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Grounding

(Grounding, 2006)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 19. Januar 2006 (Schweiz)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation, Thriller
Länge: nicht bekannt Land: Schweiz
Darsteller: Hanspeter Müller (Mario Corti), Laszlo I. Kish (Moritz Suter), Michael Neuenschwander (Andre Dose), Gilles Tschudi (Marcel Ospel), Rainer Guldener (Lukas Mühlemann), Katharina von Bock (Jacqualyn Fouse), Pasquale Aleardi, Andrea Bettini, Stephan Bürgi, Peter Fischli, Matthias Flückiger, Helmut Förnbacher, Ralph Gassmann, Jean-Pierre Goss, Joris Gratwohl, Stefan Gubser, Janic Halioua, Walter Hess, Ueli Jäggi, Stefanie Japp, Peter Jecklin, Zdenko Jelcic, Tiziana Jelmini, Aviva Joel, Andrea Marin, Hans Heinz Moser, Leonardo Nigro, Peter Reichenbach, Daniel Rohr, Stefanie Stämpfli
Regie: Michael Steiner
Drehbuch: Jürg Brändli, Tobias Fueter


Inhalt

Der spektakuläre Niedergang der Swissair im Oktober 2001 war nicht nur ein wirtschaftlicher Schlag für die Schweiz, sondern auch ein schwerer moralischer Knacks für die Eidgenossen. Neben dem Schicksal des glücklosen Top-Managers Mario Corti, der die Geschicke der Swissair in den letzten Tagen leitete, widmet sich der Film den vielen Einzelschicksalen, die der Zerfall der nationalen Schweizer Fluggesellschaft produzierte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Grounding hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 54%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Kurt Meinicke
Grounding hat eine Wertung von 54%
Nachdem Michael Steiner mit Mein Name ist Eugen einen nahezu perfekten Familienfilm gedreht hatte, brachte er noch im selben Jahr diesen Doku-Thriller in die Schweizer Kinos. Ganz im Stil der amerikanischen Vorbilder - wie zum Beispiel JFK - John F. Kennedy - Tatort Dallas, Thirteen Days oder Syriana (wovon die fiktive Komponente übernommen wurde) - gedreht, entstand ein mitreissender, spannender Film über den Untergang eines Nationalheiligtums. Leider schiesst sich der Regisseur aber inhaltlich über die gesamte Laufzeit hinweg auf einen einzigen Schuldigen ein, was einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt: so hervorragend der technische Aspekt des Filmes ist, desto reisserischer und somit unbrauchbarer zeigt sich der Inhalt.

Bild aus Grounding Was war der Frühherbst 2001 für eine Zeit: zuerst die Terroranschläge in New York, und einen knappen Monat später passierte erneut etwas, mit dem niemand - zumindest nicht in der Schweiz - gerechnet hatte: das Grounding der Swissair, jener weltweit bekannten und hoch angesehen Fluggesellschaft, welche das grösste und stärkste Symbol für die Schweizer Wirtschaft war. Entsprechend gross war das öffentliche Interesse, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Menschen von diesem wirtschaftlichen Fiasko betroffen waren. Sofort wurden Schuldige gesucht und - vor allem im Bankensektor - auch gefunden. Doch waren diese Anschuldigungen gerechtfertigt? Wurden die Richtigen an den Pranger gestellt? Wie konnte es genau dazu kommen, dass die scheinbar stärkste Firma einfach so, von heute auf morgen, in Trümmern am Boden lag? Der Film befasst sich einzig mit der Beantwortung der Letzten dieser drei Fragen und in Bezug auf die ersten beiden Fragen macht Michael Steiner genau das, was schlussendlich Alle getan haben: Annahmen treffen.

Nachdem ein gewisser PhiIippe Bruggisser jahrelang als Swissair-Chef eine komische Strategie (Existenzsicherung durch Expansion - koste es, was es wolle) gelebt hatte, und dabei aus einer Fluggesellschaft einen undurchsichtigen Gemischtwarenladen fabriziert hatte, musste die Seifenblase irgendwann platzen: finanzstarke Partner sprangen ab und Bruggisser wurde samt Aufsichtsrat gefeuert! Nach einem extrem kurzen Gastspiel von Crossair-Gründer Moritz Sutter an der Swissair-Spitze, entschloss sich Nestlé-Finanzchef Mario Corti (wieder einmal optimal mit Hanspeter Müller-Drossaart besetzt, welcher später in Cannabis den kiffenden Bundesrat mimte) dazu alles Mögliche zu versuchen, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Leider hatte er zu diesem Zeitpunkt keine Chance zu sehen, auf was er sich da eingelassen hatte: kein Tag sollte vergehen, ohne dass ihn irgendeine Hiobs-Botschaft erreichte. Zu viele Parteien waren involviert, zu viele Betroffene versuchten sich selbst einen Vorteil zu beschaffen und viel zu Wenige hatten den Mut Ihre Fehler einzugestehen.

