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Vier Minuten

(Vier Minuten, 2006)

Dt.Start: 01. Februar 2007
DVD: 28. September 2007
Premiere: 23. Juni 2006 (Festival, China)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 112 min Land: Deutschland
Darsteller: Monica Bleibtreu (Traude Krüger), Hannah Herzsprung (Jenny von Loeben), Sven Pippig (Mütze), Richy Müller (Kowalski), Jasmin Tabatabai (Ayse), Stefan Kurt (Direktor Meyerbeer), Vadim Glowna (Gerhard von Loeben), Nadja Uhl (Nadine Hoffmann), Peter Davor (Journalist), Edita Malovcic (Traude), Kathrin Kestler (Hannah), Christian Koerner (SS-Obersturmbannführer), Amber Bongard (Clara Mütze), Dietrich Hollinderbäumer (Pater Vincens), Dieter Moor (TV-Moderator)
Regie: Chris Kraus
Drehbuch: Chris Kraus


Inhalt

Die Lehrerin Traude Krüger gibt seit Jahrzehnten Klavierunterricht in einem Frauengefängnis. Für die unbequeme alte Frau, die ein Geheimnis verbirgt und Menschen lieber auf Abstand hält, ist die Musik der einzige Lebensinhalt. Die Begegnung mit der aggressiven und selbstzerstörerischen jungen Insassin Jenny weckt ihren Ehrgeiz. Früher ein musikalisches Wunderkind, hat diese ihr Talent bewusst verkümmern lassen und entlädt ihre Energie statt dessen im Destruktiven. Die beiden gehen widerwillig eine Zusammenarbeit ein, die zum emotionalen Tauziehen wird, mit dem Ziel, an einem Wettbewerb außerhalb der Anstaltsmauern teilzunehmen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Vier Minuten hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Birte Lüdeking
Vier Minuten hat eine Wertung von 65%
Mit seinem zweiten Kinofilm nach Scherbentanz bekräftigt Autor und Regisseur Chris Kraus seine Vorliebe für das Düstere und Depressive. In dem hervorragend besetzten Gefängnisdrama tragen eine junge und eine alte Frau, die sich durch die Musik gegenseitig Respekt und Rebellion lehren, zentnerschwere Pakete auf den Seelen, die dem Zuschauer eine große Belastungstoleranz abverlangen.

Bild aus Vier Minuten Vier Minuten eröffnet mit dem Bild einer Frau, die sich in einer Gefängniszelle erhängt hat. Ihre Zimmergenossin, die junge Jenny, wacht auf, entdeckt die Leiche und zündet sich erst mal in aller Ruhe eine Zigarette an. Die Szene ist der stimmige Auftakt für einen Film, in dem tiefsitzende Traumata und verdrängter Schmerz den Ton angeben. Es wird nicht die einzige Tote bleiben und dazu gesellen sich Verzweiflung, Verrat, Missbrauch, Mord... Das alles an einem kargen, bedrückenden Ort, an dem seit Ewigkeiten die Zeit still zu stehen scheint und der vergessen lässt, dass draußen das Jahr 2006 ist, wo noch Farben außer Grau und Braun existieren.

Die Musik bedeutet hier Freiheit und Selbstbestimmung auf eng begrenztem Raum, in einer eingezäunten Welt voller Kontrolle und Zwänge. Die unzugängliche Lehrerin (Monica Bleibtreu) und ihre aufsässige Schülerin (Hannah Herzsprung) gehen erst nur eine Zweckgemeinschaft ein und weigern sich, die Andere nicht allein als Mittel zum Zweck, sondern als Person mit Schwächen und Gefühlen wahr- und anzunehmen, bis sie eher unfreiwillig eine Bindung aufbauen, die über das Klavierspiel hinausgeht und sich schließlich sogar beeinflussen und ergänzen: Die disziplinierte, preußisch erzogene Alte, die während des dritten Reichs durch unreflektierten Gehorsam Schuld auf sich geladen hat, lernt den Ungehorsam, die wilde und respektlose Junge Achtung vor sich und ihrem Gegenüber.

Das Drehbuch von Chris Kraus kann diese Entwicklung nicht immer fließend vermitteln. Sie erscheint manchmal zu abrupt und ergibt sich nicht logisch aus dem Vorherigen. Und dass man mit Menschen konfrontiert wird, die extrem verschlossen sind und lange ihr Innenleben deckeln, macht es nicht leichter, mit ihnen zu fühlen oder zu verstehen, was sie antreibt. Besonders Monica Bleibtreus Lehrerin, die Jazz als "Negermusik" bezeichnet und auch sonst kaum Sympathien weckt, berührt einen weniger, als es das Script beabsichtigt. Die Motive für ihre teils fragwürdigen Ansichten und Handlungen bleiben zu unklar. Wirklich auftauen wird sie erst ganz zum Schluss.

Wie bereits in seinem Debüt Scherbentanz feuert Kraus tragische Schicksalsschläge in solch geballter Ladung ab, dass sie einen fast kalt oder abstumpfen lassen: Jenny wurde von ihrem Adoptivvater missbraucht, von ihrem Freund verraten, hat ihr Kind verloren und sitzt wegen Mordes (möglicherweise unschuldig) im Gefängnis. Dass es die einzige Figur des Films ist, die einem trotzdem unter die Haut geht, liegt am mitreißenden, unmittelbaren Spiel der Newcomerin Hannah Herzsprung. Ihre Darstellung kippt zwischen abstoßend und anziehend, hart und weich, angriffslustig und versöhnlich. Im Gegensatz zu Handlungsverlauf und Auflösung (die unpassend in Hollywood-Manier ausfällt) sind ihre emotionalen Ausbrüche und Rückzüge in keiner Minute vorhersehbar und deshalb umso ergreifender.



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