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Sein Mädchen für besondere Fälle

(His Girl Friday, 1940)

Durchschnittliche Redaktionswertung

98%



Inhalt

Als Chefredakteur Walter Burns erfährt, dass seine beste Autorin und Ex-Frau Hildy Johnson, ihren Job hinschmeißen will, um mit dem Versicherungsvertreter Bruce Baldwin glücklich zu werden, setzt er alle Hebel in Bewegung um den Verlust abzuwenden. Um sie bei der Stange zu halten bietet er ihr schließlich eine Story über den Mörder Earl Williams und den unbeholfenen Sheriff Hartwell an.

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Sein Mädchen für besondere Fälle

Kritik

von Igor Krstic

Wertung Kritik

98%

Howard Hawks Sein Mädchen für besondere Fälle aus dem Jahr 1940 gilt vielen als beste Screwball Komödie aller Zeiten und wirkt 66 Jahre nach Erscheinen immer noch erstaunlich frisch und modern. Der Film ist eine Hollywood Adaption des Broadway Theaterstücks "The Front Page" von 1928 - eine Medien-Satire auf Sensationsjournalisten. Das Stück gilt heute aufgrund seiner schonungslos authentischen Sprache als Schlüsselwerk des amerikanischen Theaters und wurde seitdem mehrmals für TV und Kino verfilmt. Howard Hawks verwandelte das Stück in eine Screwball-Komödie, die dank seiner beiden Hauptdarsteller zu einem Meilenstein des Genres wurde.

Bild aus Sein Mädchen für besondere Fälle "Screwball" ist englischer Slang und beschreibt eine Person mit skurrilen Eigenschaften. Es handelt sich bei diesen Filmen meistens um Beziehungskomödien mit einem temporeichen Dialog-Staccato. Der intellektuell-ironische Schlagabtausch zwischen Mann und Frau vor dem Hintergrund eines komplex gestrickten Plots mit zahlreichen Wendungen, die nicht minder temporeich inszeniert werden, zeichnet sich insbesondere durch einen hohen Grad an Selbstreflexion aus - so als seien die Protagonisten im Grunde genommen Drehbuchautoren ihrer eigenen Handlung. Dieses subversive Genre hatte erstaunlicherweise bereits in den 1930er und 1940er Jahren seine Blütezeit. Subversiv deshalb, weil die Dialoge ungewöhnlich freizügige, oft sexuelle, aber auch politisch unkorrekte Anspielungen hatten und die intelligenten, selbstbewussten Frauenrollen den Männerrollen meist überlegen waren - diese Schauspielerinnen wurden logischerweise oft auch als feministische Ikonen gefeiert ( z.B. Katherine Hepburn). Und erstaunlich deshalb, weil trotz sexueller Revolution, Emanzipation und der zunehmenden Freiheit vor der Schere der Zensur dieses enorm populäre Hollywood Genre seit den 1940er Jahren fast in Vergessenheit geraten ist. Hin und wieder jedoch tauchen in Serien wie Sex and the City Screwball-Elemente auf und erfreuen sich nach wie vor weltweiter Beliebtheit. Auch die Coen Brothers brachten vor Kurzem mit Ein (Un)möglicher Härtefall (2005) einen Film in die Kinos, der an die guten alten Zeiten des Screwballs erinnerte.

Die männlichen Protagonisten dieser Filme haben meist offensichtliche charakterliche Schwächen (Screwballs). Oft sind es hemmungslose Lügner, so auch Walter Burns, Chefredakteur der Chicagoer "Morning Post", wunderbar gespielt von Cary Grant. Die weiblichen Charaktere besitzen dahingegen oft eine herausragende Intelligenz und einen unwiderstehlichen Sprachwitz, weshalb Screwball-Komödien berufliche Sprachakrobaten wie Akademiker (Cary Grant in Leoparden küßt man nicht), Juristen (Robert Montgomery in Mr. und Mrs. Smith oder George Clooney in Ein (Un)möglicher Härtefall) oder eben Journalisten (Clark Gable in Es geschah in einer Nacht oder Sarah Jessica Parker in Sex and the City) als Hauptakteure beinhalten. In Sein Mädchen für besondere Fälle spielt Rosalind Russel diese weibliche Hauptrolle. Hildy Johnson ist Star-Reporterin und Ex-Frau des Chefreadakteurs. Russel und Grant bilden hier ein geradezu kongeniales Paar, in dem der verbale Schlagabtausch zu einem wahren Genuss wird. Bereits in der ersten Szene des Films entfachen die beiden ein Feuerwerk aus ironischen Spitzen und subtilem Geschlechterkampf-Humor, welches das irrwitzige Sprach-Tempo des Films von Anbeginn einleitet. Man kann getrost sagen, dass die unaufhörliche Aneinanderreihung von Hänseleien, Anspielungen und Witzeleien in dieser Anfangsszene filmgeschichtlich unübertroffen bleibt, weshalb man Sein Mädchen für besondere Fälle nicht nur als beste, sondern auch als schnellste Komödie aller Zeiten bezeichnet hat.

