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Hightech-Thriller, Agentenjagd, Action, Geheimnisse und ein wenig Gefühl - Robert Ludlums bodenständige James Bond-Version begeistert auf der Leinwand auch als Das Bourne Ultimatum. Paul Greengrass bietet zwar keine komplexe Handlung, die Ein-Mann-Armee Jason Bourne trickst beständig das gesamte amerikanische Geheimdienstnetzwerk aus, aber das reicht für zwei Stunden Hochspannung und atemberaubende Action. Der allürenfreie Matt Damon katapultiert sich damit engültig in die Spitze der Hollywoodstars und tritt in die Fußstapfen von Harrison Ford als Identifikationsfläche für Normalsterbliche.
Eigentlich ist der amerikanische Kinosommer ja bereits gelaufen. Die belanglosen Großproduktionen (Spider-Man 3 und Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt) haben sich gegenseitig neutralisert und glänzten mit Effektwahn statt mit Qualität. Nur einige Blockbuster kompensierten ihre gebrochenen Versprechen wenigstens mit ein paar gezielt gebrochenen Rekorden. Da erstaunt es rückblickend, dass ausgerechnet die eher auf traditionelle Mechanismen denn Computertechnik setzenden Werke am ehesten mit Kinoflair aufwarten konnten. So überzeugte Seniorenheld Bruce Willis (Stirb Langsam 4.0) mit seinem naturgemäß zähen Überlebenswillen und auch Jackie Chan liefert mit Rush Hour 3 lieber eine Destruktionsshow in Handarbeit.
Zu den beiden altgedienten Haudegen gesellt sich nun der vergleichsweise junge Matt Damon. Mit dem dritten Teil der Agentensaga Das Bourne Ultimatum nach den Bestsellern von Robert Ludlum füllt er die Lücke, die Ex-Rentner Harrison Ford vorerst hinterlassen hat (bis nächsten Sommer und Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels). Ford hatte sich einst den Ruf des größten Kassenmagneten aller Zeiten erspielt und dabei nicht nicht mehr als den Typus des eher unscheinbaren Normalos zum Besten gegeben. Noch hinkt der Vergleich zu Ford und vor allem zum Urahnen Jimmy Stewart ein wenig. Doch Damon ist nicht nur gemessen am Einspielergebnis seiner Filme und seiner Popularität bei den Zuschauern längst in der Spitze der Hollywoodstars angekommen. Das Bourne Ultimatum legte in den USA mit $70 Mio. immerhin den besten August-Start der Boxoffice-Geschichte hin und dürfte trotz Ermüdungserscheinungen bei den Kinogängern noch Luft nach oben haben, denn Paul Greengrass legt nach den ohnehin rasanten ersten Teilen noch einen Zahn zu:
Nach zahllosen Verfolgungsjagden quer durch Europa ist Jason Bourne von der Bildfläche verschwunden. Doch der Ergründung der Geheimnisse um sein verlorenes Gedächtnis geht er auch "unsichtbar" mit Hochdruck nach. Während in Langley die Direktoren Landy (Joan Allen) und Vosen (David Strathairn) im Dunkeln tappen, sucht Bourne in Deutschland den Bruder (Daniel Brühl) von Marie auf, um ihm vom Tod der Schwester zu berichten. Als lebende Waffe und Opfer eines geheimen Experiments besitzt er die Fähigkeiten eines Überagenten, was ihm in London bei der Kontaktaufnahme mit einem Journalisten (Paddie Considine) erleichtert. Der berichtet in einer Zeitung über das illegale Programm Treadstone der CIA, das nach seiner unfreiwilligen Beendigung klammheimlich ins Blackbriar-Programm des Verteidigungsminiteriums aufgenommen wurde und noch immer Auftragskiller für die Regierung produziert.
