In dieser schrägen Persiflage auf den Grosserfolg "The Lord of the Rings" wird so ziemlich gegen jede Regel verstossen, die man sich vorstellen kann. Wer sich schon bei "Scary Movie" oder Helge Schneiders "Texas" genervt hat, sollte einen grossen Bogen darum machen. Doch wer sich dennoch darauf einlassen will, bekommt eine zum Schreien komische Schweizer Variante von Mittel-Erde geboten, wo es von absurden Dialogen, idiotischen Figuren und hirnrissigen Wendungen nur so wimmelt.
Es war ja sehr nahe liegend, dass Der Herr der Ringe eine sehr gute Vorlage für eine Persiflage bieten würde. Doch wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet ein Schweizer Filmteam dieser Sache annehmen würde? Doch siehe da, plötzlich sah man im Herbst 2004 in der Schweiz überall ein geniales Plakat, worauf nur eine Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger abgebildet war. An diesem Finger konnte man einen inzwischen sehr bekannten - wenn nicht den bekanntesten unter diesen runden Schmuckstücken - Ring erkennen. Genau diese Werbung verfehlte ihre Wirkung nicht und das Interesse in den Film war geweckt. Was man dann geboten bekam, hatte aber nichts mit Schweizer Zurückhaltung oder dergleichen zu tun - im Gegenteil! Hier bedient man sich bei Helge Schneider, den Wayans Brüdern, Leslie Nielsen, Bully und sogar bei Monthy Python. Offensichtlich lautete das Motto: "Hauptsache durchgeknallt"!
The Ring Thing ist die Geschichte von Fredi, einem Bankangestellten der unsterblich in seine Kollegin Heidi verliebt ist. Auf einer Geschäftsreise übt Fredi auf einer Flugzeug-Toilette seinen Heiratsantrag, wobei ihm der Ring in die Schüssel fällt. Bei dem Versuch diesen noch zu fangen bricht er plötzlich durch den Boden hindurch und landet in Mittelerde, wo er Bekanntschaft mit dem bösen Lord Sauraus macht, welcher ihm seinen Verlobungsring auch gleich wegnimmt. Irgendwie kommt Fredi dann ins Telehobbie-Land, wo er Almgandhi kennen lernt. Dieser erzählt ihm die Geschichte vom Schmieden der Ringe und von der Machtbesessenheit des Lords Sauraus. Als Fredi - welcher fortan immer nur noch Friedo genannt wird (auch wenn man nie erfährt, wer denn dieser ominöse Friedo eigentlich ist) - erwähnt, dass Sauraus ihm seinen Ring gestohlen hat, machen sich die Beiden zusammen mit dem extrem kindischen Pupsi auf den Weg, den Ring zurück zu holen und zu zerstören. Ausserdem entführt Sauraus noch Fredis geliebte Heidi und will die ganze Welt mit Käse-Fondue überdecken, womit das Chaos perfekt ist. Auf dem Weg zum Berg Chronos (der verblüffende Ähnlichkeit mit dem Matterhorn besitzt) treffen die drei auf viele Figuren, welche zwar alle verschieden sind, doch durch die Bank gehörig einen an der Waffel haben. So gibt es zum Beispiel den dümmlichen Prinzen Rackaroll, die ewig reimende Prinzessin Grmpfli, einen homosexuellen Flugdrachen und den schizophrenen Schwinger Schleimli.
Die Darsteller machen Ihre Sache nicht schlecht. Zum Teil wirken die Leistungen fast übertrieben hölzern, doch ist dies grundsätzlich auf Absicht zurückzuführen, denn nur so passen das Spiel der Protagonisten, die wirre Handlung und die punktuell in der Landschaft verteilten Theater-Kulissen zusammen und können ein homogenes Gesamtbild bilden. Am besten gefällt hier Leo Roos als Almgandhi, welcher eindeutig die grösste Anzahl zündender Gags abliefern darf, was er mit einem sehr guten komödiantischen Timing auch schafft. Der Score ist sehr abwechslungsreich und jeweils der Situation oder dem angestrebten Witz angepasst. Auch dies kann grundsätzlich als gelungen angesehen werden.
Den Flair des Films macht die Sprache aus, denn es ist einfach herrlich, wenn ein Alm-Öhi-ähnlicher Gandalf immer wieder in niedlich klingendes Fluchen verfällt, und das Pendant zu Gollum in zwei verschiedenen Dialekten mit sich selber streitet. Wie bei Achtung, fertig, Charlie! und Mein Name ist Eugen empfiehlt es sich also auch hier die Originalfassung anzuschauen.
Mit The Ring Thing gelang den Machern - allen voran dem Regisseur Mark Schippert - eine rotzfreche Komödie, die sich nahezu allen existierenden humoristischen Mitteln bedient, um einen Gag nach dem Anderen abzufeuern. Bei einer solchen Dichte an Pointen ist es klar, dass nicht alle zünden wollen, doch gibt es genügend originelle Ideen um genau das wieder aufzuwiegen. Wem der Inhalt nun nach zu viel Nonsens klingt, der wird mit dem Humor des Films wahrscheinlich nicht viel anfangen können, doch alle anderen sollten einen Blick riskieren und sich einfach mal auf die frechste Schweizer Erfindung seit es Ricola gibt einlassen.