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Auch wenn er anders beworben wird, ein Thriller ist Philippe Liorets neuer Film Keine Sorge, mir geht's gut ganz und gar nicht. Vielmehr ein sensibles Drama um Familiengeheimnisse und eine junge Frau, die sich auf einmal ohne ihren wichtigsten Stütz- und Angelpunkt im Leben zu Recht finden muss. Ideal für Freunde leiser und melancholischer Filme. Nur sollte man vermeiden, dem emotionalen Gebilde zu sehr mit der Logiknadel zu kommen. Denn sonst geht Liorets Drama nämlich sprichwörtlich die Luft aus.
Irgendetwas stimmt mit den Eltern der jungen Lili (Melanie Laurent) nicht. Kaum ist die 19 jährige aus den Sommerferien zurückgekehrt, findet sie auch den Grund dafür heraus: Ihr über alles geliebter Zwillingsbruder ist verschwunden und hat ein tiefes Loch in das ehemalige Familienidyll gerissen. Während Vater und Mutter weiter so tun, als sei nichts Großes passiert, beginnt Lili schnell an Halt zu verlieren und verfällt in eine tiefe Depression. Anstatt aber ein großes Drama zu inszenieren setzt Philippe Lioret auf leise Töne.
Krampfhaft versucht Lili das Verschwinden ihres Bruders zu verarbeiten und wird dabei aber nur immer tiefer in ihre seelische Krise gerissen. Diese wird von Loriet auch in aller Deutlichkeit beleuchtet. Zwar wird die Suche nach Lilis Bruder immer wieder angesprochen und seine "Briefe aus der Ferne" geben Lili mehrmals den Funken Hoffnung, den sie braucht um weiterzuleben, im Mittelpunkt stehen sie aber nicht. Dort steht Lilis Kampf, nach ihrem Trauma wieder ein normales Leben führen zu können und ihr Versuch, sich damit abzufinden, dass ihr Bruder vielleicht nie wieder zu ihr zurückkommen wird.
Besonders zeichnet sich Mélanie Laurant aus, die die tief verstörte Lili wunderbar sensibel und ohne zu große Gefühlsausbrüche spielt. Aber auch Kad Merad und Isabelle Renauld zeigen als ihre überforderten Eltern, dass tiefe Emotionen auch (oder gerade dann) gut zur Geltung kommen, wenn die Schauspieler sich zurückhalten. Durch diese bewusste Zurückhaltung der Schauspieler und der Inszenierung schafft es der Film, den Zuschauer schnell mitzureißen. Verpackt ist das Ganze in ein sensibles Drehbuch, das auf viele aber subtile Emotionen und eine kleine Priese melancholischen Humor setzt. Keine Sorge, mir geht's gut wäre also der perfekte Film für alle Freunde leiser Töne - wenn sich nicht immer wieder der Verstand empört dazwischen schalten würde. Denn so schön-traurig Lioret seinen Film auch inszeniert hat, betrachtet man die Geschichte unter knallhart "logischen" Gesichtspunkten, bricht das emotionale Kartenhaus schnell in sich zusammen. Hinterfragen sollte man Keine Sorge, mir geht's gut also auf gar keinen Fall. Besser, sich ganz einfach mit einer Packung Taschentücher in den Kinosessel setzten und von Lilis trauriger Suche nach ihrem Bruder gefangen nehmen lassen. |