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Thriller zeichnen sich im Normalfall durch hohe Spannung, dichte Inszenierung und ein überraschendes Ende aus. Leider kann Verführung einer Fremden gerade Mal mit dem Letzten dienen, denn die ersten 100 Minuten plätschert die Geschichte zusammenhangslos vor sich hin und scheint sich auf seine großen Schauspielernamen zu verlassen. Leider, denn aus dem Stoff hätte man mehr machen können!
Verschenktes Potential ist wohl das Schlimmste, was einem Drehbuchautor bei einem Thriller passieren kann. Man hat den Stoff den man formen und einen spannenden, packenden und zugleich überraschenden Film draus machen kann - versagt aber in der Umsetzung. Die Aufgabe die man dem nahezu unerfahrenen Todd Kormanicki für Verführung einer Fremden übertrug, war wohl doch zu schwierig.
Rowena Price (Halle Berry), eine erfolgreiche Enthüllungsjournalistin, recherchiert auf eigene Faust im Mordfall ihrer langjährigen Freundin Grace, die ihr kurz vor ihrem Tod noch von einer Affäre mit dem Werbe-Chef Harrison Hill (Bruce Willis) erzählt hat. Durch die Hilfe ihres Freundes und Technik-Freaks Miles (Giovanni Ribisi) gelingt es ihr den mutmaßlichen Mörder Hill zu bespitzeln. Doch Rowena bemerkt dabei nicht, dass sie sich selbst immer mehr in die Geschichte verstrickt, bis es fast schon zu spät ist.
Wären die ersten 100 Minuten nicht von gähnender Langeweile und dem unheimlich komplexen (und viel zu umfangreichen) Story-Konstrukt geprägt, dann hätte Verführung einer Fremden das Potential für einen richtig guten Thriller. Leider verpasst Regisseur James Foley es vollkommen durch eine dichte, möglichst schnelle und packende Inszenierung aus dem schwachen Drehbuch doch noch etwas heraus zu kitzeln. So werden die ersten anderthalb Stunde für den Zuschauer zu einer undurchschaubaren Aneinanderreihung scheinbar unwichtiger Dinge mit ein paar Hollywood-Stars, die das einzige Highlight zu sein scheinen. Wenn dann aber die letzten zehn Minuten eingeläutet werden, gibt der Film auf einmal richtig Gas und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn hinter der Geschichte verbirgt sich durchaus ein genialer - und nahezu unerwarteter - Plot-Twist.
Schade, dass sich die Macher anscheinend auf große Namen und eine guten Kernidee verlassen haben, denn das Potential wäre da. Leider hat wohl die Unerfahrenheit des Drehbuchautors und die schwache Regie dazu beigetragen, dass man bei Verführung einer Fremden nur leere Charakter-Hüllen in langweiligen Szenen zu sehen bekommt, anstatt eines von Anfang bis Ende packenden Thrillers, der er hätte werden können. |