Dabei ist der skrupellose Walter Burns gleich am Anfang mit mehreren Problemen konfrontiert, die er sich zu lösen anschickt. Seine wunderschöne Ex-Frau will nicht nur ihn, sondern auch Chicago und ihren Posten bei seiner Zeitung verlassen. Hildy hat sich mit dem Versicherungsangestellten Bruce Baldwin verlobt, der ganz dem Stereotyp des höflichen, aber spießigen und ziemlich einfältigen Provinzlers entspricht. Vor allem unterscheidet sich Bruce durch seine langsame und gemächliche Sprechweise von Walter. Hildy verspricht sich durch diese Heirat ein geruhsameres Leben als Heimchen am Herd in der amerikanischen Provinz, da sie von Walters leeren Versprechungen sichtlich genug hat. Klar, dass Walter diese Heirat mit allen nur erdenklichen Mitteln verhindern will, da er Hildy nicht nur als Frau, sondern auch als Star-Reporterin der "Morning Post" behalten möchte. So bietet er den beiden einen Deal an: Walter soll eine Lebensversicherung von 25.000 Dollar bei Bruce unterzeichnen. Im Austausch dafür schreibt Hildy ihren allerletzten Artikel für die "Morning Post", bevor sie aufs Land zieht und Bruce heiratet. Der Artikel soll ein Interview mit dem Verurteilten Earl Williams, einem sentimentalen Obdachlosen, in der Todeszelle sein.

Der zum Tode Verurteilte hatte nämlich am Tag zuvor einen schwarzen Polizisten erschossen, und der Fall beherrscht an folgenden Tag die Schlagzeilen des Chicagoer Blätterwalds. Die lokale Jurisprudenz will ein Exempel statuieren und verurteilt den angeblichen Kommunisten zum Tod durch den Strang. Da Bürgermeisterwahlen bevorstehen, möchte man nämlich die schwarzen und konservativen Wähler nicht vergraulen. Hildy findet jedoch heraus, dass Earl gar kein Kommunist ist, den Polizisten versehentlich erschossen hat und dass an Earl nur eine politische Hinrichtung vollzogen werden soll. So spielt der größte Teil des Plots in nur einem Raum, nämlich im Presseraum des Chicagoer Gerichtsgebäudes. Dort wartet eine Meute an Journalisten auf die Hinrichtung des Verurteilten. Diese Journalisten-Meute wird als zynischer und durchtriebener Haufen von Sensationsreportern dargestellt, die sich nach dem vorherrschenden Wind drehen und Stories erfinden, um fette Schlagzeilen zu verkaufen. Die versammelten Reporter des Chicagoer Blätterwalds schlagen bis zum Zeitpunkt der Hinrichtung ihre Zeit mit Pokerspielen und Witzeleien tot. Hildy macht jedoch den Unterschied aus, da sie als investigative Enthüllungsjournalistin arbeitet. Zum Schluss durchschaut sie gemeinsam mit Walter das Netz aus Lügen. Die Lokalpolitiker werden durch Hildys Recherchen als opportunistische Marionetten im Chicagoer Politzirkus entlarvt. Gen Ende hat die schreibwütige Hildy wieder so viel journalistisches Blut geleckt, dass sie Bruce innerhalb kürzester Zeit vergessen hat und zu Walter und der "Morning Post" zurückkehrt, ganz getreu dem Motto "einmal Journalist, immer Journalist".

Deshalb kann man Sein Mädchen für besondere Fälle nicht nur als äußerst gelungene Screwball-Komödie bezeichnen, sondern auch als bissige Medien-Satire, in der die Geburt der turbo-kapitalistischen Schlagzeilenjagd aufs Korn genommen wird. Darauf deutet auch die ironische Einblendung, gleich zu Beginn des Films hin, in der es heißt: "It all happened in the 'dark ages' of the newspaper game, when to a reporter 'getting that story' justified anything short of murder. Incidentally you will se in this picture no resemblence to the men and women of the press today. Ready? Well, once upon a time...". Dieser medienkritische Hintergrund hat seinen Ursprung bei den Drehbuchautoren Ben Hecht und Charles McArthur, die selbst Zeitungsreporter bei der "Chicago Daily News" in den 1920er Jahren waren. Hecht recherchierte während seiner Zeit als Reporter den berüchtigten "Ragged Stranger Murder Case", in dem ein Obdachloser wegen eines Mordes zum Tode verurteilt wurde. Daraus entstand das Theaterstück The Front Page, ein Schlüsselwerk der amerikanischen Theatergeschichte und ein Broadway Smash-Hit aus dem Jahr 1928, das als Drehbuchvorlage für His Girl Friday diente. Als Schlüsselwerk wurde das Stück deshalb bezeichnet, weil es eine eher proletarische und schonungslos authentische Sprache in das zuvor schwülstige amerikanische Theater brachte, was auch in der englischen Originalversion von Sein Mädchen für besondere Fälle hörbar ist. Kult-Regisseur Howard Hawks adaptierte das erfolgreiche Theaterstück, änderte aber eine signifikante Kleinigkeit: Hildy Johnson wurde mit einer Frau besetzt und nicht wie in dem Theaterstück von einem Mann. Wie der Film beweist, eine geniale Entscheidung.

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