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Das Regiedebüt der französischen Schauspielerin Julie Delpy (Broken Flowers) besticht durch ein ausgelassen agierendes Darsteller-Ensemble, das sich überwiegend aus Freunden und Familienmitgliedern der Regisseurin zusammensetzt. Und mit seinen respektlosen und wortwitzigen Dialogen, die im Verlauf der Handlung immer spitzzüngiger und sarkastischer werden.
Als Co-Autorin von Richard Linklaters Before Sunset, der Fortsetzung von Before Sunrise, wurde Julie Delpy bereits für einen Oscar nominiert. Mit ihrem Langfilmdebüt stellt sie nun erneut unter Beweis, dass sie pointierte, lebenskluge Dialoge schreiben kann. Neben Drehbuch und Regie hat die vielfach talentierte Französin außerdem noch Schnitt und Musik, Casting und Co-Produktion in die eigene Hand genommen.
Und sie besetzte ihre fiktiven Eltern mit ihren realen Eltern, den Schauspielern Marie Pillet und Albert Delpy. Ein vermutlich nicht nur kostengünstiger, sondern auch kluger Schachzug, denn den beiden verdankt der Film die amüsantesten Szenen. In einer von diesen gesteht Marions offenherzige Mutter dem um einiges reservierteren Freund ihrer Tochter unaufgefordert von ihrer einstigen Affäre mit dem Doors-Frontmann Jim Morrison - obwohl Jack davon gar nichts hören will. Währenddessen stellt der raubeinige Vater pornografische Bilder aus und zerkratzt als Freizeitbeschäftigung inkorrekt geparkte Autos mit seinem Hausschlüssel - was Jack noch viel weniger sehen will, aber trotzdem bezeugen muss.
Wie die Mutter, so scheint auch die Tochter kein Kind von Traurigkeit gewesen zu sein. Denn Marion hat ebenfalls eine für Jack beunruhigend bewegte Vergangenheit im Gepäck, die das Paar an jeder Ecke von Paris wieder einzuholen scheint. Keine Party und kein Restaurant kann besucht werden, ohne dass nicht ein aufdringlicher Ex-Lover aufkreuzt, Marion in Jacks Gegenwart angräbt (natürlich auf Französisch, was der Amerikaner nicht versteht) oder hemmungslos damit prahlt, die Ehemalige und immer noch Begehrte mit ihrem ersten Orgasmus beglückt zu haben.
Die freche und eher unromantische Culture-Clash-Comedy orientiert sich am rasanten Paargeplänkel von Howard Hawks Screwball-Komödien (Leoparden küsst man nicht, Sein Mädchen für besondere Fälle) und den intellektuellen Beziehungsdiskussionen in Woody Allens frühen Werken (Der Stadtneurotiker, Manhattan). Die von Delpy verfassten Schlagabtausche sind bissig und amüsant, manchmal derb, manchmal geistreich. Vieles wird ungefiltert ausgesprochen, anderes findet sich zwischen den Zeilen. Am treffsichersten sind sie, wenn sie im Zwischenmenschlichen, Persönlichen bleiben und nicht ins Soziale oder Politische driften, was überambitioniert und fehl platziert wirkt.
Es geht um Gott und die Welt, aber vor allem natürlich mal wieder um die Liebe und wie man diese trotz aller Widrig- und Streitigkeiten dauerhaft aufrechterhalten kann. Kulturelle Unterschiede und Klischees werden sowohl bestätigt als auch widerlegt, ernst und auf die Schippe genommen. Neu ist das Alles nicht, aber in seiner verspielten und ungezwungenen Direkt- und Albernheit charmant und becircend. |