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Vier Jahre nach ihrem größten Erfolg mit Bruce Allmächtig legen die Komödienspezialisten Tom Shadyac und Steve Oedekerk eine lose Fortsetzung vor. Ohne Jim Carey aber mit Jungfrau (40), männlich, sucht ...-Star Steve Carell erzählen sie von einem frischgebackenen Kongressabgeordneten, der von Gott (Morgan Freeman) den Auftrag zum Bau einer Arche erhält und dafür in einen Ersatz-Noah samt Rauschebart und Baumwollkutte verwandelt wird. Der absurde Zusammenprall von Religion, Politik Ökobotschaft und Nächstenliebe ist allerdings weit weniger lustig als gedacht.
Tom Shadyac und Steve Oedekerk sind nicht für Komödien mit intellektuelen Tiefgang bekannt. Ihre Meriten verdienten sie sich mit Slapstick- und Grossout-Komödien wie Ace Ventura, Kung Pow oder Der verrückte Professor, auch wenn sich ihr größter Erfolg Bruce Allmächtig ganz auf Family Entertainment fokusierte. Seit sich ihre Wege von Superstar Jim Carey getrennt haben, ist es etwas ruhiger um sie geworden. Selbst die seit langem gepflegte Fortsetzung von Bruce Allmächtig stand phasenweise vor dem Aus, bis man in dem Komiker Steve Carell (Jungfrau (40), männlich, sucht ...) einen geeigneten Nachfolger gefunden hatte.
Carell spielt den etwas steifen, aber glücklichen Kongressabgeordneten Evan Baxter, der am ersten Tag seines neuen Politlebens ein blaues Wunder erlebt. Moralisch integer und tatkräftig will er Washington verändern. Deshalb freut er sich mit seinem Beraterteam über die überraschend luxuriösen Büros gleich gegenüber des bekannten Politfuchses Long (John Goodman), dessen neue ökologische Gesetzesnovelle er unterstützen soll. Auch das neue Zuhause in einem idyllischen Tal ist ein Schmuckstück. Nur die Söhne Dylan und Jordan (Johnny Simmons, Graham Phillips) nörgeln über den Umzug, während Gattin Joan (Lauren Graham) ihren Mann in allem unterstützt. Allerdings sieht Gott (Morgan Freeman) auch die Gefahren, in die der Frischling im düsteren Polit-Dschungel geraten kann. Also gibt er dem erfolgshungrigen Baxter eine Aufgabe, die sich gewaschen hat. Baxter soll eine Arche bauen, um Menschen und Tiere vor der nächsten Sintflut zu retten. Nun sind Sintfluten bekanntlich rar und ein riesiges Holzschiff in einem idyllischen Tal weitab vom Meer eher absurd. Aber zur Not könnte man es als Öko-Marketing-Gag vekaufen (trotz der vielen Bäume, die dafür draufgehen). Doch wie verkauft den schicken Anzugstypen am Capitol Hill, wie sich Baxter über Nacht schulterlanges Haar und einen Rauschebart wachsen lassen konnte und nun nur noch in Baumwollkutten rumläuft? Ganz zu schweigen von den vielen Vogelpaaren und anderen Tieren, die hinter ihm herlaufen?
Wie es scheint haben Steve Oederkerk und Tom Shadyac trotz eines Autorenheeres um Bobby Florsheim und Josh Stolberg ihr Komödienpulver verschossen. Die getragene und völlig harmlose Familienunterhaltung geizt mit guten Gags, besitzt kein Timing und entwickelt weder Flair noch Esprit. Stereotye Dialoge umranken ausgetretene Handlungsmuster, deren Triumph die Flussfahrt der Arche bis vors Capitol ist. Auch technisch fallen die Effekte weit hinter das "Mögliche" zurück. Wer Religion ausschliesslich einer bebilderten Kinderbibel (siehe Baxters Internet-Recherche) entnimmt, muss sich nicht wundern, wenn daraus ein kindlich-naives Abenteuer wird. Trotz kurzer 95 Minuten langweilt Evan Allmächtig eher als zu unterhalten.
Jim Carey durfte wenigstens noch Gott spielen und durch eine bunt-hysterische Nummernshow turnen. Der arme Steve Carell muss den Kindertheater-Moses geben und fällt allenfalls durch peinliche Wiederholungen derselben Slapstick-Gags (und wieder fällt er um) auf. Seine Schauspielkünste sind nicht gefragt, denn letztlich wird er nur von Bild zu Bild verschoben und wirkt wie ein Fremdkörper. Auch John Goodman und die anderen Darsteller spielen nicht, sondern stellen nur krude zusammengeschusterte Pappkameraden ohne Verve und Attraktion dar.
Shadyacs Werk scheint direkt der Komödienretorte entsprungen zu sein, während sein nomineller Star Carell nicht einmal im Ansatz die Möglichkeit hat, etwas Eigenes zu seiner Rolle beizutragen. Einzig Morgan Freeman versprüht etwas Lockerheit. Dafür muss er auch den gerade populären Omnipräsenz-Gag à la Being John Malkovich oder Next über sich ergehen lassen. Ein Gag, der spätestens mit Johnny Depp und Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt ausgereizt war.
In den USA ist die unsäglich naive und platte Geschichte bereits mächtig gefloppt, weil sie nicht einmal die christlich orientierte Klientel ins Kino locken konnte. Hierzulande dürften die Erfolgschancen noch etwas geringer ausfallen. |