Endlich scheint die Lösung des Rätsels in greifbare Nähe zu rücken. Als Bourne, selbst der Prototyp jenes Programms, mehr in Erfahrung bringen kann, treten auch schon Vosens Blackbriar-Männer auf den Plan, um den Journalisten und seine Quelle zum Schweigen zu bringen und alle Spuren zu tilgen. Doch Bourne ist den Schergen in diesem neuerlichen Wettlauf immer einen halben Schritt voraus. Über Tangier kehrt er mit Hilfe von Agentin Nicky Parsons (Julia Stiles) nach New York und damit an den Ursprung seiner Odyssee zurück. Längst findet innerhalb der Geheimorganisation ein Krieg um Blackbriar statt. Vosen und Programm-Erfinder Hirsch (Albert Finney) können sich zwar auf die Unterstützung des CIA-Directors (Scott Glenn) verlassen, doch die interne Ermittlerin Landy hat immerhin Bourne als unberechenbare Trumpfkarte in der Hinterhand...
Spannung und Action von der ersten bis zur letzten Sekunden bietet Paul Greengrass seinem gefesselten Publikum. Keine Sekunde bleibt ungenutzt, denn beständig muss nach Beobachtern und Killern Ausschau gehalten werden, gilt es Kameras zu vermeiden oder Fluchtwege ausgespäht und benutzt werden. In den wenigen Verschnaufpausen versetzt die moderne Überwachungstechnik die Zuschauer in eine schockierte "Big Brother"-Starre oder rekapitulieren Geheimagenten ihre Intrigen, was alles keine Langeweile aufkommen läßt. Auch der dritte Teil der Ludlum-Adaption versteht sich als nüchterne Bond-Version und belebt das Credo, dass Geheimniskrämerei ein zutiefst unmoralisches und blutiges Geschäft ist. Freund und Feind kann jeder sein und zu jeder Zeit kann die Gesinnung wechseln. Dazu bedarf es keiner feindlichen Agenten wie in dem ebenfalls attraktiven, aber unreflektierten Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene, der ebenfalls im Herbst in den deutschen Kinos anlaufen wird.
Greengrass, selbst Autor eines Bestsellers über den britischen Geheimdienst MI5, kommt dem Geist der Vorlage, die bekanntlich zu Zeiten des Kalten Krieges spielt, trotz der Versetzung in die Gegenwart erstaunlich nahe. Er entwirft ein paranoid anmutendes Verwirrspiel voller überraschender Wendungen und spektakulärer Action, speist aber auch klar das Misstrauen gegenüber dem modernen Überwachungsstaat.
Damon kehrt nach seinem Ausflug hinter den Schreibtisch der CIA (Der gute Hirte) wieder an die vorderste Front zurück und demonstriert anschaulich, zu was ein Otto Normalverbraucher (nach entsprechender Spezialbehandlung) fähig ist. Erneut zieht er mit der glaubhaften Darstellung des Gehetzten die Sympathien auf sich. Gleichzeitig gelingt ihm das Kunststück, offen zu bekennen, dass er nicht besser ist als die Killer, die er auslöscht, und die Schreibtischtäter, an denen er sich rächen will. Die Zuschauer bleiben Bourne sogar treu, wenn er emotionslos dem blutigen Agentengeschäft mit höchster Effektivität nachgeht.
Darin liegt wohl auch das Geheimnis des Erfolges und die große Attraktivität der Reihe. Zwar gibt sich "Bourne" immer spektakulär, zum Beispiel bei der wahnwitzigen Treibjagd in Tangier, die als Hommage zu Ronin zu verstehen ist. Doch überschreitet das Team um Greengrass nie die Grenzen der Glaubwürdigkeit zum lustvollen Eskapismus eines James Bond. Greengrass setzt auf größtmögliche Authentizität im Rahmen einer Blockbuster-Unterhaltung. Seine Trumpfasse sind maximale Spannung und die Integrationskraft seines Stars, der zehn Jahre nach seinem Drehbuch-Oscar Good Will Hunting mal wieder den (vorläufigen) Höhepunkt seiner Karriere erreicht hat. |