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Snatch - Schweine und Diamanten

(Snatch, 2000)

Dt.Start: 22. März 2001 Premiere: 23. August 2000 (UK)
FSK: ab 16 Genre: Komödie, Krimi
Länge: 104 min Land: UK, USA
Darsteller: Benicio Del Toro (Franky Four Fingers), Dennis Farina (Cousin Avi), Vinnie Jones (Bullet Tooth Tony), Brad Pitt (One Punch' Mickey ONeil), Rade Serbedzija (Boris The Blade), Jason Statham (Turkish), Alan Ford (Brick Top), Mike Reid (Doug The Head), Robbie Gee (Vinny), Lennie James (Sol), Ewen Bremner (Mullet), Jason Flemyng (Darren), Ade (Tyrone), William Beck (Neil), Andy Beckwith (Errol)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie


Inhalt

Der lizenzslose Hinterhofboxpromoter Turkish wird vom Topgangster Brick Top dazu angestiftet einen abgesprochenen Fight zu organisieren und gerät dabei in Teufels Küche. Ein Diamantendieb wird nach erfolgreichem Raub abserviert wobei der 84 Karäter verloren geht. Der amerikanische Auftraggeber Avi fliegt daraufhin sofort nach England und versucht unter Mithilfe einiger dubioser Charaktere seinen Stein wiederzubeschaffen. Irgendwann laufen beide Geschichten zusammen und alle Personen stürzen sich gegenseitig in eine verzwicktete Kettenreaktion und das totale Chaos.
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Kritik

Snatch - Schweine und Diamanten hat eine Wertung von 96%

Vor einem kleinen Kino irgendwo in den bergigen Tiefen der deutschen Landschaft: Ein vollkommen aufgelöster Cinemaniacs Mitarbeiter brüllt begeistert zitternd in die Warteschlangen hinein: WAHNSINN! WAAAHNSINN!!! Der Snatch ist da und er ist wunderschön. Er ist so gottherlich wunderschön. Der Cinemaniacs Mitarbeiter kann seine Begeisterung nicht länger zügeln und beginnt in seiner Euphorie wildfremde Menschen zu umarmen und zu küssen, er hat den Snatch: einmal gesehen ist er zum Glück nicht mehr heilbar. Schweißperlen rinnen ihm heiß aus allen Poren und seine Augen glänzen freudenerfüllt. Doch die anderen Kinobesucher, die Ungeläuterten zeigen kein Verständniss. Sie stoßen den Cinemaniacs Mitarbeiter hart von sich, überrumpeln ihn als er es nicht schafft sich zu beruhigen. Vergebens: die Macht des Snatch ist stärker, sie lassen den Cinemaniacs Mitarbeiter einweisen.

Psychiatrische Anstalt für überglückliche Menschen Station 6066. Auszug des Protokolls des behandelnden Artztes Dr.Batemann im Gespräch mit Marco Dzebro: Also wieso haben sie das gemacht? Was ist passiert? (der Patient lächelt) Weil ich glücklich bin Herr Doktor. Sie haben ja keine Ahnung wie hart das Leben eines Filmkritikers sein kann, wenn man sich Filme wie Scream 3 oder Urban Legends 2 ansschauen muß. (trotzdem lächelt der Patient weiter) Doch hin und wieder passieren dann kleine Wunder wie etwa 3 Engel für Charlie oder Telling You, Filme die wieder Kraft geben und Mut machen. Und jetzt ist es wieder mal passiert, ich habe einen dieser Filme sehen dürfen: Snatch - Schweine und Diamanten. Batemann: Und was genau hat sie so glücklich gemacht an diesem Film? Alles Herr Doktor, einfach alles. Der Film fängt schon mal mit einer der besten Eröffnungssequenzen der Filmgeschichte an: In drei verschiedenen Regiestilen (langsamer Kameragenuß-Wildbruch hin zur kultigen Schnellschnittvorstellung aller Charaktere) unterteilt gibt der Film direkt zu Beginn seine Seele preis: Guy Ritchie weiß wo der Kult spriest und hat verdammt viele Einfälle. Doch im Gegensatz, und dafür liebe ich ihn, zu den meisten Hollywood Regisseuren wie zum Beispiel Tarantino inszeniert er seinen Film nicht mit diesem prahlend aufgesetzten Lechzen nach Anerkennung sondern weil es ihm anscheinend einen Höllenspaß macht und er diesen Fun mit dem Zuschauer einfach teilen will. Und verdammt nochmal hab ich einen Spaß gehabt.

Beginnend mit den Performances aller Darsteller ist schon mal ein Dankesgebet fällig da alle dermaßen grandios locker in ihrer Rolle aufgehen, das einfach alle Formen des Kinoerlebens gegeben sind: Mit den Figuren erleben, durch und über sie erleben. Brad Pitt gebürt an dieser Stelle auch ein kleines Extralob für die sprachgenialste Performance der letzten Jahre. Guy Ritchie schafft es ertaunlicher Weise immer den Zuschauer für die jeweilige Geschichte der Person, die gerade zu sehen ist, vollends zu fesseln und das ist in einem Ensemblefilm der schneller hin und her hüpft als ein Kaninchen zur Brunftzeit, eine erstaunliche Leistung. Auch der Humor, der von Slapstick bis hin zu trockenem Wortwitz reicht, ist immer gelungen, sei es nun weil man schallend über die grandiose Art der Inszenierung oder der Geschichte an sich lachen muß. Doch Snatch - Schweine und Diamanten ist nun wirklich keine Komödie sondern ein Gangsterfilm. Im direkten Vergleich der sich da aufdrängt zwischen Snatch - Schweine und Diamanten und Pulp Fiction ist der Tarantinofilm (hätte nie gedacht, das ich das mal sagen werde) nicht mehr Wert als ein Schluck warme Spucke in der Kurve.

Ritchie ist wirklich ein visueller Haudrauf der seine Geschichte geschickt mit der Inszenierung verbindet und beides miteinander arbeiten läßt. Ohne Ideenlos zu wirken (ganz im Gegenteil) löst die Inszenierung das gesprochene Wort ab, wenn schon alles gesagt wurde und jede weitere Erklärung alles nur unnötig in die Länge ziehen würde und umgekehrt. Teilweise hat der Film das Tempo und den Witz eines Trailers. Habt Ihr auch schon mal Filme gesehen, bei denen der Trailer viel besser, weil schneller und kalkuliert durchdachter getimed, war als der gesamte Film? Nun in Snatch - Schweine und Diamanten werdet Ihr ein 104-minütiges Trailerkribbeln verspühren, da der Regisseur ganz genau weiß an welchen Stellen er den Zeitraffer oder das Standbild plazieren muß, um den Zuschauer hoffnungslos durchgehend bei Laune zu halten. Nicht mal zu blinzeln wagt man sich bei dem Film, da jede Sekunde so unglaublich kostbar und einfach toll ist. Also wenn auch Ihr mal wieder blinzellos im Kino sitzen und Euch an einem Film erfreuen wollt, nach welchem man Dankbar für die Erfindung des Kinos ist, dann schaut Euch Snatch - Schweine und Diamanten an. Also snappt Euch ein Bier, verstaut die Pulp Fiction-Poster unterm Bett und laßt Euch bis zum äußersten perfekt unterhalten mit dem grandiosesten englischen Film ever. (Der Patient schläft erschöpft aber immernoch lächelnd ein). Die Sitzung endet mit einem von mir ausgewählten Phil Collins Song. Gezeichnet Dr. Patrick Batemann.

von Thorsten Woner


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