Als Biografie ungenügend, als Komödie durchaus gelungen. Natürlich gibt es, wie erwartet, viel nackte Haut in Das wilde Leben zu sehen. Wer aber denkt, der Film sei eine Lobhuldigung an die Zeit der Studentenrevolte und man bekomme tiefe Einblicke in Uschi Obermaiers Seelenleben, der irrt sich. Der Streifen setzt seinen Schwerpunkt mehr auf die Unterhaltung, als auf eine realitätsgetreue Nacherzählung der wahren Ereignisse.
Uschi Obermaier wurde zur Ikone einer Bewegung, der sie eigentlich nie wirklich angehörte. Sie war weder politisch interessiert, noch wollte sie die Gesellschaft verändern. Ihr Ziel war es immer "etwas zu erleben". Und dennoch war sie es, die mit ihrem guten Aussehen und ihrem freizügigen Auftreten die Titelseiten der Zeitungen und Magazine füllte. Das wilde Leben zeigt nun, wie es dazu kam und zeichnet ein Bild von einer Frau, die immer das bekam und das tat, was sie gerade wollte. Wohl der Hauptgrund, warum viele derart fasziniert von ihr waren.
Als "frei erzählt nach einer wahren Geschichte" beschreibt sich der Film selbst. Was heißen soll, dass zwar die Eckdaten aus dem Leben von Uschi Obermaier eingearbeitet wurden, die einzelnen Szenen aber nicht immer dem entsprechen, was damals wirklich passiert ist. Aus Interviews mit Obermaier und Langhans lässt sich heraushören, dass Film und Realität ab und an stark auseinander gehen. Ohnehin sollte man Das wilde Leben nicht als ernste Biografie sehen, denn dazu wird die Geschichte viel zu holprig und oberflächlich erzählt. Wobei damals wahrscheinlich auch das Leben von Obermaier so war.
Der Film wirft einen nicht unironischen Blick auf die oft beschworene 68er Generation und gibt einen humorvollen Einblick in die berühmte Kommune 1 in Berlin. Da sind auf der einen Seite die Freidenker wie Rainer Langhans (der noch heute auf der Suche nach - ja nach was eigentlich - ist), auf der anderen Seite der "Luxus-Hippie" Obermaier, immer perfekt gekleidet und geschminkt. Allein dieser Kontrast ist für einige Lacher gut. Des Weiteren sieht man ihre Beziehung zu Keith Richards und Mick Jagger und ihre Weltreise mit der Kiezgröße Dieter Bockhorn. Ihr Abstecher in die Filmbranche wird nur kurz angeschnitten und ihre Begegnung mit Jimmy Hendrix bleibt gänzlich unerwähnt.
Mit der Besetzung von Natalia Avelon als Uschi Obermaier gelang den Machern des Films ein echter Glücksgriff. Denn nicht nur, dass sie sensationell aussieht und eine wirklich verblüffende Ähnlichkeit zu Obermaier besitzt, sie beherrscht auch noch zur Perfektion deren tiefen, münchnerischen Tonfall - bzw. hat ihn erlernt. Und das, obwohl sie in Polen geboren wurde und in Baden-Württemberg aufgewachsen ist. An ihrer Seite glänzen Matthias Schweighöfer als Rainer Langhans und David Scheller als Dieter Bockhorn.
Sicherlich lässt sich der Film auch kritisch betrachten. Es fehlt eine klare Erzählstruktur, die wahren Ereignisse werden verzerrt dargestellt und die zweite Hälfte des Films verliert deutlich an Fahrt und Qualität. Ab dem Moment, wo Obermaier und Bockhorn ihre Weltreise starten, erhält die Geschichte einen Knick und es gelang Regisseur Achim Bornhak nicht den ernsten Teil der Story glaubwürdig umzusetzen. Dennoch muss man sagen, dass Das wilde Leben als Unterhaltungsfilm über weite Strecken gut funktioniert und dank bissigem Humor und entwaffnenden Sprüchen wirklich Spaß macht. Sehenswert ist dieser Streifen also allemal, auch oder gerade für diejenigen, die die "wilde Zeit" der 60er-Jahre nicht miterlebt haben und nicht allzu viel vom Hippietum halten.