Michael Bay (Regie) und Steven Spieberg machen aus dem Hasbro-Spielzeugen Transformers einen intergalaktischen Krieg ohne Verstand. Die Erde wird zum Spielball zweier sich bekämpfender Roboterkulturen. Die Decepticons und die Autobots suchen einen auf die Erde gefallenen geheimnisvollen Würfel, der ihnen einen entscheidenden Kriegsvorteil bringen soll. Vom Kinderspielzeug zum effektreichen Blockbuster für Militärfetischisten - Hollywood macht's möglich! Und Eltern stehen fassungslos vor den Scherben einer gewaltfreien Erziehung.
In den frühen 80er Jahren brachte der japanische Spielzeughersteller HASBRO seine Transformers auf den Markt. Die Roboter, die sich flugs in Autos und Flugzeuge umbauen lassen, wurden ein Riesenverkaufserfolg. Bald gab es dazu passend jede Menge Merchandise, eine Zeichentrickserie und einen wenig überzeugenden Kinofilm. Warum Steven Spielberg und Michael Bay sich der dünnen Hintergrundsstory angenommen haben, um daraus einen effektbeladenen, actionreichen und teuren Blockbuster herzustellen, ist nach 20 Jahren Spielzeug-Erfolg nicht wirklich die Frage, denn der japanische Konzern fungiert wie zufällig als Co-Produktionsfirma. Da konnte man sich ein Budget von $147 Mio. schon leisten. Dennoch dürfte sich das Ansinnen der Macher, den weltweiten Kinosommer zu dominieren, selbst durch den Start am lukrativen 4. Juli-Wochenende schwierig werden. Dabei haben Bay, Spielberg keine Kosten und Mühen gescheut (siehe Budget) und fast ganz ILM für ihr Projekt in Anspruch genommen.
So landen die Zuschauer gleich zu Beginn in der Wüste von Qatar, wo US-Infanteristen in ihrem idyllischen Militärcamp gerade Verbrüderung mit den Arabern feiern, nur um urplötzlich von einem fiesen Huschrauber, der sich zum Roboter umfunktioniert, angegriffen zu werden. Einige Zeit später regnen über den USA unbemerkt einige Maschinen vom Himmel, um sich fortan als Fahrzeuge durchs Land zu bewegen. Warum Transformer Bumblebee sich als gelber Camaro ausgerechnet dem reichen Schulnerd Spike (Shia LeBeouf) beim Gebrauchtwagenhändler aufdrängt, bleibt ebenso rätselhaft wie Spikes Erfolg bei Schönheit Mikaela (Megan Fox). Aber das ist ebenso unwichtig wie die Frage, warum ein kleines Wüsten-Squad unter Commander Lennox (Josh Duhamel) plötzlich durch die ganze USA marschiert.
Interessanter sind mehr die aufgefangenen Signale der verschiedenen Transformer, den guten Autobots und den bösen Decepticons, die das Land nach einem abgestürzten Cube durchforschen. Dieser soll der jeweiligen Seite die notwendige Macht verleihen, um den intergalaktischen Krieg zwischen den Roboterrassen für sich zu entscheiden. Geheimdienst-Analystin Maggie (Rachel Taylor) und Hacker Glen (Anthony Anderson) gelingt die entscheidende Entschlüsselung. Doch da überrollt schon eine Welle der Zerstörung das Land, die Decepticons und die Autobots zerlegen eine ganze Innenstadt.
Während Spike und Megan vom übereifrigen Agenten Simmons (John Turturro) zu Maggie, Glen und Geheimprojektleiter Keller (Jon Voight) ins Geheimlabor unter dem Hooverdamm "gebracht" werden, versuchen Lennox und sein Team (u.a. Tyrese Gibson) den Autobots gegen die Decepticons beizustehen. Keller hat für die "Freiheitskämpfer" eine faustdicke Überraschung. In der Geheimanlage befindet sich nicht nur der mächtige Cube sondern auch der cryonisch betäubte Anführer der Decepticons - der mächtige Megatron. Aber nicht mehr lange...
Die meiste Zeit der zweieinhalbstündigen Unterhaltung kracht und rummst es, denn eine vollgeladene Special Effects-Maschinerie sorgt dafür, dass ganze Städtviertel und Landschaften platt gemacht, Autos und andere Fahrzeuge erfolgreich zermatscht und durch die Luft geworfen werden. Kurz, die Zerstörung ist einfach maximal und verblüffend. Dazwischen versucht sich Michael Bay als Kriegsfilmer, Familien- und College-Komödien-Macher. Letztere Elemente bilden mit ihrer naiven Ansammlung von Gags und Stereotypen noch den unterhaltsamsten Teil des Spektakels, das sich erdreistet, offenkundigen Militarismus als Kinderunterhaltung zu verkaufen.
Wenn Sam mit Papa Sparkplug Witwicky (Kevin Dunn) ein Auto kaufen geht, erinnert das stark an Herbie Fully Loaded und das nicht nur, weil ein Käfer (der eien Anspielung auf Bumblebees Original ist) direkt nebendran steht. Kevin Dunn brilliert als pädagogischer Vater, während Turturro als abgedrehter Men in Black eine hysterische Karikatur vorlegt. Gemeinsam mit dem unterbeschäftigten Anthony Anderson bilden diese Nebendarsteller eine kleine Gruppe interessanter Figuren, die allerdings zu nicht mehr als ein paar Auflockerungseinheiten zwischen den Destruktionsexzessen gebraucht werden. Ebenso bleiben die beiden Schönheiten Fox und Taylor sowie die männlichen Attraktionen Duhamel und Gibson auf Blickfänge reduziert, während Hauptdarsteller LeBeouf als "integrierende Einheit" vorgesehen ist. Er lebt den Traum aller Transformers-Fans (Roboter und Chicks).
Die eigentlichen Stars des Films, besagte Blechköpfe, wurden mit viel CGI-Aufwand kreiiert und werden im Film mit ebenso viel Aufwand beschossen, malträtiert und transformt. Dummerweise wenden sich ihre "Charaktere" an das ursprüngliche Zielpublikum: Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Das bedeutet, dass die militärisch agierenden Blechtrottel bei den älteren Zuschauern unangenehme Erinnerungen an peinliche Machwerke wie Nummer 5 lebt und Small Soldiers hervorrufen, während die sonstige Militär-Action und die allgemeinen Destruktionen sofort mit Black Hawk Down und Konsorten assoziiert werden. Und das ist definitiv keine Empfehlung für eine Kinder- und Familienunterhaltung.
Krieg, Propaganda und die Glorifizierung von Militarismus sind Trumpf in Transformers, weshalb im Abspann folgerichtig so ziemlich jeder US-Militärorganisation für die Unterstützung gedankt wird. Eltern sollten sich ernsthaft fragen, ob man seine Kinder einen solchen Film antun kann.