Oha, welch betörend Gefühl der inneren Freude bedüngt mich, es ist wieder einmal geschehen: Per Zufall habe ich einen bisher noch jedem (den ich bisher gefragt habe) absolut unbekannten Film gefunden, der rundum bestens gelungen ist. Ein Geheimtip, eine kleine Perle, einfach ein nettes Geschenk zwischendurch. Some Folks Call It A Sling Blade ist ein Kurzfilm, der von Billy Bob Thornton geschrieben wurde und den er dann drei Jahre später zu einem oscarveredelten Spielfilm ausdehnte. Die Tatsache daß es da zu einem weltweit bekannten full-length Feature Film einen total unbekannten Kurzfilm gibt, aus dem die ganze Geschichte eigentlich entstanden ist, finde ich unausweichlich spannend. Und da wir Cinemaniacs ja selbstlos freudige Allesteiler sind, möchte ich diesen Geheimtip auch nicht allein für mich genießen, sondern mit Euch teilen.
Some Folks Call It A Sling Blade ist ein wirklich erstaunlicher Kurzfilm da der Regisseur es schafft vom Inhaltlichen sowie auch von der Inszenierung her, weit über die Definiton eines Kurzfilms zu unterhalten. Er erreicht dabei vollstes Spielfilmniveau. Die ganze Geschichte ist im Grunde auf zwei Ebenen ausgelegt: Es fängt an mit dem vorstellenden Teil. Der Zuschauer wird von der ersten Minute an gefühlsmäßig ins Geschehen eingebunden und man rückt in eine Position in der man sich beobachtend nicht nur sehr gut unterhalten fühlt, sondern einfach auch immer mehr wissen und so viel wie möglich über J.T.Walshs Charakter erfahren will. J.T.Walsh leitet die Geschichte sozusagen ein und schafft es immerhalb der wenigen, ihm zur Verfügung stehenden Minuten lückenlos zu überzeugen und den Zuschauer an die Story zu binden. Schauspielerisch ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, daß es viele Schauspieler innerhalb von zwei Stunden nicht mal annähernd schaffen einen Bezug zum Zuschauer aufzubauen (an dieser Stelle auch mal liebe Grüße an den Holzbrettimitator Steven-meine-Karriere-läuft-super-Seagal). Ein augenzwinkernder Plottwist leitet dann hin zum zweiten Teil der Geschichte, in dem der Zuschauer kurze Entspannung findet und alles inhaltlich wichtige erzählt bekommt. Molly Ringwald wird dabei zur Identifikationsfigur für den Zuschauer, wobei der Regisseur das ganze gekonnt in einer gewissen Balance zwischen zuschauen und zuhören hält. Er wechselt zu dieser Auflockerung seinen Inszenierungstil, was einfach dazu dient, daß man ein wenig Kraft für den finalen, intensiven Schluß aufspart. War der erste Teil noch ein ruhiger Kameragenuß, gestalten sich die Bilder des zweiten Teils als Realityshots mit vielen Schnitten und loser Kamera. Dann folgt der Auftritt, das große Finale. Und allein die Hinführung zu Billy Bobs Performance, dem eigentlichen Sinn des Films, ist ein Leckerbissen. Licht aus, Spot an (im wahrsten Sinne des Wortes). Wenn Billy Bob spricht, dann ist man gefesselt und kann gar nicht weghören. Man ist hin und her gerissen zwischen Faszination und der Distanz die man doch ihm gegenüber wahren möchte.
Insgesamt gesehen ergibt der Film ein großes, gut durchdacht, wunderschöngefilmtes Bild. Ein Faszinorium an Schauspielkunst. Meine Review ist eine tiefe Verneigung vor dem Regisseur, der es geschafft hat in 25 Minuten so dermaßen viel Bindung zwischen dem Zuschauer und dem Film zu schaffen, so viele Emotionen zu vermitteln. Some Folks Call It A Sling Blade ist ein in jeder Hinsicht gelungener Kurzfilm.