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Irina Palm

(Irina Palm, 2007)

Dt.Start: 14. Juni 2007 Premiere: 13. Februar 2007 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 103 min Land: Belgien, Luxemburg
Darsteller: Marianne Faithfull (Maggie/Irina Palm), Miki Manojlovic (Mikky), Kevin Bishop (Tom), Siobhan Hewlett (Sarah), Dorka Gryllus (Luisa), Jenny Agutter (Jane), Corey Burke (Ollie), Meg Wynn Owen (Julia), Susan Hitch (Beth), Flip Webster (Edith), Jonathan Coyne (Dave)
Regie: Sam Garbarski
Drehbuch: Philippe Blasband, Sam Garbarski


Inhalt

Um das Geld für die medizinische Behandlung ihres kranken Enkels aufzutreiben, beschließt die 50-Jährige Wittwe Maggie auf die Anzeige eines Sex-Etablissements zu antworten. Obwohl der Chef nach jüngeren Frauen sucht und sie daher zunächst ablehnt, bekommt sie trotzdem den Job als "Hostess". Unter dem neuen Pseudonym "Irina Palm" beginnt für Maggie ein neues Leben.
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Kritik

Irina Palm hat eine Wertung von 75%
Der belgische Regisseur Sam Garbarski inszenierte mit Irina Palm eine gute bis sehr gute Tragikomödie, die den Zuschauer mit schwarzem Humor einerseits zum Lächeln bringt, es aber andererseits schafft, ihn auch emotional zu berühren. Die inhaltliche Qualität von Garbarskis zweitem Spielfilm wird durch die hervorragende Darstellerleistung von Hauptdarstellerin Marianne Faithfull gestützt.

Bild aus Irina Palm Unter dem Eindruck von melancholischer Musikbegleitung sieht man aus der Vogelperspektive eine verschlafene Kleinstadt. Diese Szene bildet den Auftakt von Sam Garbarskis zweiter Kinoproduktion nach Der Tango der Rashevskis, die auf der Berlinale im Jahre 2007 lange als Favorit für den Goldenen Bären galt. Letztendlich konnte Irina Palm zwar nicht die höchste deutsche Filmauszeichnung gewinnen, wurde aber von der Leserjury der Berliner Morgenpost mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Weitere Nominierungen erhielten die bekannte britische Sängerin sowie Schauspielerin Marianne Faithfull und der serbische Schauspieler Miki Manojlovic beim 20. Europäischen Filmpreis-Festival für die Kategorie "Bester Hauptdarsteller".

Maggie (Marianne Faithfull) ist eine verwitwete Hausfrau, die in einer kleinen Stadt in der Nähe von London wohnt. Die Mittfünfzigerin steckt in einer scheinbar aussichtslosen Situation: Ihr Enkel Olly (Corey Burke), den sie äußerst lieb hat, ist todkrank. Nur mit Hilfe einer Operation bei einem Spezialisten in Australien besteht für ihn die Hoffnung auf Genesung. Da Maggies Sohn Tom (Kevin Bishop) arbeitslos ist und auch seine Frau Sarah (Siobhan Hewlett) kein Geld verdient, liegt es nun an Maggie seine Operation zu finanzieren.

Bereits am Anfang von Garbarskis Tragikomödie wird klar, was eine grundlegende Stärke seines Spielfilms sein wird: Die schauspielerische Leistung von Marianne Faithfull. Bei der Uraufführung von Irina Palm bekam Faithfull für ihre Rolle der Maggie auf der Berlinale knapp 20 Minuten Standing Ovations und dies völlig zurecht. Maggie ist eine liebenswürdige Frau mit wenig Selbstbewusstsein, die von ihren "Freundinnen" nicht beachtet und geschätzt wird, die keine Ausbildung hat und deren Leben ohne wirkliche Erfüllung dahin zu schwimmen scheint. Einzig Maggies vertrauensvolle Beziehung zu ihrem kranken Enkel kann zu diesem Zeitpunkt des Spielfilms als kleiner Lichtpunkt in ihrem tristen Leben angesehen werden.

Maggie bewirbt sich bei einigen Unternehmen, bekommt aber aufgrund fehlender Qualifikationen und aufgrund ihres hohen Alters keinen Job. Doch sie gibt nicht auf: Sie findet in London ein Schild mit der Aufschrift "Hostess gesucht - Exzellente Verdienstmöglichkeiten". Nichts ahnend, was hier unter einer "Hostess" zu verstehen ist, spricht Maggie mit Miki (Miki Manojlovic), dem Besitzer des Clubs "Sexy Worlds", und erfährt, dass Hostessen Männer durch Masturbation befriedigen. Zunächst lehnt Maggie erschrocken das Jobangebot ab, bis sie nach einigen Tagen Bedenkzeit doch einwilligt und schon bald in der Szene unter dem Künstlernamen Irina Palm bekannt ist.

Irina Palm hätte durchaus ein Film mit oberflächlichen, unter die Gürtellinie gehenden Witzen werden können, ein Film mit wenig Anspruch ohne jegliche inhaltliche Qualität. Doch genau dies verhindert Garbarski, indem er weitestgehend auf Klischees verzichtet und philosophische Fragen aufwirft. So wird in seiner Tragikomödie zum Beispiel der Wert der Moral, die richtiges und sittliches Handeln mit einschließt, in Frage gestellt: Maggie liebt ihren kleinen Enkel über alles und um seine Operation gewährleisten zu können, steigt sie sogar ins horizontale Gewerbe herab und dies obwohl sie eine liebenswürdige und tugendhafte Frau ist. Garbarski bezieht zwar nicht direkt Stellung, dennoch wird deutlich, dass er sehr wenig von vermeintlichen Moralisten hält, denn Maggies Entscheidung ist nicht nur zu tolerieren, sondern eben auch ein Zeichen von großartiger Menschlichkeit gegenüber ihrem Enkel. Die Ironie von Garbarskis Spielfilm liegt auf der Hand: Maggie gewinnt im gesellschaftlich nicht anerkannten Rotlichtmilieu an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Durch ihren Künstlernamen Irina Palm ist sie wieder Jemand, gänzlich anders als noch am Anfang des Films.

Lange Zeit stand in den Sternen, ob man Irina Palm überhaupt einmal finanzieren könne, da sich keine Produzenten für den Film fanden. Zum Glück ist dies gelungen, da Regisseur Garbarski eine sehenswerte Tragikomödie mit einer stark spielenden Hauptdarstellerin bietet. Zwar wird sein Spielfilm aufgrund der ruhigen Inszenierung nicht jedem Filmfan gefallen, denen allerdings umso mehr, die gerne über eine tiefgründige Story nachdenken wollen.

von Jens Grimm


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