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The Golden Door

(Nuovomondo, 2006)

Durchschnittliche Redaktionswertung

80%



Inhalt

Die Bauernfamilie Mancuso bewirtschaftet seit Generationen dasselbe Land auf Sizilien. Das Einzige was die Familie von ihrem Alltagstrott ablenkt, sind Geschichten über die neue Welt Amerika. Ende des 19. Jahrhunderts beschließt die Familie schließlich das Land zu verkaufen und dorthin auszuwandern. Dies entpuppt sich jedoch als unerwartet schwierige Aufgabe, da sie das "Goldene Tor" auf Ellis Island in New York passieren müssen, um amerikanische Staatsbürger zu werden.

Kritik

von Harald Witz

Wertung Kritik

80%

Am Ende des 19.Jahrhunderts verlassen viele Italiener ihr Land. Vor allem der Süden und besonders Sizilien bieten nur Armut und keine Zukunft. Selbst der ungebildete sizilianische Bauer Salvatore hat genug und geht mit Mutter sowie seinen zwei Söhnen an Bord eines Schiffes in die Neue Welt. Dort trifft er auf die geheimnisvolle Lucia, die trotz Bildung und Manieren einen Narren an dem naiven Salvatore gefressen hat. Emanuele Crialeses dritter Film The Golden Door beleuchtet bunte Emmigrantenschicksale als Gegenentwurf zu einer Welt, die alles standardisieren möchte.

Bild aus The Golden Door Das nächste Dorf sieht Bauer Salvatore Mancuso (Vinzent Amato) selten. Sein Sizilien ist ein felsiges Stück Land voller Geschichte, Geister und ohne Zukunft. Mutter Fortunata (Aurora Quattrocchi) und ihr Starrsinn spiegelt alle Gründe wider, warum es in dieser Öde nicht weitergehen kann. Also macht sich Salvatore mit der Alten sowie seine beiden fast erwachsenen Söhne Angelo (Francesco Casisa) und Pietro (Filippo Pucillo) auf den Weg in Richtung Amerika. Schon die Reise zum Meer wird zum Abenteuer, das sich auf der vierwöchigen Schiffsreise nahtlos fortsetzt. Unten im Bauch des Kahns, nach Männer und Frauen getrennt, harren sie Sardinen in der Dose auf die Ankunft in der Neuen Welt. Die undurchsichtige Lucia (Charlotte Gainsbourg), die allen Schwierigkeiten zum Trotz immer in der Nähe der Mancusos geblieben ist, weiß offensichtlich mehr als die ahnungslosen Mitreisenden. Sie setzt alles daran, um ins gelobte Amerika zu kommen und offeriert Salvatore sogar die Ehe, wenn er ihr bei der Einreise hilft.

Warum sie das macht, versteht der naive Salvatore erst viel später, als sie die vielen Prozeduren auf der New Yorker Insel Ellis Island hinter sich haben. Hier werden die Menschen auf Hygiene, Intelligenz, Moral, Körper und Geist untersucht. Schliesslich möchte man ja nicht die Falschen ins Land holen. Lange fragen sich Salvatore und die sture Fortunata, ob es sich überhaupt lohnt, durch die Goldene Tür zu schreiten...

Emmanuele Crialese porträtiert in The Golden Door die Reise italienischer Emmigranten am Ende des 19 Jahrhunderts als wenig glamourösen, aber liebenswerten Kostümfilm. Damit kehrt er thematisch zu seinem Erstling Once We Were Strangers zurück, ohne sich allerdings zu wiederholen. In klaren, strengen Bildkomposition nähert er sich seinen kantigen Figuren, die zunächst ganz mit der kargen Landschaft Siziliens verbunden sind. Ihre steinige, von Aberglaube und Ignoranz geprägte Welt steht im krassen Gegensatz zu der fast schon eleganten Erscheinung der mysteriösen Charlotte Gainsbourg, die einmal mehr Zerbrechlichkeit und Durchsetzungsvermögen ohne Widerspruch in sich vereinigt.

Der metallene Bauch des Schiffes sowie die Hallen und Büros von Ellis Island sind buchstäblich für alle eine ungewohnte Umgebung, in die sie nicht zu passen scheinen. Doch auch sie sind nur Stationen auf dem Weg zum wahren Terra Incognita - Amerika. Neben Gainsburg brilliert Crialeses Wegbegleiter und Freund, der Künstler Vincenzo Amato, der sich mit stoischem Spiel und feinsinniger Sensibilität die Sympathien des Publikums erarbeitet. Seine integrative Kraft bildet das Zentrum der Erzählung, um den die gegensätzlichen Frauen kreisen: Aurora Quattrocchi als misstrauische Alte und Charlotte Gainsbourg als Moral ignorierende Lebenskünstlerin. Ihre Reise bis zu den Grenzen der Zivilisation, an die Frontier, ist ein Versprechen auf eine ungewisse Zukunft, unter der sich jeder etwas anderes vorstellt.

Doch The Golden Door ist mehr als Reise. Es ist ein Plädoyer für den Individualismus und eine Ode an bunte Vielfalt der Menschen, die exemplarisch durch die Beamten von Ellis Island erfasst, katalogisiert, standardisiert und quantifiziert werden. Immer wieder blickt Agnès Godards Kamera in die Gesichter der Emmigranten (besonders schön auf dem Heiratsmarkt von Ellis Island zu sehen). Gleichzeitig verzweifeln die Beamten, wenn sie den naiven und ungebildeten Emmigranten obskure Aufgaben und Fragen stellen, mit denen die Menschen nichts anfangen können. The Golden Door feiert das Menschsein und den Individualismus. Man mag es als Afforderung verstehen, sich gegen die gesellschaftlichen Schubladen zu wehren.

Keine weitere Wertung


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Dt. Start: 10. Apr 2003
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