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Zodiac - Die Spur des Killers ist ein akribisch ausgebreitetes Puzzle. Eines, das Geduld erfordert und in dem ein Teil bis zum Schluss fehlt: die eindeutige Auflösung. Weiß man dies und erhofft von Regisseur David Fincher keinen zweiten Sieben, bietet sein neuestes, für ihn untypisches Werk gerade aufgrund seiner Andersartigkeit und Abwendung vom gängigen Serienkiller-Thriller ein faszinierendes Seherlebnis.
Zodiac - Die Spur des Killers ist ganz und gar nicht das, was man von einem Fincher-Film erwartet. Er mischt das Serienkiller-Genre nicht neu auf, wie es einst die überbordende Leichenschau Sieben tat. Besitzt anders als The Game oder Fight Club keinen doppelten Boden. Und hat kaum etwas mit dem ästhetisch durchgestylten Klaustrophobietrip Panic Room gemeinsam. Er ist die minutiöse, detailbesessene Rekonstruktion eines Kriminalfalles. Näher dran an einer Episode von Law & Order oder dem Watergate-Drama Die Unbestechlichen als am Selbstjustiz-Reißer Dirty Harry. Letzterer nutzte wie einige weitere Filme die realen, nie gelösten San-Francisco-Morde als Storyline-Inspiration. Im Gegensatz zu Zodiac - Die Spur des Killers - und dem wahren Leben - präsentierte er allerdings eine finale Aufklärung.
Finchers neuester Thriller ist streng genommen gar keiner, obwohl er mit Versatzstücken des Genres arbeitet. Er ist eine verfilmte Zeitungsgeschichte, wie sein Macher selber sagt. Ein informationsgeballter Aktenberg, aufgeblättert und erzählt in drei Akten. Viel Text, wenig Action. Für einen Regisseur, der für seine ausschweifende visuelle Opulenz und Drastik bekannt ist, überraschend zurückhaltend und schlicht, uneitel und schnörkellos. Dabei aber keinesfalls langweilig, lässt man sich auf seine dokumentarisch angelegte Inszenierung ein. Hier triumphiert erstmals bei Fincher der Inhalt über die Form.
Dennoch gibt es eine Handvoll virtuos gedrehter Szenen, die demonstrieren, dass der Regisseur nicht verlernt hat, den Zuschauer bei den Eingeweiden zu packen - und dass ihm dies wie üblich ein sadistisches Vergnügen zu bereiten scheint. In einer von diesen sitzt ein Pärchen nachts in einem parkenden Auto. Im Hintergrund ist das Feuerwerk zur Feier des 4. Julis, der Tag der Unabhängigkeit, zu hören. Ein zweiter Wagen taucht in der Abgeschiedenheit auf, parkt direkt hinter dem ersten Auto, steht einfach nur da - quälend lange. Bis schließlich eine Gestalt aussteigt, deren Gesicht durch die blendenden Scheinwerfer nur schemenhaft zu erkennen ist. Die Schüsse, die folgen, fahren einem direkt in die Magengrube.
Junge Pärchen waren die bevorzugten Opfer des Zodiac-Killers, dessen Identität bis heute nicht geklärt ist. Ende der 60er Jahre ermordete dieser in und um San Francisco laut eigenen Angaben 37 Menschen. Fünf Morde gingen nachweislich auf sein Konto, zwei weitere Menschen überlebten schwer verletzt und konnten eine grobe Täterbeschreibung abgeben. Das, was Zodiac auszeichnete - der sich nach dem gleichnamigen Tierkreissymbol benannte - waren aber weniger seine Taten, als sein Geltungsbedürfnis und Publicity-Drang. Ein Merkmal, das ihn mit John Doe aus Sieben verbindet.
Der Karikaturist Robert Graysmith - im Film von Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain) mit dem ihm typischen Understatement verkörpert - arbeitete zu dieser Zeit beim "San Francisco Chronicle", eine der Zeitungen, an die Zodiac seine chiffrierten Nachrichten sendete. Graysmith machte es über Jahrzehnte zu seiner persönlichen Mission und Obsession, den Killer zu fassen, was ihm nie gelang, obwohl es einen Hauptverdächtigen gab, dem man aber nichts nachweisen konnte. Fincher stützt sich bei seinen Punkt für Punkt dargelegten Fakten und Vermutungen überwiegend auf Graysmiths Bücher "Zodiac" und "Zodiac Unmasked".
Zodiac - Die Spur des Killers ist kein klassischer Serienkiller-Streifen. Wer einen zweiten Sieben erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Er ist dessen Antithese. Eine theoretische Abhandlung und intelligente Reflektion des Phänomens Serienkiller, nicht dessen Fütterung und Zurschaustellung. Er beschäftigt sich mit großer Ernsthaftigkeit, manischer Konzentration und scharfem Blick für Absurditäten dem enormen Hype, den ein Täter in jedem Einzelnen, in der Gesellschaft und vor allem in den Medien auslösen kann. Die Faszination mit dem Morbiden und Grausamen, die seit den 60er Jahren eher zu- statt abgenommen hat und in Film und Fernsehen immer drastischer ihren Ausdruck findet, wird auch Zodiac - Die Spur des Killers nicht beenden. Er hält nur den Finger drauf. |