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Verschollen

(Cast Away, 2000)

Dt.Start: 11. Januar 2001
DVD: 17. Juni 2001
Premiere: 07. Dezember 2000 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Abenteuer, Drama
Länge: 115 min Land: USA
Darsteller: Tom Hanks (Chuck Noland), Helen Hunt (Kelly Frears), Christopher Noth (Jerry Lovett), Nick Searcy (Stan), Lari White (Bettina Peterson), Michael Forest (Pilot Jack), Viveka Davis (Pilot Gwen), Semion Sudarikov (Nicolai), Nan Martin (Kellys Mutter), Anne Bellamy (Anne Larson), Lisa Long (Lisa Madden), Timothy Stack (Morgan Stockton), Joe Conley (Joe Wally), Michelle Robinson (FedEx-Sprecherin), Rich Sickler (FedEx-Manager)
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: William Broyles Jr.


Inhalt

Chuck Noland, leitender Mitarbeiter bei FedEx hat aufgrund seiner streßigen Arbeit einen vollen Terminplan, unter dem auch seine Freundin zu leiden hat. Als Chuck kurz nach Weihnachten als einziger Überlebender eines Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel strandet, ist er jahrelang völliger Isolation ausgeliefert und gezwungen sich zu ändern, um diese außergewöhnliche Situation sowohl physisch als auch emotional zu überleben.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Verschollen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Johnny Wishbone
Verschollen hat eine Wertung von 70%

So kurz vor Ende des Jahres beginnt meistens die Zeit in der die Studios ihre Highlights in die Kinos bringen, damit sie den Juroren der Academy noch frisch im Gedächtnis sind, wenn diese die Oscar-Nominierungen zusammenstellen. Verschollen ist einer dieser Filme bei denen sich DreamWorks sicherlich gute Chancen ausrechnet. Allein die Veröffentlichung einer Zemeckis/Hanks-Produktion kurz vor Weihnachten dürfte zumindest schon einmal einen komerziellen Erfolg garantieren, selbst wenn der Film dann nicht das hält was die Namen der Beteiligten versprechen.

Ich persönlich habe vor etwa zwei Wochen zum ersten Mal den Trailer zu Verschollen gesehen und war seit diesem Tag richtig heiß auf den Film. Das mir diese dreiminütige Vorschau den Film zu einem gewißen Maß vermiesen würde, wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber dazu später mehr. Zu allererst muß ich 20th Century Fox mal ein Lob aussprechen, denn die sind mit diesem Projekt ein beachtliches Risiko eingeganen. Schließlich haben sie einen Film finanziert, der nicht am Stück, sondern in zwei Blöcken gedreht wurde und in dem ein Großteil der Handlung ohne Dialoge auskommen muß. Aber wie gesagt, ich bin mir ziemlich sicher, daß der Film seine Produktionskosten problemlos wieder einspielen wird.

Hat sich der Gang zum Kino denn jetzt gelohnt? Ja, das hat er sehr wohl. Handelt es sich bei Verschollen um einen Film, den man unbedingt gesehen haben muß? Nein, das sicher nicht. Tom Hanks spielt einen FedEx-Manager, dessen gesamtes Leben von der Uhr bestimmt wird. Alles muß genauestens geplant werden, alles muß so schnell wie möglich erledigt werden. Selbst die Dates mit seiner Freundin Kelly werden sorgfältigst in den Terminplaner eingetragen. Doch so sehr sich der Film auch bemüht, uns die grundelegenden Wesenszüge von Chuck Noland aufzuzeigen, der Zuschauer bekommt nicht wirklich mit, wo Chuck die Prioritäten setzt und wie er dem Leben gegenüber steht, dabei wäre das große Familenessen die beste Gelegenheit gewesen eine persönliche Bindung zwischen der Hauptfigur und dem Zuschauer aufzubauen. Leider verpaßt. Daher kommt auch die ganze innere Wandlung, die Chuck im Verlauf des Films durchmacht nicht so recht rüber. Dafür wissen wir jetzt ganz genau über die Funktionsweise von FedEx bescheid.

