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Der zu Recht mit dem Oscar geehrte Forest Whitaker (The Crying Game) verleiht dem ugandischen Diktator Idi Amin eine komplexe Menschlichkeit, die dessen unfassbaren Gräueltaten greifbar macht. In dem politischen Thriller des schottischen Dokumentarfilmers Kevin Macdonald - einem Mix aus Fakten und Fiktion - ist sein Amin kein eindimensionales, stereotypes Monster, sondern ebenso liebenswürdig und zugänglich wie paranoid und grausam - und darum in seiner Präsenz umso eindringlicher und erschreckender.
Bereits Macdonalds letzter Film über den Überlebenskampf eines Bergsteigers, Sturz ins Leere, und sein Oscar-prämierter Ein Tag im September, der die Geiselnahme israelischer Sportler während der Olympischen Spiele in München thematisierte, sind in der Art ihrer Inszenierung und der Weise, wie sie Spannung aufbauen, im Grunde als Dokumentationen kostümierte Thriller. Seine Adaption des 1998 veröffentlichten und vielfach ausgezeichneten Romans von Giles Foden verbindet nun den realen Terror Idi Amins mit der fiktiven Figur eines jungen Arztes und lässt die beiden eine Wahlverwandtschaft in Form einer Vater-Sohn-Beziehung eingehen, in der Nicholas Garrigan (James McAvoy) zunächst die Aufmerksamkeit und den Respekt erhält und genießt, die ihm sein biologischer, anspruchsvoller und nie zufrieden zu stellender Vater verwährt. Nachdem die "Flitterwochen" vorbei sind, muss Garrigan jedoch seine Scheuklappen ablegen und erkennen, dass er sich mit dem Teufel ins Bett gelegt und bereits einen Teil seiner Seele verkauft hat.
Idi Amins Schreckensherrschaft reichte von 1971 bis 1979. Der ehemalige Boxer und Soldat, der sich aus ärmsten Verhältnissen nach oben gekämpft hatte (später zehn Sprachen beherrschte) und wohl auch deshalb den Rückenwind der Bevölkerung gewinnen konnte, entpuppte sich schon bald nach seinem Putsch gegen den korrupten und pro-kommunistischen Milton Obote als extremer, unberechenbarer Nationalist. Unter anderem verwies er 50.000 Asiaten des Landes und war für Umstände verantwortlich, die Hunderttausende Ugander die Freiheit oder das Leben kosteten. Als er um seine Macht fürchten musste, steigerte er sich in einen ausufernden Verfolgungswahn hinein, ließ tatsächliche oder vermutete Gegner rücksichtslos foltern und ermorden. Er starb 2003 im Exil in Saudi Arabien an Nierenversagen, nachdem Obote 1980 wieder die Regierung übernommen hatte.
Forest Whitakers differenzierte und charismatische Darstellung macht begreifbar, wie Amin die eigene Nation und bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch ausländische Regierungen und die Weltöffentlichkeit um den Finger wickeln konnte. Stellvertretend für deren Verführbar- und Ahnungslosigkeit wird die Figur des jungen Arztes mit kumpelhaftem Teddybär-Charme und clownesker Albernheit umgarnt, dazu ein breites Grinsen und schmeichelnde Worte, die stets genau das ausdrücken, was der Andere gerade hören muss, um gefügig zu bleiben. Seine Impulsivität macht ihn gleichermaßen mitreißend und gefährlich. "You're like a child. That's what makes you so scary", wird die Marionette Garrigan zu ihrem Puppenspieler sagen, als dieser die Fäden durchtrennt und sein zweites, erbarmungsloses Gesicht zeigt - in einer Folterszene, die dem Zuschauer viel abverlangt, aber gerechtfertigt sein mag, indem sie schmerzlich abbildet, was Leben in einer Diktatur bedeuten kann.
Bis es soweit ist, spielt das Drehbuch die Karte des naiven Ausländers und Jugendlichen, der in erster Linie Spaß haben will, nebenbei die (afrikanische) Welt verbessern möchte und das Geschehen um ihn herum bis zu einem Ausmaß ignoriert, das teils an kaum nachvollziehbarer Gleichgültigkeit grenzt, allerdings etwas zu lange aus. Mit seinem überstrapazierten Egoismus und der wachsenden Mitschuld fungiert Garrigan nicht durchgehend als Sympathieträger und im Verlauf der Handlung auch immer weniger als mögliche Identifikationsfigur. Trotzdem überzeugt und fesselt Der Letzte König von Schottland) nicht nur aufgrund eines grandiosen Forest Whitaker, sondern auch mit seiner Fähigkeit, die Schönheit und den Schrecken Afrikas in Bilder einzufangen und nahe zu bringen, die in dieser spürbaren, vibrierenden Unmittelbarkeit zum letzten Mal in Fernando Meirelles Der Ewige Gärtner zu sehen waren. Es sind die Blicke und Perspektiven eines Außenstehenden, nicht eines Einheimischen, der aber versteht, was er vor sich hat und vermitteln kann, was es zu entdecken und zu erzählen gibt. |