Kinderbuchverfilmungen liegen in Deutschland derzeit im Trend, nachdem Die Wilden Hühner und Die wilden Kerle alle Zuschauerrekorde gebrochen haben. So nimmt man sich diesmal dem Buch Herr Bello und das blaue Wunder an und scheint übersehen zu haben, dass eine sehr ähnliche Geschichte aus Hollywood unter dem Namen Shaggy Dog - Hör mal wer da bellt bereits letztes Jahr in den Kinos lief und nicht überzeugen konnte.
Deutsche Filme sind mittlerweile fast schon ein Kapitel für sich. Einige Kritiker legen andere Messlatten für Filme aus dem eigenen Land an, denn sowohl die Finanzierung als auch die Umstände des Filmemachens seien schwieriger und auch das Publikum scheint - gerade bei Kinderfilmen - lieber das "Deutsch" vor das Wort "Qualität" zu stellen. Einerseits ist es natürlich richtig, dass es deutsche Filmemacher schwerer haben als ihre amerikanischen Kollegen, dennoch gibt es immer wieder Filme, die beweisen, dass auch in unserer Heimat tolle und schöne Werke gemacht werden können.
Bei Herr Bello könnte man geneigt sein die Herkunft vor die Qualität zu stellen und dem Film damit ein sanfteres Urteil auszustellen, denn es sind doch die eigenen Schauspieler, die eigenen Drehbuchautoren und die eigenen Produzenten, die man verurteilt und ihnen eine schlechte Leistung ankreidet. Dass man aber gerade beim Produzenten Ulrich Limmer einen Kandidaten hat, der mindestens einmal pro Jahr einen Kinderfilm in die Kinos bringt und damit Geld scheffelt ohne echte Qualität zu machen, zerstört das Bild vom schönen deutschen Filmbusiness ein wenig. Und ganz im Stile von eben diesen "Fließbandproduktionen", reiht sich auch der aktuelle Verwandlungsstreifen ein.
Der 12jährige Max und sein Vater sind ein eingespieltes Team, denn seit dem Tod der Mutter gibt es niemanden, der sich zwischen sie drängen könnte. Als jedoch im oberen Stockwerk Frau Lichtblau einzieht, scheint der Vater - zum Unmut von Max - wieder Liebesgedanken zu hegen. Glücklicherweise gibt es da noch Herr Bello, einen Hund, der ihnen zugelaufen und durch einen geheimen Trank von Max' Großvater zu einem Menschen mutiert ist. Doch auch wenn die äußere Gestalt sich verändert hat, die Manieren sind die eines Hundes und das sorgt natürlich für allerlei Chaos.
Dass die Geschichte nichts Neues ist, sondern vielmehr auf Altbewährtes setzt, ist in diesem Fall keine wirkliche Hilfe. Zum Zigsten Mal sehen wir einen Hund, der zu einem Menschen wird (oder umgekehrt). Zum Zigsten Mal sehen wir ein Kind, welches die neue Liebe des Vaters nicht akzeptieren will. Zum Zigsten Mal sehen wir Euro-Millionen, die in einem Film verbrannt werden, den die Welt nicht gebraucht hätte. Schade um das Geld, welches für andere vielversprechende Produktionen dann fehlt - gerade in Deutschland.
Natürlich ist Herr Bello trotzdem ein netter Film für Kinder, die sich über die kleinen Witzchen freuen und der Geschichte ihre volle Aufmerksamkeit schenken werden. Die Produzenten und Eltern sollten sich aber fragen, ob es nicht langsam Zeit wäre ein wenig mehr Anspruch und Abwechslung auch bei den Kinderfilmen zu etablieren, denn erst dann wird sich deutsches Kinderkino von dem Hollywood-Einheitsbrei absetzen können und die Kritiker müssten einen deutschen Film nicht schönreden.