Nach einer spektakulären Absturzsequenz und Chucks Kampf gegen die mächtigen Wellen (eine Szene die sehr an Der Sturm erinnert, was nicht als Kritik zu verstehen ist) landet Chuck auf einer einsamen Insel. Dort muß er schließlich ohne die so selbstverständliche Technik der Zivilisation auskommen. Was nun folgt ist im Grunde eine Kurzzusammenfassung der menschlichen Evolution. Chuck sucht Nahrung, Chuck baut sich einen Unterschlupf, Chuck lernt wie man Feuer macht (mit anschließendem euphorischen Tanz), Chuck betreibt Höhlenmalerei und einmal unternimmt er sogar einen (leider erfolglosen) Versuch von der Insel zu kommen. Richtig interessant wird es jedoch erst, als unser Robinson sein Überleben gesichert hat und so langsam eine emotionale Wandlung durchlebt. Wird unser Held mit der Isolation fertig werden? Wird er überhaupt jemals wieder einen anderen Menschen zu Gesicht bekommen?

Tja, und genau diese elementaren Fragen werden bereits im Trailer geklärt, wodurch der Film einiges an Spannung verliert. All diejenigen die bisher weder den Film noch die Vorschau gesehen haben sollten diesen Absatz jetzt überspringen, denn ich will Euch den Spaß nicht verderben. Wie bereits erwähnt, fand ich Chucks emotionale Veränderung den interessantesten Aspekt der Geschichte, doch genau dieser ist viel zu kurz gekommen. Ein gewisser Ansatz war durchaus vorhanden, doch nach Chucks schauderhaften Zahnoperation steht da plötzlich "Vier Jahre später" und die Geschichte geht mit Chucks Rückkehr in die Zivilisation weiter. Ich mein, was ist denn bitte in den vier Jahren passiert? Sollen wir ernsthaft glauben der Mann hat sich 1500 Tage lang am Strand gelangweilt und niemals einen weiteren Fluchtversuch unternommen? Und wie ist er denn nun mit der Isolation fertig geworden. Hat ihm sein imaginärer Kumpel Wilson tatsächlich gereicht?

Obwohl die Story recht simpel ist, kann der Film dennoch allein vom Handwerklichen überzeugen. Robert Zemeckis hat wieder ein paar schöne Kameraspielchen abgeliefert und schafft trotz der wenigen Dialoge problemlos die Zuschauer zu unterhalten. Viele Regisseure hätten sich für ein Voiceover entschieden, um den Zuschauern klar zu machen warum Chuck nun gerade dies oder jenes tut, doch Zemeckis hat die Stille genutzt, um das Gefühl des Alleinseins möglichst gut rüberzubringen. Es ist ihm gelungen. Schön war auch zu sehen, daß Zemeckis mehr als einer Versuchung widerstanden hat, den Film ins kitschige abgleiten zu lassen. Soviel Selbstbeherrschung hat nicht jeder. Tom Hanks spielt wie gewöhnlich hervorrragend und zeigte allein mit seiner Hungerkur in der monatelangen Drehpause, wie wichtig ihm eine glaubwürdige Darstellung in seinen Filmen ist. Und ob ihrs glaub oder nicht, der schönste Moment war der, in dem wir den guten alten und schlanken Tom Hanks wieder zu Gesicht bekommen. Von mir aus kann der Mann aussehen wie er will, so lange er weiterhin so genial spielt, aber man hatte am Ende schon das Gefühl, als würde man einen alten Bekannten wieder sehen. Ein wahrlich schöner Moment, der nur durch die tolle Schlußeinstellung übertroffen wurde. Lange Rede kurzer Sinn, Verschollen bringt nicht unbedingt etwas phänomenal neues, erfüllt jedoch auf alle Fälle den Zweck abendlicher Unterhaltung.



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