Die Hochstapler- eine Dokumentation aus der Welt der Finanzierung und des schönen Scheins ist ein mit wenig stilistischen Mitteln auskommender Film. Regisseur Alexander Adolph, bis jetzt vorwiegend als Autor von Fernsehkrimis bekannt, konzentriert sich absolut auf die Rede seiner Protagonisten. Trotzdem ist der Streifen fesselnd bis zum Schluss.
Ein Mann reist mit ungedeckten Schecks durchs miefige Deutschland und fühlt sich wie ein König. Alles gelingt. Ein Anderer verkauft Anteile eines Vermögens, welches er natürlich gar nicht besitzt - hat damit Erfolg bis zum eigenen Jet, Häusern und Einfluss in besten Kreisen, welche er um 600 Millionen Mark erleichtert. Ein Dritter organisiert als amerikanischer Major eine Nato-Sicherheitskonferenz, war angeblicher Diplomat und Freund Joschka Fischers! Der Vierte machte sich einen spießigen Mittelständler zum Freund und ruiniert ihn ganz langsam. Und alle Vier reden darüber offen vor der Kamera. Mehr hat der Regisseur Adolph nicht zur Verfügung. Und erstaunlicherweise reicht das. Denn die Geschichten klingen so absurd, so unglaubwürdig, dass sie einem die Schuhe ausziehen, und einen derartig in den Bann ziehen, dass die Zeit wirklich schnell rumgeht. Denn unser eigenes Grundvertrauen in Behörden, Institutionen, ja den Staat als solches, stellen wir danach in Frage. Doch keinesfalls geht es Adolph nur um ein simples Aufzeigen von Superlativen im Bereich des Hochstapelns. Durch die Offenheit der Protagonisten erklären sich aber auch auf wunderbare Weise die Mechanismen des Betrügens. Selbst die schwer zu verstehende psychologische Grundlage einer Täter (Betrüger) - Opfer (Betrogener) Beziehung wird sogar ein wenig klarer.
Alexander Adolph muss Jahre gebraucht haben, um die Protagonisten sowohl zu finden, als auch dann noch ihr Vertrauen zu gewinnen. Denn neben der Akteneinsicht und dem Entbinden der Schweigepflicht der Anwälte mussten die Interviewten auch mit einer möglichen Verwertung des Filmmaterials rechnen. Zwar saßen alle Vier im Gefängnis, doch einige Verfahren liefen noch. Doch vielleicht haben sie das Reden vor der Kamera auch als Beichte angesehen, so schonungslos offen und ehrlich kommen sie auf jeden Fall rüber. Das sich, gerade bei einem so sprachlastigen Film, der offensichtlich geniale Fragensteller Adolph gänzlich herausnimmt, ist ein weiteres Plus. Sensibel gelingt es ihm einerseits die persönlich/menschlichen Irrungen und Verfehlungen aufzuzeigen, man erhält aber andererseits auch Einblicke tief in gesellschaftliche Abläufe und Strukturen. Somit ist für den Zuschauer ein mannigfaltiger Denkanstoß entstanden.
Fazit: Die Hochstapler bietet trotz der rudimentären Machart einen spannenden Einblick in die dann doch nicht immer so rosig aussehende Welt von Betrügern. Durch die hervorragende Redegewandtheit der Protagonisten und natürlich dem ungewöhnlichen Inhalt ist der Film spannend sowie unterhaltsam und auch für Ablehnende des Dokumentarfilmes absolut sehens- und bemerkenswert.