Was Sylvester Stallone als Drehbuchautor und Hauptdarsteller in diesem Film geleistet hat, ist einfach nur als großartig zu bezeichnen. So ist seine Darbietung der titelgebende Figur nicht nur die beste Leistung seiner Karriere, auch sein realistisches und ergreifendes Drehbuch um seine tollen Charaktere und den ehrlichen Dialogen machen Rocky nicht umsonst zu einer der besten Milieustudien aller Zeiten.
Trotz der vielen Auszeichnungen (darunter 3 Oscars und weitere 7 Nominierungen) wird die Rocky-Reihe oft eher belächelt als beachtet. Dies ist, wenn man einige der Sequels betrachtet sicherlich nicht unberechtigt, jedoch im Bezug auf den ersten Teil der Reihe absolut unverdient, denn Rocky hat deutlich mehr zu bieten als die meisten Filme seines Genres.
Der Italiener Rocky Balboa schlägt sich mit Ach und Krach durchs Leben. Um sich sein spärliches Zuhause finanzieren zu können muss er für einen Kleinganoven die Drecksarbeit erledigen und auf die Siegprämie einiger Amateurboxkämpfe hoffen. Einziger Lichtblick für ihn: sein Schwarm Adrian, die Schwester seines egozentrischen Freundes Paulie. Doch das Schicksal bietet ihm eine unglaubliche Chance, als der Boxchampion Apollo Creed einem Amateur die Möglichkeit auf den Titel geben will und die Wahl aufgrund seines melodischen Spitznamens The Italian Stallion auf Rocky fällt.
Die Geschichte klingt einfach, hat jedoch viel mehr zu bieten als man auf den ersten Blick meint. So ist Rocky zu keinem Zeitpunkt ein typischer Sportfilm, sondern eher eine Milieustudie, die bis auf ein paar Ausnahmen nur wenig Boxszenen zu bieten hat. Vielmehr wird das Augenmerk auf die Charaktere und deren Verhalten gelegt, welches aufgrund der realistischen und großartig geschriebenen Dialoge von Sylvester Stallone mehr als nur überzeugen kann und den Drehbuchoscar sichtlich verdient hätte; alleine schon aufgrund der Tatsache den Film so enden zu lassen, dass die Geschichte zum Ende hin nicht in ein 08/15-Fahrwasser läuft.
Des Weiteren überzeugt Rocky durch seine unglaubliche Atmosphäre. Die Slums in denen unser Titelheld lebt sind großartig eingefangen. Das Ganze wird untermalt von einem unglaublichen Score Bill Contis', welchen man auch Tage nach Sichtung des Filmes im Ohr hat, sowie einigen Magic Moments, wie die oft kopierte Trainingssequenz, an die sich auch heute sicherlich noch jeder erinnern kann.
Nicht nur in Sachen Drehbuch hat Sylvester Stallone ganze Arbeit geleistet, auch sein Spiel ist phänomenal (zumindest in der englischen Originalversion). Wie er seine eigene Figur interpretiert, er sie spricht, er sich bewegt ist einfach nur als eine perfekte Darbietung anzusehen. Da fallen die, mit Ausnahme von Carl Weathers, überzeugenden Nebendarsteller um Burgess Meredith, Talia Shire und Burt Young ein ganzes Stück ab.
Wer nur die Sequels kennt, sollte nicht den Fehler begehen und alle Rocky-Filme über einen Kamm scheren, denn das Original gehört definitiv zu den besten Filmen seines Genres und hat sicher nicht unverdient den Oscar für den besten Film vor namhaften Kandidaten wie All the Presidents Men, Network und Taxi Driver gewonnen.