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DOL

(DOL, 2005)

Dt.Start: 26. April 2007 Premiere: 2005 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 88 min Land: Frankreich, Deutschland
Darsteller: Nazmi Kirik (Azad), Belcim Bilgin, Omer Chawshin, Rojin Ulker, Tarik Akreyi, Ciwan Haco, Abdullah Keskin, Sipel Ardogan
Regie: Hiner Saleem
Drehbuch: Hiner Saleem


Inhalt

Das kleine kurdische Dorf Balliova liegt im Grenzgebiet zwischen der Türkei, dem Iran und dem Irak. Die Dorfbewohner bekommen Unmut der türkischen Soldaten zu spüren, die zu oft von den kurdischen Kämpfern in Auseinandersetzungen verwickelt werden. Trotz dieser Umstände wollen sich Azad und seine Freundin Nazenin das Ja-Wort geben. Als es bei der Hochzeit zu einem Handgemenge mit dem Militär kommt, schießt Azad auf den Kommandanten und muss schließlich fliehen. Sein Weg führt in die autonome Region Kurdistan im Irak, wo er andere vom Schicksal gebeutelte Seelen trifft.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

DOL hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
DOL hat eine Wertung von 70%
Repressionen im Dreiländereck Türkei/Irak/Iran: ein Kurde muss aus der Türkei fliegen, als er sich gegen türkische Militärs auf seiner Hochzeit wehrt. Doch das Exil ersetzt nicht die Zukunft, die er sich mit seiner Braut ausgemalt hat. Hiner Saleem inszeniert die kurdische Odyssee DOL als theatrale Tragödie und entwickelt einen ungewöhnlichen Erzählstil.

Bild aus DOL Kurdistan ist ein Traumland. Es existiert nicht, denn seine Fläche liegt aufgeteilt im Dreiländereck zwischen der Türkei, dem Irak und dem Iran. Keiner dieser Staaten hat Interesse an den patriotischen Bestrebungen ihrer kurdischen Minderheit, weshalb vor allem im türkischen Teil seit vielen Jahrzehnten ein mehr oder minder offener Bürgerkrieg herrscht. Der Irak-Krieg hat vage Hoffnungen auf eine Lösung geweckt, doch gerade das türkische Militär wirkt den Unabhängigkeitsbestrebungen mit aller Härte entgegen.

Als Elektriker Azad (Nazmi Kirik) seine Hochzeit mit Nazenin (Sipel Erdogan) feiert, kommt es zum Streit mit dem sadistischen Kommandeur der lokalen Streitkräfte. Azad schießt auf die Türken und flieht ins kurdische Autonomiegebiet des Nordirak. Dort herrscht leise Aufbruchsstimmung, seit die Amerikaner da sind. Es ist aber auch ein Sammelbecken für Kämpfer, Versehrte und Flüchtlinge, die den Repressionen und dem Bombenterror entkommen wollen. Das bedeutet nicht, dass es im Nordirak ruhig ist. Vielmehr beginnen die Kurden die Saddam-Diktatur aufzuarbeiten, wenn sie nach Massengräbern suchen. In der Freiheitskämpferin Taman (Belcim Bilgin) findet Azad eine Leidensgenossin, weil auch ihre Hochzeit Opfer einer türkischen Attacke wurde. Doch insgesamt fühlt er sich im Nordirak nutzlos. Also folgt Azad Taman in den Iran, weil er dort eher eine Chance für eine Zukunft mit Nazemin sieht. Doch zuerst muss er seine Braut aus seinem alten Dorf herausholen. Und darauf warten die Türken bereits...

Mit Vodka Lemon und Kilometre Zero legte Hiner Saleem bereits zwei beeindruckende Visitenkarten für die Freunde des Arthouse-Kinos vor. Mit seinem neuesten Werk verläßt er endgültig den Realismus und entführt die Zuschauer in ein fesselndes Traumspiel, eine theatrale Allegorie aus politischem Testamento und kurdischer Musik. Wenn sich am Ende die kurdische Welt in einen gewagten Todestanz hineinsteigert, ist dies nicht nur der Höhepunkt der Tragödie sondern auch der Willensausdruck eines Strebens nach nationaler Einheit trotz der großen, international weitgehend ignorierten Repressionen. Mehr noch als in Kilometre Zero nennt Saleem Ross und Reiter und wagt die offene Konfrontation mit den Unterdrückern auf allen Seiten der Grenzen. Seine Inszenierungsstrategie verstärkt dabei die politische Anklage vor allem gegen die türkischen Militärs. Salem verzichtet auf umständliche Dialoge und komplizierte Erörterung. Die Kargheit der Landschaften, gedreht wurde im irakischen Norden, spiegelt sich in der Wortkargheit der Figuren wider.

In der Musik als Ausdruck der Lebenslust findet er ein geeigneteres Mittel, um seiner allegorischen Bildsprache Geltung zu verschaffen. DOL findet eine eigene Sprache, die sowohl an die allegorische Erzählweise des Iranischen Kinos und als auch, zunächst wegen des lakonischen Untertons, an einige Finnische Werke erinnert. Gerade die Nähe zu letzterem mag verwundern, denn im Gegensatz zu Saleem kommen die Filme von Kaurismäki ohne den energisch-politischen Exkurs aus. Aber beide verbindet der Wille, die Bildsprache des Kinos mit einer theaterhaften, prototypischen Ikonographie zu verbinden. Damit geht Hilmer Saleem auch einen Schritt weiter als andere kritische Filmemacher wie Yesim Ustaoglu, die 1999 mit Die Reise zur Sonne auf das Verhältnis der Türken mit den Kurden aufmerksam gemacht hat. Deshalb dürfte DOL auch für weniger politische Filmfreunde interessant sein. Hiner Saleem hat seinen Platz im Kanon außergewöhnlicher orientalischer Filmemacher jedenfalls gefestigt.



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