Die Darsteller machen Ihre Sache wirklich sehr gut. Dazu kommt, dass sie Ihren reellen Vorbildern sogar mehr oder weniger ähnlich sehen, was sehr hilfreich ist, da im Film auch Original-Ausschnitte aus den Nachrichten und Pressekonferenzen vorkommen. Auch der Score ist sehr passend und unterstützt die schnelle Gangart des Films auf perfekte Art und Weise. Dieses Tempo wird zusätzlich durch eine gelungene Kameraführung getragen, und der Schnitt tut sein übriges, weshalb technisch gesehen von einem durchaus gelungenen Thriller gesprochen werden kann, welcher keinen Vergleich mit ähnlichen Filmen scheuen muss. Hervorragend ist auch die Art, wie einzelne Szenen so dargestellt werden, dass man das Gefühl hat, man würde durch ein Schlüsselloch sehen: dies macht es dem Zuschauer einfacher zu erkennen, ob er es mit Fakten oder mit fiktiven Annahmen zu tun hat.

Kommen wir nun zu den Mängeln, oder besser gesagt: zu dem einzigen Mangel, welcher dafür umso schwerwiegender ist. Der Film beginnt so, wie er es muss: mit dem Hinweis darauf, dass es sich um fiktive Hintergrundgeschehnisse und Dialoge handelt. Dieser ist auch zwingend notwendig, denn wie im Film selbst später gewisse Dinge dargestellt werden, grenzt an propagandistischem Rufmord! Hier werden nicht nur ein paar Annahmen getroffen, sondern es werden auch reell existierende Persönlichkeiten als herzlose, gleichgültige und profitgierige Scheusale dargestellt, was nicht gutgeheissen werden kann! Genau so, wie es dazumal die Medien getan haben, verbreitet Michael Steiner mit seinem Film die Meinung, dass die Schweizer Grossbanken verantwortlich für das Grounding sind. Doch nicht nur das, denn es wird auch so dargestellt, als sei dies absichtlich geschehen. Zielperson dieses Vorwurfs ist UBS-Chef Marcel Ospel, welcher anscheinend nur das Ziel hatte seine eigene Fluglinie zu besitzen. Er wird als aalglatter, gerissener Geschäftsmann beschrieben, welcher im Hintergrund immer nur im eigenen Interesse gehandelt und, wenn nötig, auch gelogen hat. Kein Wort zu viel wird darüber verloren, dass der Bund erst am Tag der Nachlassstundung plötzlich in die Swissair investieren wollte und somit in seinem plötzlichen Sinneswandel natürlich viel zu spät war. Auch die Tatsache, dass Herrn Ospels anfänglicher Vorschlag eine Tochterfirma zu verkaufen - was sofort vehement abgelehnt wurde und auch wieder viel zu spät als Möglichkeit in Betracht gezogen wurde - sich eindeutig als einzige eventuelle Lösung in diesem Moment darstellte, wird zu dessen Ungunsten schnell unter den Teppich gekehrt: hier will man eindeutig, dass der Boss der grössten und erfolgreichsten Schweizer Bank schlecht da steht. So wird auch am Ende mittels schriftlichen, kurzen Sätzen beschrieben, wie alle Beteiligten entweder von Ihren Posten zurückgetreten sind oder entlassen wurden. Nur bei Marcel Ospel heisst es "ist nach wie vor Präsident der UBS". Denkt man aber darüber nach, beweist genau dieser letzte Satz des Films, dass vieles des vorher Gesehenen nicht der Wahrheit entsprechen kann: wer glaubt denn schon, dass gerade derjenige, welcher scheinbar die grösste Schuld an dem Ganzen Dilemma trägt, der Einzige ist, der noch immer den selben Job hat? Bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer sich diese Frage selbst auch stellen, und sich nicht von der reisserischen Darstellung in diesem Film beeinflussen lassen!

Grounding ist gleichermassen gelungen und wichtig, wie er gefährlich ist. Als Thriller nahezu perfekt, muss man als Zuschauer aufpassen, was man davon wirklich glauben darf. Insgesamt wird ein übersichtliches Bild des Debakels geboten, welches auch für das nicht-schweizerische Publikum verständlich und nachvollziehbar ist - auch wenn man gestehen muss, dass sich der Zuschauer nur selten zurücklehnen kann, da die Informationsflut weit über dem Standard liegt. Die vorkommenden eingebauten Einzelschicksale stellen eben diese Verschnaufpausen dar, indem Sie etwas Ruhe und Herz in den Film bringen. Leider wissen diese Subplots aber nicht vollkommen zu überzeugen und am Ende stellt man sich doch die Frage, warum denn so ein Riesen-Theater um die ganze Geschichte gemacht wird: es ist nicht die erste Schweizer Firma welche Bankrott geht, und in solchen Fällen gibt es immer viele Menschen, welche die Folgen zu tragen haben obwohl man Ihnen keine Schuld geben kann.

Abschliessend kann man sagen, dass Fans des Genres diesen Film gesehen haben müssen! Doch sollte man sich im Klaren sein, dass es sich nicht um eine Darstellung der wahren Geschehnisse handelt - dies kann nicht oft genug erwähnt werden - sondern um ein mit sehr viel Phantasie und Hass gefülltes, grobes Gesamtbild. Wer damit klar kommt, wird an der spannenden Inszenierung seine helle Freude haben.



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Dt. Start: 23. Feb 2006
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