Mit Letters from Iwo Jima präsentiert Clint Eastwood den zweiten Teil seines Kriegsdramas der Schlacht um die japanische Vulkaninsel. Erzählte Flags of Our Fathers den Angriff auf die japanische Insel aus amerikanischer Sicht, so liegt der Schwerpunkt nun auf der japanischen Sichtweise. Auch dieses Meisterwerk überzeugt durch brillante Kamera sowie die Kraftlosigkeit der Farben und ist in seiner Darstellung des Krieges noch eine Spur drastischer.
Vor 62 Jahren trafen amerikanische und japanische Truppen auf Iwo Jima aufeinander. Jahrzehnte später findet man Hunderte von Briefen in der Erde unter dem Vulkanberg vergraben. Briefe von japanischen Soldaten, die unter der Führung von General Kuribayashi gekämpft haben und ihr Leben ließen. Die Briefe geben den Toten eine Stimme, ein Gesicht und machen das Grauen deutlich. Diese Stimme ist es, die durch den Film trägt.
Bei der Schlacht um die 21 Kilometer große "Schwefel-Insel" (Iwo Jima) kamen 1945 insgesamt 22.000 japanische und mehr als 6000 amerikanische Soldaten ums Leben. Die Kämpfe dauerten, anders als von den amerikanischen Streitkräften geplant, mehrere Wochen. Niemand hatte mit dem erbitterten Widerstand des Gegners gerechnet. Nachdem in Flags of Our Fathers die Stürmung und Einnahme der Insel aus Sicht der Amerikaner gezeigt wurde, steht nun die japanische Sichtweise im Vordergrund. Die Japaner hatten sich in Höhlen in den Vulkanberg zurückgezogen, um von dort ihre Angriffe starten zu können. Doch sie schufen sich damit ihr eigenes Grab, wurden gnadenlos ausgeräuchert oder bei der Flucht erschossen. Halt gibt ihnen in den Tiefen des Berges nur General Kuribayashi. Seiner strategischen Planung ist es zu verdanken, dass die Insel solange gehalten werden konnte. Er ist es aber auch, der durch seine äußerst menschlichen Züge den Soldaten Kraft gibt.
Eastwood bringt dem Zuschauer das Grauen spürbar Nahe und weicht auch nicht vor sehr drastischen Darstellungen zurück. In einer der schlimmsten Szenen begeht eine ganze Gruppe von Soldaten Selbstmord, in dem alle nacheinander eine Handgranate vor ihrer Brust zünden. Der Splattereffekt macht die Sinnlosigkeit des Krieges noch um einiges deutlicher. Untermalt wird die bedrückende Stimmung, wie bereits in Flags, von einer beeindruckenden kraftlosen Farbe der Bilder, die kein schwarz-weiß sind, aber stark danach anmuten. Beide Filme spielen am gleichen Ort und bieten teilweise fast identische Szenen. Sie ergänzen sich beide wunderbar, stellen dabei aber keine Fortsetzung des jeweils anderen dar, sondern sind in sich abgeschlossen.
Eastwood betonte auf der Berlinale, dass es sich bei beiden Filmen nicht um Antikriegsfilme handelt. Den Krieg, den gibt es einfach und dass, was er hier schildert, gehört der Vergangenheit an. Die Sinnlosigkeit eines Krieges indes wird immer präsent bleiben. Er weiß dies für den Zuschauer auf sehr eindringliche Art zu veranschaulichen.