Rocky is back und erneut kann Stallones Baby größtenteils überzeugen, denn auch wenn erste Schwächen erkennbar sind, werden diese von dem tollen Drehbuch und dessen realistischen Charakteren, den ehrlichen Dialogen, sowie dem großartigen Spiel der kompletten Darstellerriege schnell in den Hintergrund gedrängt.
Ain't gonna be no rematch. - Don't want one. Mit den diesen Worten hätte alles gesagt sein und dem Zuschauer weitere Fortsetzungen erspart bleiben können. Doch wenn ein Film mit dem Budget von etwas über einer Million, 225 Millionen an den Kinokassen umsetzt und den Oscar für den besten Film einsackt, ist eine Fortsetzung natürlich unvermeidlich gewesen.
Nach seiner knappen Niederlage gegen Weltmeister Apollo Creed hängt Rocky Balboa die Handschuhe an den Nagel, nicht nur aufgrund der Tatsache am Höhepunkt seiner Karriere zu sein, sondern weil ihn eine Augenverletzung zu schaffen macht, die bei einem weiteren Kampf zu Erblindung führen kann. Als jedoch unser Titelheld mit dem Leben nach dem großen Fight nicht wirklich zurecht kommt und der von den Boxfans nun belächelte Creed sein Image mit einem Rückkampf wiederherstellen will, muss sich Rocky vor die Entscheidung stellen wieder in den Ring zu steigen.
Zugegeben: Eine Fortsetzung wäre nicht wirklich notwendig gewesen, aber immerhin hat Drehbuchautor Sylvester Stallone auch hier Vieles im Griff. Er macht nahtlos weiter und zeigt erneut eine Milieustudie über einen Mann, dem nach seinem plötzlichen Ruhm das Leben immer mehr aus dem Ruder gerät. Diese überzeugende Geschichte garniert er erneut mit überzeugenden, ehrlichen Dialogen (hervorzuheben sein Heiratsantrag an Adrian), die zwar nie ganz die Klasse seines Vorgängers haben, aber dennoch voll ins Schwarze treffen.
Bei Rocky II hatte Sylvester Stallone komplett freie Hand und übernahm nun auch die Regie. Dies stellt sich nicht wirklich als Schwäche heraus, da sein Drehbuch über alles erhaben ist und er sich bei der Inszenierung nah an seinen Vorgänger hält. Allerdings zeigt der Film leider beim finalen Kampf schon erste Anzeichen in Sachen Genrewechsel zum Actionfilmchen, so ist dieser zwar spannend in Szene gesetzt, wirkt jedoch so konstruiert und unrealistisch, dass man ihn nicht mehr ernst nehmen kann, was bei der realistischen Intention des Drehbuchs schon ärgerlich aufstößt.
Die Darstellerleistungen sind, wie schon beim Vorgänger, über jegliche Kritik erhaben: Stallone spielt die Rolle seines Lebens und kann, nicht nur dank des tollen Charakters Rocky, einmal mehr sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Neben dem gewohnt guten Leistungen von Burgees Meredith und Burt Young gefällt nun auch Carl Weathers Interpretation Apollo Creeds, die im ersten Teil noch ein wenig zu wünschen übrig ließ.
Sicherlich ist Rocky II eine Fortsetzung die die Welt nicht nötig gehabt hätte, aber da sich der Film auf den Wurzeln des Originals befindet, die Intention stimmt und sich die komplette Crew erneut in Höchstform ist, kann man gerne über den unrealistischen Kampf hinwegsehen, welcher leider zum letzten Mal nur Beiwerk eines überzeugenden Dramas war.