Mit Rescue Dawn gelang Werner Herzog ein ergreifender Film über den Überlebenswillen eines einzelnen Mannes in einer menschenfeindlichen Umgebung. Christian Bale brilliert dabei einmal mehr mit einer fantastischen Leistung, mit der er sich, ebenso wie der restliche durchgehend überzeugende Cast, auch körperlich aufopferte. Obwohl das Ende ein wenig zu viel des Guten ist und der Film sicherlich einige Schwächen hat, überzeugt er letztlich doch und ist am Ende vor allem eines: Absolut sehenswert!
Könnte man nicht davon ausgehen, dass es sich bei Rescue Dawn im Kern um eine wahre Begebenheit handelt, müsste man als Erstes den Sinn des Gefangenenlagers, in dem sich zehn Wachen um fünf Gefangene kümmern, in Frage stellen. Die unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehaltenen Soldaten werden nicht verhört oder zur Zwangsarbeit gezwungen, sondern lediglich "aufbewahrt", was einem nicht unbedingt logisch erscheint. Doch Rescue Dawn basiert auf der Dokumentation Flucht aus Laos (im Original Little Dieter Needs To Fly), die Werner Herzog 1997 für das ZDF produzierte und damals noch mit dem echten Dieter Dengler drehte. Durch den engen Kontakt zwischen Herzog und Dengler sollte man also davon ausgehen können, dass das geschilderte Szenario weitgehend realistisch ist.
Schwierig verhält es sich mit der Rollenverteilung, in der leider ein ganz klares Schwarz-Weiß-Denken Einzug gehalten hat. Stehen auf der einen Seite die "guten" Amerikaner, beziehungsweise der "gute" Deutsche mit typisch amerikanischem Nationalstolz, sind alle einheimischen von Grund auf böse oder gutherzig, aber dumm und behindert. Der Großteil ist jedoch regelrecht animalisch und sadistisch. Bei aller Grausamkeit im Kriegsgefangenlager ist besonders der Überhang an Sympathien, die beim Zuschauer über die gesamte Spielzeit auch abseits des Lagers für die Amis geweckt werden, ein kleiner historischer Fauxpas, der lediglich durch die Tatsache, dass man es bei den "Einheimischen" mit Laoten und nicht mit Vietnamesen zu tun hat, ein wenig relativiert wird.
Allerdings kann sich der Film jederzeit darauf beziehen, dass die Situation in Laos für den Großteil des Publikums ohnehin nicht vorstellbar, aber zeigbar ist. Und eben dieses Zeigen dieser wahrscheinlich wahren Ereignisse gelingt Werner Herzog ausgesprochen gut. Das ganze Szenario ist hart und realistisch; streckenweise wirken die Bilder schon beinahe poetisch. Die Folter ist durchaus grausam, jedoch unblutig und über weite Strecken handelt es sich viel mehr um psychische Marter. Gerade im Bezug auf die Torturen lassen sich jedoch einige Continuity-Fehler finden, was sich besonders im Bezug auf die immer wieder thematisierten Darmfunktionen der Häftlinge zeigt. Die Flucht durch den Dschungel lässt den Zuschauer mitfühlen oder besser gesagt mitleiden. Der Überlebenskampf Denglers mit all seinen Facetten ist Survival-Horror in Ursprungsform. Allerdings muss man feststellen, dass die Gefahren des Dschungels, besonders im Bezug auf die Tierwelt, nicht in der Deutlichkeit gezeigt werden, wie es beispielsweise in Apocalypse Now der Fall ist, wodurch Rescue Dawn leider ein wenig Wirkungspotential vergibt.
Unnötigerweise bremst sich Werner Herzogs Film mit seinem pathetischen und maßlos übertriebenen Ende und mit einer unnötigen Weiterführung der Geschichte selbst aus und hinterlässt einen faden Beigeschmack, den es nicht gebraucht hätte. Herzog hätte sich hier einige Szenen sparen müssen, um im Gesamteindruck einen deutlich besseren Film zu erschaffen.
Was bleibt, ist sicherlich kein Klassiker wie es in diesem Genre Die durch die Hölle gehen ist, aber dafür ein atmosphärisch dichter, erschreckender Film mit großartigen Schauspielern. Nicht nur Christian Bale, der sich nach Der Machinist wieder in eine körperliche Extremsituation begab, hat hier Lob verdient. Denn die gesamte Darstellerriege, besonders Steve Zahn, überzeugt ausnahmslos und beeindruckt durch ihr Engagement mit bis auf die Rippen abgemagerten Körpern.