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Inland Empire

(Inland Empire, 2006)

Dt.Start: 26. April 2007
DVD: 07. November 2007
Premiere: 06. September 2006 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 180 min Land: USA, Polen, Frankreich
Darsteller: Laura Dern (Nikki Grace/Susan Blue), Jeremy Irons (Kingsley Stewart), Justin Theroux (Devon Berk/Billy Side), Harry Dean Stanton (Freddie Howard), Peter J. Lucas (Piotrek Krol), Jan Hencz (Janek), Krzysztof Majchrzak (Phantom), Diane Ladd (Marilyn Levens), Julia Ormond (Doris Side), Ian Abercrombie (Henry der Butler), Karen Baird (Servant), Bellina Logan (Linda), Amanda Foreman (Tracy)
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch


Inhalt

Die einst bekannte Schauspielerin Nikki Grace wird für ein Filmprojekt engagiert, von dem sie und ihr Co-Star kurz vor Drehbeginn erfahren, dass es ein Remake ist und die erste Version nie beendet wurde, da die beiden früheren Hauptdarsteller unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sind. Nikki lässt sich trotzdem darauf ein. Doch als sie in ihre neue Rolle schlüpft und eine Affäre mit ihrem Kollegen beginnt, scheint sie zunehmend den Bezug zur Realität zu verlieren. Die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit, fiktiven und tatsächlichen Personen und Orten, ist nicht mehr auszumachen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Inland Empire hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 90%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Birte Lüdeking
Inland Empire hat eine Wertung von 90%
Es ist wieder Zeit, Sinn und Verstand auf Eis zu legen und dem Gefühl und Unterbewusstsein den Vortritt zu lassen. Denn David Lynch meldet sich zurück, und sein Höllentrip in die parallelen Persönlichkeiten einer Schauspielerin scheint noch weniger zugänglich und begreifbar zu sein, als es Mulholland Drive - Straße der Finsternis war. Ist es Unlogik? Ist es (Alp-)Traumlogik? Es ist Lynch-Logik.

Bild aus Inland Empire Man mag von David Lynchs Filmen halten, was man will, aber eines muss man dem Mann lassen. Er hat ein Gespür für ausdrucksstarke Titel, die sofort Assoziationen auslösen und im Gedächtnis hängen bleiben. Eraserhead, Wild at Heart, Lost Highway und nun also Inland Empire - einerseits eine Gegend bei Los Angeles, andererseits natürlich das innere Königreich. Und vor allem: "I liked the sound of the word inland and I liked the sound of the word empire", erklärt der Regisseur seine Wahl. So einfach ist das also.

Vielleicht ist sein neuestes Werk, trotz einer mal wieder verwirrenden, nichtstringenten Handlung, im Kern auch so simpel und klar, wenn man nicht allzu sehr darüber nachgrübelt und stattdessen einfach Klänge und Bilder auf sich wirken lässt. Ohne es in eine Schublade packen zu wollen und zu erwarten, dass man von seinem Macher an die Hand genommen und von A nach B geführt wird, wie es bei Filmen mit einer konventionellen Erzählstruktur der Fall ist. Aber möglicherweise ist es auch im Inneren genauso, wie es äußerlich erscheint: chaotisch, enervierend und verunsichernd und dabei im besten Sinne anspringend, eindringlich und schwer wieder abzustreifen.

Es beginnt mit einem gewaltigen Dröhnen, das einem direkt unter die Haut fährt und endet unter anderem mit dem Satz, der Programm ist: "How weird". Dazwischen bekannte Gesichter aus vergangenen Lynch-Trips wie Laura Dern (Blue Velvet, Wild at Heart) oder Justin Theroux (Mulholland Drive - Straße der Finsternis). Dann die oft praktizierten, lediglich neu gewürfelten Spiele mit unterschiedlichsten Fiktions- und Realitätsebenen, von denen viele ins Nichts zu führen scheinen, andere von Anfang an nur Finten waren. Und die bewusste Weigerung des Regisseurs, einzuordnen oder zu erklären.

Was reden die nicht untertitelten Polen? Wieso singen die Prostituierten "The Loco-Motion"? Obwohl er es eigentlich besser wissen müsste, versucht der Verstand noch lange nach dem Abspann, die vielen Fragen zu beantworten, die in den Raum gestellt werden und dort zurückbleiben. Und das Puzzle einigermaßen passend und übersichtlich zusammenzusetzen, das Lynch erstmals mittels Digitalkamera wild auf die Leinwand wirft. Der Look ist schmutzig und schwummerig, weit entfernt von den scharfen, satten Cinemascope-Bildern seiner früheren Werke. Der Ton ist beunruhigend, manchmal beängstigend.

"I can't tell if it's yesterday or tomorrow and it's a real mindfuck", sagt die von Laura Dern verkörperte Schauspielerin, die nicht mehr weiß, wo sie ist und wer sie ist. So geht es einem in Lynch-Land auch als Zuschauer. Aber das ist ja gerade das Reizvolle, wenn man sich darauf einlässt, die Kontrolle für eine Weile an den Nagel zu hängen, sein Hirn ordentlich durcheinander wirbeln zu lassen und anschließend versucht, es wieder in die gewohnten Bahnen zu lenken. Die Stimmungen und Gefühle, die Inland Empire freisetzt, sind mit gängiger Logik nicht zu fassen, sie können nur empfunden werden.

Die eigene Realität kommt einem nach diesem Sinnesrausch sehr öde vor. Vorausgesetzt, man befindet sich in der Wirklichkeit und nicht in einem Traum oder fiktiven Paralleluniversum, in dem man gefangen ist, ohne es zu wissen. Vielleicht sprechen alle polnisch in der Realität, in der man eigentlich Zuhause ist. Und was bedeuten überhaupt die Menschen in Hasenkostümen? Egal. In diesem Film fühlen sie sich richtig an.



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