Curtis Hansons (L.A. Confidential) Film ist, und zwar nicht von der logischen Seite her betrachtet, fast nur etwas für sehr am Pokerspiel Interessierte. Denn hier liegen die Stärken des Films. Alles andere sind behauptete Gefühle, die zum Glück durch die guten Darsteller und die ansprechende, sensible Inszenierung zumindest in Ordnung sind.
Die Summe der Einzelteile sollte mehr ergeben, als die bloße Addition. Die Nichterfüllung dieser Floskel ist hier hervorragend geeignet, um die wunderliche Unentschiedenheit bei den Machern diesem Projekt gegenüber, zu beschreiben. Denn die Zutaten sind in einem Maße unterschiedlich in der Qualität, dass man meinen könnte, sie sind von verschiedenen Leuten zu verantworten. Dies betrifft natürlich in erster Linie das Buch. Der Autor Eric Roth, immerhin unter anderem der Schreiber von Forrest Gump und München, legt einerseits ein sorgfältiges Melodram um Pokerspieler Cheever und dessen gestörte Beziehung zum Vater vor, wartet dann aber mit einer dermaßen platten Lovestory zur Sängerin Billie auf, dass sie bestenfalls eines Groschenromans würdig wäre. Ohne im Erzählbereich eine Überraschung diesbezüglich oder eine exakte Variation des Themas im eigentlich überflüssigen Strang zu bieten, entstehen dadurch Glaubwürdigkeitsprobleme. Und darunter leidet dann halt die Gesamtempfindung diesem Spielerporträt gegenüber, denn Glaubwürdigkeit ist durchaus das, was denn Machern eigentlich sehr wichtig war.
Denn die Welt des Pokers wird sehr authentisch eingefangen. So sind oft Monitore von TV-Sendern im Bild, um das in den letzten Jahren gestiegene Medieninteresse an dieser Sportart zu dokumentieren und sind etliche der antagonistischen Spieler die Stars der Branche aus der Realität. Die vielleicht etwas überlangen Spielsequenzen sind deshalb trotzdem das Beste am Film. Man muss auch wirklich kein Experte sein, um die Höhepunkte während solch einer Partie und das damit verbundene emotionale Auf und Ab der Spieler nachvollziehen zu können. Und das gilt es erst einmal zu schaffen.
Schließlich geht es in Glück im Spiel um Einsamkeit, und die Entscheidung, in den wichtigen Momenten des Lebens sich auf die wahren Werte zu konzentrieren. Dies ist zwar manchmal durch Dialoge etwas überdeutlich gestaltet, doch sind die Wortduelle zwischen Vater (Robert Duvall) und Sohn (Erik Bana) eben der Schauspieler wegen sehr gern anzuschauen. Die filmsprachlich schönste und ergreifendste Szene ist die, welche Cheever am Abend der Qualifizierung zeigt, bei dem die anderen ebenso Qualifizierten zu ihren Familienmitgliedern eilen, denn geteilte Freude ist doppelte Freude. Nur er selbst hat niemanden, zu dem er gehen kann- der sich mit ihm freut.
Alles in Allem ist Glück im Spiel kein schlechter Film, den man zwar außerhalb der Pokerspielerszene nicht unbedingt gesehen haben muss, bei dem man sich aber auch nicht richtig über den Eintritt ärgert. Curtis Hanson ist immer noch ein sensibler Menscheninszenierer, dem man als nächstes wieder mal ein packenderes Buch wünscht.