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Nach Leonard Kastles schwarz-weißer Pulp-Version The Honeymoon Killers und dem kaltschnäuzigen Deep Crimson des Mexikaners Arturo Ripstein inszenierte der US-Autor und -Regisseur Todd Robinson die Story der wahren Lonely-Hearts-Killer, die in den 40ern rund zwanzig Menschen ermordeten, diesmal als Neo-Noir-Thriller, in dem Salma Hayek als Femme Fatale gleichermaßen Hüften und Axt schwingt.
"Vom Augenblick ihres Kennenlernens an ging es um Mord", lautete der Werbeslogan zu Billy Wilders Film-Noir-Klassiker Frau ohne Gewissen. Das Gleiche ließe sich auch über das Zusammentreffen von Ray Fernandez (Jared Leto) und Martha Beck (Salma Hayek) sagen. Jeder für sich schon kein Vorzeigebürger, verschmelzen der toupierte Kleinkriminelle und die soziopathische Schönheit gemeinsam zu einer todbringenden Mischung. Das Paar, das als Bruder und Schwester getarnt über Bekanntschaftsanzeigen wohlhabende Frauen kennen lernte, die anschließend von Fernandez verführt, von beiden ausgenommen und - in Robinsons Film - überwiegend auf Drängen einer eifersüchtigen Beck umgebracht wurden, landete für seine Taten auf dem elektrischen Stuhl. Wobei die Hinrichtung der realen Martha Beck angeblich verschoben werden musste, da diese aufgrund ihres starken Übergewichts nicht in den Stuhl passte.
Während Kastle und Ripstein Becks Fettleibigkeit nutzten, um eine groteske oder tragische Wirkung zu erzielen, hat Robinson mit der Besetzung der verführerischen Salma Hayek eine andere Richtung eingeschlagen. Sie ist die unabhängige, sexuell fordernde Frau, die den Ton angibt und einen schwächlichen Partner mit ihrem Aussehen dort hinbringt, wo sie ihn haben will: unter ihr Kommando. Dabei wackelt sie derart demonstrativ mit dem Hintern und ist so plakativ in ihrer gestörten Skrupellosigkeit, dass ihr Spiel einer Femme-Fatale-Parodie gleicht. Es kennt keine Zwischentöne und Nuancen, ist dabei aber amüsant anzusehen und stielt sämtlichen Männern die Show. Hayek wirkt wie eine exzentrische, unberechenbare Serienkiller-Domina, die sich in einem Augenblick voller Inbrunst ein Kind wünscht, das einen "nie verlässt" und im nächsten eine Schwangere tötet, ohne mit der Wimper zu zucken.
Introvertierter und wesentlich wohl genährter sind dagegen John Travolta und James Gandolfini (Die Sopranos) als ermittelnde Cops. Travolta stellt eine Variante des Film-Noir-Archetypen dar - den seelisch zerrissenen Einzelgänger von moralischer Fragwürdigkeit, den einsamen Wolf mit nihilistischer Weltsicht, der mit Verbissenheit gegen das Böse und Verdorbene kämpft, obwohl er längst am Guten zweifelt. Nur ist er bei weitem kein Humphrey Bogart, der als Sam Spade in Die Spur des Falken und als Phil Marlowe in Tote schlafen fest zum Inbegriff des (Anti)helden der schwarzen Serie wurde und über den Raymond Chandler einmal sagte: "Er muss nur auf der Szene auftauchen, um sie zu beherrschen." Travolta beherrscht weniger die Szenen als sich selber. Und das so stark, dass man häufig das Gefühl hat, hinter den zusammengekniffenen Augen, die wohl konzentriertes Nachdenken signalisieren sollen, geht überhaupt nichts vor sich außer absolutem Stillstand. Travolta als in sich gekehrter Grübler? Eher nicht.
Der von ihm verkörperte Cop Elmer C. Robinson war der Großvater des Autors und Regisseurs Todd Robinson und tatsächlich an der Festnahme von Fernandez und Beck beteiligt. Es erklärt, warum der Enkel seinem teils tragischen, teils belanglosen, im Großen und Ganzen wenig interessanten Privatleben soviel Platz in der Nebenhandlung eingeräumt hat, dass der Erzählrhythmus darunter leidet, immer wieder unterbrochen und verlangsamt wird. Die akkuraten Szenenbilder und Kostüme vermitteln ein stimmungsvolles Bild der 40er Jahre, als Thriller ist Lonely Hearts Killers aber zu überraschungs- und spannungsarm, um durchgehend zu fesseln - mit einem Ende, das dem Genre gänzlich widerspricht. |