Beyoncé Knowles singt. Jamie Foxx und Eddie Murphy auch. Die einen schlechter, die anderen besser. Aber alle in allen Stimmlagen, die die schwarze Musik zwischen 1960 und 1980 zu bieten hatte. Recht viel mehr kommt bei dem ersten Filmversuch des Ex-Destiny's Child Sternchen Knowles auch nicht heraus. Soul-Liebhaber wird's freuen - den Rest des Kinopublikums weniger.
Schon die Geschichte könnte aus der Biografie jeder hastig zusammen gecasteten Retorten Girlsgroup stammen. Drei Möchtergernsängerinnen (Beyoncé Knowles, Anika Noni Rose, Jennifer Hudson) versuchen den Sprung auf die Sangesbretter, die die Welt bedeuten. Unterstützt werden sie dabei von einem zwielichtigen Manager (Jamie Foxx). Der denkt eigentlich nur an seinen eigenen Gewinn, schafft es aber mit viel Sexappeal und eindeutigen Argumenten immer wieder, die Mädchen um den Finger zu wickeln. Was sich anhört, wie die Lebensgeschichte der letzten Popsternchen Gruppe hat in der Tat Wurzeln in der Realität. Die "Dreamettes", die aus den drei Hauptactricen in Dreamgirls bestehen sind beinahe die Supremes, Chefstimmchen Beyonce Knowles erinnert verdächtig an Diana Ross und Jamie Foxx zeigt (stark romantisiert), wie es vielleicht wirklich in den Hallen des erwürdigen Motown Labels zugegangen ist. Wichtig dabei ist das "vielleicht", denn Dreamgirls will ja ein Musicalfilm sein und keine Biografie.
Bei soviel Funk in der Geschichte und Besetzung dürfen dann natürlich auch nicht die obligatorischen Gesangseinlagen fehlen. Bei Dreamgirls sind das dann auch so viel, dass so manches ehrwürdiges Webber Musical vor Neid erblasst und sich selbst dem härtesten RnB Fan irgendwann die Nackenhaare aufstellen. RnB und Funk Nummern wechseln sich im Minutentakt mit souligen Stücken ab und jeder Gefühlsausbruch der Chefdiven wird mit einer kleinen Arie untermalt. Qualitativ steht dabei überraschenderweise Eddie Murphy an der Spitze der Sängerriege, der als abgehalfterter Funkstar James "Thunder" Early seine Mitspieler schlichtweg an die Wand rockt. Bezeichnend dabei ist, dass die spritzigen und wirklich gut gemachten Nummern von Murphy und der Ausnahmesängerin Jennifer Hudson spätestens nach der Hälfte einer bombastischen Musikorgie nach der anderen weichen. Filmisch und musikalisch befinden sich die Dreamgirls jetzt in den Siebzigern - und schnell wird klar, warum diese Zeit nicht gerade als die Sternstunde schwarzer Musik gilt. Zu weich gewaschen sind die Songs, zu sehr beginnt sich die Story in die Länge zu ziehen.
Musicals auf Zelluloid müssen nicht unbedingt schlecht sein. Das haben Produktionen wie The Producers oder Das Phantom der Oper bewiesen. Bei Dreamgirls hat sich Regisseur Bill Condon dann aber doch etwas zu sehr auf die Musik und zu wenig auf die Story verlassen und von ersterem gibt es einfach viel zu viel.