Ja, ja - die alten Zeiten. Spätestens mit Vierzig wünscht man sie sich zurück. In dieser Komödie sind die Protagonisten zum Teil sogar noch älter. Und trotzdessen und ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zum Hollywoodestablishment, nehmen sich die Darsteller der vierköpfigen Motorradgang "Wild Hogs", allen voran Tim Allen und John Travolta, dermaßen selbst auf die Schippe, dass man sagen muss: Hut ab. Denn diese Selbstironie ist es, welche den Film ausmacht.
Am Anfang sieht man sie alle in ihrer ruhigen, gesitteten Umgebung, aber auch mit familiären Problemen. Der Trott scheint sie allumfassend umschlungen zu haben. Lediglich Dudley (grandios komisch: William H. Mazy) hat noch nicht das Zwangskorsett der Ehe (bürgerlich: den Bund des Lebens) geschlossen, ist damit aber auch unglücklich. Die Freiheit, die sie alle in den ersten Minuten des zusammen beschlossenen Trips spüren, überträgt sich bei aller Komik in diesen Momenten auch auf den Zuschauer. Man möchte selber auf dem Sozius mitfahren. Dazu tragen selbstverständlich die Naturaufnahmen von Robbie Greenberg gehörig bei. Wir sind eben im Land der weiten Horizonte.
Die anfänglichen Probleme der "Wild Hogs" kehren das Dasein ihrer spießigen Herkunft um, werden sie doch einige Male in aberwitzigen Situationen als Gaygroup verwechselt. Dieses wunderbare "Hineinschlittern" des Zuschauers in das Gefühl, die Vier versuchen künstlich etwas Anderes zu sein, ist neben den Gags das Beste im Film. Das steigert sich noch als sie in einer Kneipe auf eine "echte" Motorradgang stoßen, deren Anführer Jack (wie immer gut: Ray Liotta) sie des Betrugs bezichtigt, eben keine echten Rocker zu sein, sondern nur zu Posen. Damit beginnt sowohl eine Kette von lustigen Konfrontationen, die leider teilweise in den Slapstick abdriften, als auch die eigentliche Handlung. Nämlich die Flucht vor der anderen Gang und vor der eigentlichen Herausforderung.
Dieser wird sich natürlich am Ende in einem scheinbar aus der Flowerpowerzeit entsprungenen Kleinstädtchen gestellt und neben der Liebe finden alle Vier zu ihrem wahren Kern zurück. Die Zeit kann man nicht zurückstellen, man muss das Alter ebenfalls würdevoll als Aufgabe annehmen. Dass diese Erkenntnis mit einem Auftritt einer hier nicht verratenen Ikone der Siebziger, und dem damit verbundenen Freiheitsdrang, symbolisiert wird, ist für mich der größte Clou des Drehbuchs von Brad Copeland. Denn dies spiegelt hervorragend die Zerrissenheit der vier "Hogs", dieses Tanzens zwischen den Generationen, den Welten, den Träumen und der Realität, wieder.
Diese saukomische Farce sollten sich all diejenigen nicht entgehen lassen, die sich anderthalb Stunden köstlich amüsieren wollen. Die gut aufgelegten Darsteller spielen wunderbar mit ihrem Image und geben selbstironisch ihre Wehwehchen zu. Doch auch alte "Easy Rider" könnten durchaus ihren Gefallen an dem Film finden, sie müssten halt ebenfalls die alten Zeiten augenzwinkernd und mit etwas Abstand betrachten.