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Phil Morrison beobachtet in der Tragikomödie Junebug die Zerrissenheit der Amerikaner. Eine kosmopolite Galeristin trifft auf die schrullige Südstaatenfamilie ihres Mannes und scheitert an der Beschränktheit der Familienwerte. Embeth Davidtz und Alessandro Nivola überzeugen in einem stillen wie sperrigen Werk, das sich einem europäischen Publikum nicht freiwillig öffnet.
Das Leben könnte für die frisch verheiratete Galeristin Madeleine (Embeth Davidtz) nicht schöner sein. Sie ist unterwegs nach North Carolina, um einen scheuen und zurückgezogenen Maler (Frank Hoyt Taylor) für ihre New Yorker Firma unter Vertrag zu nehmen. Bei der Gelegenheit will sie die Familie ihres Mannes George (Alessandro Nivola) kennenlernen, der davon allerdings nicht so begeistert ist.
George kehrt als "verlorener Sohn" zu den Eugene und Peg (Scott Wilson, Celia Weston) zurück. Während Georges Bruder (Benjamin McKenzie) der neuen Schwägerin und auch jedem anderen mit beleidigter Abneigung gegenübertritt, freut sich dessen hochschwangere Frau Ashley (Amy Adams) wie ein Kleinkind über die unverhoffte "Schwester". Beständig quasselnd und wild träumend, sieht sie das Leben durch eine rosarote Brille. Doch insgesamt erweist sich die Familie als bemerkenswert konservativ und einfach gestrickt. Madeleines offene und tolerante Art wird als aufdringlich verstanden.
Egal wie viel Verständnis Madeleine aufbringt, sie kann die Barriere zwischen ihr und Georges Familie nicht überbrücken, auch weil George sich plötzlich anders verhält. Just als sie endlich die Unterschrift von Maler Wark erhält, kommt es zur Krise. Ashley muss zur Geburt ins Krankenhaus. Statt Freude über das gelungene Geschäft gibt es Vorwürfe, weil sie nicht mit der Familie leidet, denn es gibt Komplikationen...
Das leise Drama Junebug von Phil Morrison erzählt vom Scheitern eines sozialen Miteinanders. Der Zusammenprall von liberaler Städterin mit erzkonservativen Kleinbürgern auf dem Lande im Umfeld komplizierter und umständlicher gesellschaftlichen Konventionen zerstört das mediale Bild eines heilen Amerikas, das groß, stark und integrativ sein will. Wenn sich Madeleine und Georges Familie am Ende kaum mehr auf Basiswerte eines Zusammenlebens verständigen können und sich die Trennungslinie auf eine "Blut ist dicker als Wasser"-Ideologie zurückzieht, zerbricht auch die Vorstellung eines Multikulti-Staates USA.
Morrison und Autor Angus MacLachlan zeichnen das Bild einer Familie, die vor Ängsten und Bitterkeiten ganz starr ist und beständig der Zerreißprobe zwischen Sehnsüchten und Konventionen unterworfen wird. Junebug blickt auf ein kompliziertes und für Europäer nicht immer leicht zugängliches Gefüge. Zwar lockern feiner Humor und exzellente Dialoge die tragikomische Handlung immer wieder auf. Trotzdem bleibt Junebug bis zum Schluss immer etwas widerspenstig und sperrig.
Morrison überlässt es den Zuschauern, selbst Schlüsse aus dem Erzählten zu ziehen. In dem er über keiner der Figuren den Stab bricht, weckt er auch für alle Sympathie. Das macht die Tragikomödie zu einem sehenswerten Kleinod des amerikanischen Kinos, das es sogar zu einer Oscarnomminierung für Amy Adams gebracht hat. |