, wo Hayley auch gleich ein paar Drinks mixt. Schon bald will sich das altkluge Girlie von Ihrem Verehrer fotografieren lassen. Als Jeff jedoch damit anfangen will, wird ihm schwarz vor Augen. Wieder aufgewacht, sieht er seine Welt auf den Kopf gestellt, und der Zuschauer wird fortan mit einem Albtraum konfrontiert, aus welchem es bis zum Ende des Films kein Entrinnen mehr gibt.
Was wir hier geboten bekommen, ist nicht jedermanns Sache - soviel ist sicher! Es geht um Pädophilie und Selbstjustiz, wobei den ganzen Film hindurch nie sicher ist, wer denn nun in welchem Punkt schuldig ist, oder eben nicht. Dieser Umstand führt dazu, dass man als Zuschauer zwar mit jemandem sympathisieren möchte, dies jedoch schlichtweg nicht kann, je mehr man über das Gesehene und - das ist hier ein sehr schwerwiegender Punkt - das Gehörte nachdenkt. Dies mag für viele ein Problem darstellen, doch entfaltet Hard Candy genau durch diese Umstände seine extreme Wirkung auf das Publikum. Es ist nahezu grandios, wie sich hier Darsteller, Dialoge, Kameraführung und Regiearbeit komplementär zueinander verhalten, so dass die Handlung sehr eigendynamisch wirkt. Auf diese Weise werden alle Gefühlsnuancen auf den Zuschauer übertragen, und man kann nicht anders, als mit den Protagonisten in jeder Sekunde mit zu leiden.
Abgesehen vom relativ selten in Filmen behandelten Thema, hebt sich dieses kleine Meisterwerk vor allem durch die darstellerischen Leistungen und die Dialoge vom heute üblichen Einheitsbrei ab. Es ist einfach herrlich, wie man hier bei sich selbst immer wieder ein zustimmendes Nicken oder ein schockiertes Kopfschütteln feststellen kann! Dies ist vor allem Patrick Wilson (Das Phantom der Oper) und Ellen Page (X-Men: Der letzte Widerstand) zu verdanken, welche es schaffen so facettenreich zu spielen, das der Film schon alleine deswegen sehr sehenswert ist. Dazu kommt dass es der Regisseur schafft, mit seinem Kamerateam und dem Score die Dynamik der Geschichte zu visualisieren und teilweise sogar noch zu verstärken. Dies zeigt sich vor allem in Der Szene: als Zuschauer schon fast unerträglich mitzuerleben und doch so faszinierend, dass man den Blick nicht abwenden kann. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten...
Ich für meinen Teil hoffe, dass David Slade im Filmbusiness Fuss fasst und uns noch viele Filme bescheren wird. Auch werde ich in Zukunft genauer Hinsehen, wenn der Drehbuchautor Brian Nelson heisst: diese beiden Herren haben hier eine hervorragende Zusammenarbeit an den Tag gelegt. Hin und wieder hätte der Film vielleicht etwas gestrafft werden können, doch auf der anderen Seite ist genau diese immer wieder auftauchende, gemächliche Gangart dafür verantwortlich, dass der Film uns richtig mitzureissen vermag.
Wer sich für hitchcockesque Kammerspiele interessiert und bereit ist, sich mit den hier behandelten Themen in einem kontroversen Film auseinander zu setzen, dem sei Hard Candy wärmstens empfohlen. Ich persönlich ziehe meinen Hut vor diesem Werk, welches mich auch Minuten nach Ende des Abspanns immer noch regungslos und gedankenverloren alleine liess! |